Krefeld: Netzwerk gegen häusliche Gewalt ist Beispiel für Projekt der Bundesregierung

Modellkommune : Netzwerk gegen häusliche Gewalt in Krefeld ist beispielgebend

Eine Projektstudie soll Erfolgsmodelle vom Land an die Bundesregierung geben. Bis zum 30. Juni wird untersucht, wie Qualitätsstandards verbessert werden können.

Das Krefelder Netzwerk gegen häusliche Gewalt in Krefeld ist im Rahmen einer Bedarfsanalyse als eine von fünf Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen für ein Projekt der Bundesregierung ausgewählt worden und wird nun bis 30. Juni 2019 durch die Studie begleitet. Das Netzwerk in der Seidenstadt ist bereits gut aufgestellt und konnte sich deshalb für die Teilnahme qualifizieren. Nun werden alle Netzwerkteilnehmer über Fragebogen daran beteiligt, ein umfassendes Bild der vorhandenen Strukturen und Angebote zu erstellen und können eventuelle Ergänzungswünsche darstellen. Die Ergebnisse werden an die Landesbehörde übermittelt, die sie ihrerseits dann in die Bundesstudie einfließen lassen wird. So sollen schließlich bundesweit die Qualitätsstandards verbessert werden.

Silvia Hellfeier, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Koordinatorin des Krefelder Netzwerkes gegen häusliche Gewalt, ist für das Landesministerium die Ansprechpartnerin vor Ort. „Uns ist jetzt erst richtig klar geworden, wie weit wir im Laufe unserer rund 30-jährigen Zusammenarbeit mit dem Netzwerk bereits sind und wie viel Erfahrung darin steckt“, sagte Hellfeier. „Bei uns sind beispielsweise wie selbstverständlich die Gesundheitsberufe ins Netzwerk eingebunden, das ist andernorts noch keineswegs so“.

Mit Hilfe von regelmäßigen vom Netzwerk organisierten Weiterbildungen werden die Teilnehmer auf die jeweiligen aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt informiert. Die Krefelder Fachberatungsstelle für Häusliche Gewalt habe im vergangenen Jahr 270 Betroffene beraten, davon 19 Männer. Die Polizei verzeichnete im gleichen Zeitraum 588 Fälle von Häuslicher Gewalt, davon 257 mit Wegweisung des Täters. Die Opfer tun sich oft schwer damit, selbst aktiv zu werden. Deshalb ist die schnelle und umfassende Unterstützung durch das Netzwerk so wichtig.

Bei der Einführung der Wegweisung des Täters aus der gemeinsamen Wohnung war man davon ausgegangen, dass dieses Instrument auf Dauer die Frauenhäuser überflüssig mache. Dies habe sich jedoch nicht bewahrheitet. Martina Müller-West, Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses vom SkF erklärt, dass es in Krefeld aktuell keine Warteliste gibt. Das Haus sei jedoch stets gut ausgelastet, im vergangenen Jahr wurden 35 Frauen und 51 Kinder aufgenommen. Für 116 Personen, die wegen Vollbelegung nicht aufgenommen werden konnten, konnten Plätze in anderen Frauenhäusern in der Umgebung gefunden werden.

Mit einer Fahnenaktion zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ machte das Krefelder Netzwerk gegen Häusliche Gewalt jetzt wieder die Öffentlichkeit auf die Problematik aufmerksam. Bis zum 5. Dezember bleiben die „Terre des Femmes“-Fahnen vor dem Rathaus und anderen öffentlichen Gebäuden in Krefeld hängen.

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