Krefeld: Nava Zukerman (Israel) inszeniert Heiner Müllers Hamletmaschine

Theater Krefeld: Regisseurin aus Israel inszeniert Heiner Müllers „Hamletmaschine“

Heiner Müllers Text von 1977 stellt die Position von Künstlern in einer aus den Fugen geratenen Welt radikal in Frage. Dieses Sujet ist Nava Zukermans Lebensthema.

Wiederholungen hält Nava Zukerman für Zeit- und Energieverschwendung. Sie geht nach vorn, den Blick immer auf neue Projekte gerichtet. Für das Gemeinschaftstheater macht sie jetzt eine Ausnahme. Seit Oktober erarbeitet sie mit dem hiesigen Schauspiel-Ensemble Heiner Müllers „Hamletmaschine“ für die Studiobühne. Die Premiere am 7. Dezember in der Fabrik Heeder ist bereits ausverkauft.

Die „Hamletmaschine“ hat die israelische Theatermacherin bereits vor drei Jahren auf die Bühne ihres Theaters, des Tmu-Na in Tel Aviv, gebracht. Und es war Zufall oder Fügung, dass sie in jener Zeit Schauspieldirektor Matthias Gehrt kennenlernte, der an ihrem Theater Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“ inszenierte (wir berichteten). Sie erinnert sich an die Begegnung in einer Kaffeebar. Jemand hatte dem Regisseur aus Deutschland erzählt, er müsse unbedingt Nava treffen. „Dann stand er vor mir, dieser große Mann“, erzählt die zarte Frau mit der rauchigen Stimme.Es habe nur fünf Sätze lang gedauert, dann war klar, dass sie über Theater, Sinn und Fragen ihrer Kunst aus einem Holz geschnitzt waren. Und dass Nava Zukerman in Krefeld inszenieren müsse – „wegen der Menschen“.

In Israel gilt Nava Zukerman als Grand Dame der Off-Theater-Szene. Sie ist künstlerische Leiterin des Tmu-Na-Theaters, das monatlich 80 Vorstellungen zeigt, und inszeniert weltweit. Das israelische Kulturministerium hat sie mit dem Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Doch die Liebe zu ihrer Heimat ist für die energiegeladene Frau mit den leuchtend roten Strähnen im schwarzen Haar schwierig. „Das Leben in Israel gleicht einem geplatzten Traum. Ich fühle mich fremd. Es ist mein Zuhause, aber nicht mehr mein Land“, sagt sie. In dem ständigen Gefühl zu leben, dass jeden Moment der Krieg ausbreche, ist eine Last. Eine Last, die die Schauspieler hier nicht kennen. Und deshalb hat Zukerman die „Hamletmaschine“ unter diesen Vorzeichen noch einmal gereizt. „Das war ein Bruch. In Israel kennen die Schauspieler den Kampf und die Rebellion, wir sind in der Armee, wir müssen für das tägliche Leben kämpfen. Das ist hier anders. Deshalb habe ich den Schauspielern hier zugehört. Ich habe ihre Gedanken, und das was sie bewegt, einfließen lassen.“

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Heiner Müllers Stück ist eine radikale Infragestellung des Künstlers und Intellektuellen, der Positionierung in politisch unruhigen Zeiten. Der nur neunseitige Text entstand bei einer Shakespeare-Übersetzung für Benno Besson und wurde 1979 in Frankreich uraufgeführt. Sprachgewaltig erdichtet Müller schlimmste Gräueltaten innerhalb Hamlets Familie. „Das Stück ist politisch, es geht um Rebellion, um die Frage, wie frei wir sind. Auch wenn wir glauben es zu sein, werden wir beeinflusst und manipuliert. Aber es geht auch um Familie. Wir sind immer Resultat unserer Familien. Heiner Müller trifft meine Gedanken genau.“ Die „Hamletmaschine“ ist ihr Stück, auch wenn sie lange darauf gewartet hat. „Vor 30 Jahren hat mir einer meiner Studenten den Text gegeben und gesagt, das müsse ich lesen. Und er wollte Hamlet spielen“, erzählt die Regisseurin. Ihre Wege trennten sich, aber beide blieben in Verbindung – bis Nava Zukerman das Versprechen einlöste und das Stück auf die Bühne brachte.

Nava Zukerman kommt vom Tanz. „Ich habe immer auch Gedichte geschrieben. Deshalb will ich Körpersprache und Poetik gern zusammenbringen.“ Und so das Publikum auf eine Reise mitnehmen. „Ich traue dem Publikum viel zu und vertraue ihm“, sagt sie.

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