Krefeld: Nach dem Tod mehrerer Kühe wird Gift gegen Jakobskreuzkraut im Latumer Bruch eingesetzt

Krefeld : Nach dem Tod mehrerer Kühe: Gift gegen Jakobskreuzkraut

Das vor allem für Pferde und Rinder tödliche Jakobskreuzkraut hat sich im Naturschutzgebiet Latumer Bruch ausgebreitet und soll jetzt bekämpft werden.

(vo) Der Naturschutzbeirat hat am Dienstag Abend grünes Licht für den Einsatz von Pflanzengift gegen das Jakobskreuzkraut  im Naturschutzgebiet Latumer Bruch gegeben. Hintergrund: Mehrere Kühe sollen verendet sein, nachdem sie Heu aus dem Latumer Bruch gefressen haben, das mit Jakobskreuzkraut versetzt war. „Der Einsatz von Pflanzengift im Latumer Bruch muss die Ausnahme bleiben“, erklärte der Vorsitzende des Beirates, Heinz Albert Schmitz, nach der Sitzung.  Im diesem Falle aber sehen die Fachleute keine andere Lösung.

Schmitz, der selber Landwirt ist, erläuterte, dass es für den Landwirt nicht zu erkennen ist, ob Heu mit dem tödlichen Kraut kontaminiert ist. Die an sich schönen, leuchtend gelben Blüten sind dann nicht mehr zu erkennen. Die Gefahr ist allen bewusst, häufig lassen sich Landwirte, die Heu einkaufen, von den Lieferanten schriftlich versichern, dass das Heu frei ist von Jakobskreuzkraut.

An sich ist es verboten, im Latumer Bruch, Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf Grünland auszubringen.  Dadurch soll eine hohe Artenvielfalt der Flora ermöglicht werden. Per Vertrag wurde den Landwirten, die das Land naturnah pflegen,  zugesichert, durch Verkauf des Heus eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit zu  erhalten. „Leider hat in den vergangenen Jahren auf angrenzenden Brachflächen eine starke Vermehrung des Jakobskreuzkrautes stattgefunden“, heißt es in einer Expertise der Verwaltung. Diese Pflanze ist in der Lage, flugfähigen Samen zu bilden, der auf ungedüngten Flächen sehr gut angeht.

Die Pflanze ist in allen Teilen giftig. Sie enthält ein Alkaloid, das zu schweren Vergiftungen von Leber und Nieren führt. Auf der Weide werden die Pflanzen gemieden, nur junge, unerfahrene Tiere fressen sie. Im Heu wird jedoch der als unangenehm stinkend empfundene Geruch der Pflanzen durch den Geruch anderer Pflanzen überdeckt und von den Tieren nicht mehr wahrgenommen – so fressen sie es. Bei Aufnahme kleiner Mengen über einen längeren Zeitraum entsteht eine chronische Vergiftung. Eine Heilung ist aufgrund der schweren Organschädigungen aussichtslos. Bei akuter Vergiftung tritt der Tod in wenigen Tagen ein. Besonders empfindlich sind Pferde, dicht gefolgt von Rindern. Schafe und Ziegen sind etwas weniger empfindlich.

Das für den Einsatz geplante Pflanzenschutzmittel  Simplex ist für den Einsatz  in Wasserschutzgebieten zugelassen und als nicht bienengefährlich eingestuft.

Mehr von RP ONLINE