Krefeld: Mies van der Rohe-Ausstellung an der Girmesgath

Eröffnung im Industriebau : Mies-Ausstellung packt heiße Eisen an

Die Ausstellung „Mies im Westen“ birgt eine Menge Zündstoff. Studenten präsentieren nicht nur Fotos, Pläne, Modelle und Zeichnungen zu Haus Lange und Haus Esters, sondern auch zu nicht realisierten Vorhaben und der Villa Heusgen in Hüls.

Die Geschichte des Wirkens des weltberühmten Architekten Ludwig Mies van der Rohe in Krefeld ist noch nicht zu Ende erzählt: Selbst Experten, die glauben, bereits alles über den ehemaligen Bauhausdirektor und seine Tätigkeit in der ehemaligen Seidenmetropole zu wissen, dürften in der Ausstellung „Mies im Westen“, die am Mittwoch auf dem Areal des Mies-van-der-Rohe-Business-Parks an der Girmesgath eröffnet wurde und bis zum 30. Juni dauert, Neues im Detail erfahren.

Bei intensiven Studien haben angehende Architekten bekannte Vorzeigeobjekte wie Haus Esters und Haus Lange durchleuchtet und dabei verschwundene Geheimtüren und Orgelzimmer entdeckt. Die Detailversessenheit geht soweit, dass Zeichnungen jeden Holzklotz des Parketts maßstabsgetreu wiedergeben.

Mies van der Rohe hat zwischen 1927 und 1938 seine Spuren in Krefeld hinterlassen und eine Basis für das geschaffen, was ihn später in den Vereinigten Staaten weltberühmt machen sollte. Die Stahlkonstruktionsbauweise des HE-Gebäudes der Vereinigten Seidenwebereien AG (Verseidag) ist nur ein Beispiel. Professor Daniel Lohmann sprach gestern von einem „Karrierehöhepunkt in Krefeld“. Sein Professoren-Kollege Norbert Hanenberg wollte so weit dann doch nicht gehen. Gleichwohl unterstrich er die Bedeutung der Verseidag für die Entwicklung Mies van der Rohes. Dessen Krefelder Vokabular aus Formensprache und Material, Stahl und Glas sei das, was ihn in Chicago berühmt gemacht habe.

Im Erdgeschoss des HE-Gebäudes im Mies-van-der-Rohe-Business-Park ist die Ausstellung mit Modellen, Fotos, Plänen und Zeichnungen zu sehen, die das Wirken des berühmten Architekten in Krefeld dokumentiert. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Ausstellung „Mies im Westen“, die in lokaler Ausprägung auch in Essen und Aachen existiert, zeige in der Seidenstadt gleichsam die drei „Aggregatszustände“ geplant, gebaut und zerstört. Nicht verwirklicht wurde bekanntlich der Golfclub am Egelsberg, der vor Jahren als 1:1-Modell als temporäres Projekt am Originalstandort aufgebaut worden war.Geplant, aber nicht realisiert, hat van der Rohe ein Wohnhaus für Ulrich Lange am Buscher Holzweg in Traar. Die schon nationalsozialistische Bauverwaltung verlangte, den Blick von der Straße auf das Gebäude durch einen Erdwall zu verhindern. Dem Anlegen des Sichtschutzes stimmte Mies nicht zu. Die Pläne blieben unverwirklicht.

In der Schublade blieben auch die Entwürfe für ein Hauptverwaltungsgebäude der Verseidag. Stattdessen baute Egon Eiermann das heutige Stadthaus am Konrad Adenauer Platz. Pläne und Modelle zeigen, was hätte werden können.

Die Professoren Daniel Lohmann und Norbert Hahnenberg sowie Dr. Ursula Kleefisch-Jobst vom Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW stellten gestern die Ausstellung „Mies im Westen“ vor. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Mit der Villa Heusgen am Talring in Hüls packen die Macher ein in der Stadt Krefeld heißes Eisen an. Die Urheberschaft Ludwig Mies van der Rohes wird immer wieder angezweifelt. Die Professoren Lohmann und Hanenberg sowie deren Studenten lösen das Rätsel auch nicht zweifelsfrei. Ob auf irgendeinem Plan die Unterschrift des früheren Bauhausdirektors stehe oder nicht, sei für uns nebensächlich, sagten die beiden Lehrenden. Die Villa Heusgen sei „in Formensprache, Konstruktion und Details ohne Mies van der Rohe nicht denkbar, auch wenn andere Architekten auf dem Bauschild gestanden haben“, sagte Hanenberg. Willi Kaiser war enger Mitarbeiter von Mies. „Würde einer meiner Angestellten mich so kopieren, würde ich ihn verklagen“, sagte er. Materialien, Türen, Parkett, Fenster und Wandscheiben in der Villa Heusgen seien teilweise moderner als in Haus Esters und Haus Lange, erklärte Hanenberg.