Krefeld: Mut zum Leben ist das Motto der neuen Spielzeit im Kresch

So bunt wird Programm in der neuen Spielzeit : Das Kresch macht Mut zum Leben

Isolde Wabra, neue Chefin des Kresch-Theaters, startet mit ihrem Team in die erste Spielzeit unter ihrer Leitung. Die jungen Besucher dürfen sich auf außergewöhnliche Projekte und skurile Geschichten freuen.

Seit Mai hat das Kresch-Theater eine neue Chefin. Nach den Sommerferien startet Isolde Wabra in ihre erste mit vorbereitete Spielzeit, dann auch als Krefelderin. Denn die Möbelpacker stehen schon bereit. Die Ferien nutzt die gebürtige Österreicherin, die bisher als erste Spielleiterin, Regisseurin und Schauspielerin am Theater und Orchester Neubrandenburg/ Neustrelitz beschäftigt war, für den Umzug an den Niederrhein.

Während sich die 13-jährige Tochter schon auf das Leben in einer Großstadt nahe Düsseldorf und Köln freue, müsse der zehnjährige Sohn noch etwas von Krefelds Vorzügen überzeugt werden, sagt Isolde Wabra schmunzelnd. Sie selbst fühle sich in der neuen Heimat sehr wohl. „Es gibt hier sehr viel, was ich lieben gelernt habe. Ich spüre das Herz vom Kresch und bin hochmotiviert.“

Mit dem Programm der neuen Spielzeit, die unter dem Motto „Mut zum Leben“ steht, will das Kresch-Team „ein starkes Zeichen“ setzen. Jugendliche sollen sich in „ihrem“ Theater zu Hause fühlen, ein Stück Geborgenheit erleben und in dieser Atmosphäre wertvolle Erfahrungen sammeln. Doch nicht nur die Teenager spricht das Programm an, ausdrücklich werden auch die Vertrauenspersonen der Jugendlichen, sei es aus Familie oder Freundeskreis, eingeladen. Theater soll verbinden, das ist der Kresch-Familie wichtig.

Die Spielzeit 2019/ 20 startet mit einem „Statement“, wie es Helmut Wenderoth nennt. Der künstlerische Leiter und Dramaturg hat sich dafür ein schwer verdauliches Thema ausgesucht: Leukämie oder „Leben im Zeitraffer“, wie es der Protagonist des Stückes „Superhero“ von Anthony MacCarten nennt. Der 14-Jährige Comiczeichner will nicht als „verdammte Jungfrau“ sterben und setzt alles dran, dieses Ziel zu erreichen. Als „rasant, humorvoll und gleichzeitig todtraurige Geschichte“ beschreibt Wenderoth das Stück, das für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet ist und am 13. September der Fabrik Heeder Premiere feiert. Regisseur René Link ist dem Kresch schon lange verbunden. „Ich möchte nicht als Neue alles ändern, sondern die bestehenden Verbindungen halten“, betont Isolde Wabra.

Sie wird in ihrem ersten Stück, das Kresch ins Klassenzimmer bringen. „Out — Gefangen im Netz“, heißt das Werk von Knut Winkelmann. Es handelt von Cybermobbing und wie man sich dagegen wehren kann. Darüber klärt ein vermeintlicher Polizeioberkommissar die Schüler auf. Was jedoch wirklich hinter dieser besonderen Schulstunde steckt, bleibt lange ein Geheimnis. Bei der Premiere am 28. September wird es gelüftet (für Kinder ab zehn Jahren).

Eine wunderbare Freundschafts-Geschichte erzählt Helmut Wenderoth in seiner Adaption des Kinderbuchs „Kannst du pfeifen, Johanna“ von Ulf Stark. Kinder ab sechs Jahre erfahren, das Großväter toll sind und viele schöne Sachen machen. Was aber tun, wenn es keinen Opa gibt? Berra sucht sich einen, und zwar im Altersheim. „Wir werden Kindergärten und Seniorenheime einladen, sich dieses Stück gemeinsam anzuschauen. Vielleicht entstehen daraus ja auch in Krefeld kleine Freundschaften“, hofft Wenderoth. Premiere ist am Sonntag, 6. Oktober.

Ein Klassiker lockt in der Weihnachtszeit ins Kresch. „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ heißt das Kult-Märchen, das für Kinder ab fünf Jahren geeignet ist und ganze Familie ansprechen soll. „Ich bin ein großer Fan von Märchen und ich glaube, dass Kinder, die Märchen lieben, später auch gerne ins Theater gehen werden“, sagt Chefin Wabra und freut sich auf die erste Aufführung am Sonntag, 1. Dezember.

Auf die traumhafte Weihnachtsgeschichte folgt schwere Kost. „Jubiläum“, heißt das Stück nach einem Buch von Georg Taboriso. Der harmlos klingende Titel lässt nicht erahnen, dass es in diesem Werk, das auf einem Friedhof am Rhein spielt, um Nazis und ihre kruden Weltanschauungen geht. Isolde Wabra führt Regie in dem Theaterstück gegen das Vergessen, das sich an Jugendliche ab 16 Jahren richtet. Premiere ist am 24. Januar.

Mit „Ellington“, der skurrilen Liebesgeschichte zwischen einer Klavierlehrerin und einer Ente, endet die erste Spielzeit von Isolde Wabra. Das Bilderbuch von Marlies Bardeli und Ingrid Godon ist für Kinder ab fünf Jahren gedacht. Helmut Wenderoth möchte es ohne Ente in Szene setzen, als Erzähltheater. Ein Termin für die Premiere steht noch nicht fest.

Kreativ wird es nach den Sommerferien auch bei den „Partizipativen Projekten“, die Anna Brass betreut. Kinder ab acht können beim „Stadtkindertanz“ mitmachen, für die Älteren sind „Stadtjugendtheater“, „Improstudio“ oder „Kreativlabor“ interessant. Wichtig ist Anna Brass, dass alle, die Lust aufs Kresch haben, auch mitmachen können. Die ersten Übungsstunden sind immer auch Schnupperstunden, in denen Kinder und Jugendliche ausprobieren können, ob ihnen Theater Spaß macht.

Wie erfolgreich diese Projekte sind, zeigt die Einladung zum Tanz- und Theaterfestival in München. Anna Brass wird in dieser Woche mit 20 Jugendlichen in die bayrische Metropole reisen und dort Krefelder Kunst und Kultur präsentieren. So macht Theater sicher allen Beteiligten Spaß.

Die Proben-Termine der „Partizipativen Projekte“ erfahren Interessierte im Kresch unter Telefon 02151 862626 oder auf der Homepage www.kresch.de

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