1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Mentalist und Zauberkünstler Klaus Lüpertz feiert Bühnenjubiläum

Krefeld Zauberkunst : Der Gedankenleser

Der Fischelner Klaus Lüpertz, genannt der „Traumwandler“, ist Vollzeit-Magier. Jetzt feiert er sein zehnjähriges Bühnenjubiläum.

Am Ende des Interviews bleibt das überaus eigenartige Gefühl, dass ein völlig Fremder offenbar in den eigenen Kopf und die eigenen Gedanken eindringen konnte. Mit scharfem Blick in die Augen und ein paar Fragen herausgefunden hat, was er eigentlich nicht wissen kann. Den Lieblingssport seines Gegenübers. Ein zufällig gewähltes Wort auf einer zufällig aufgeschlagenen Buchseite, nur in Gedanken buchstabiert. Verrückt! Aber auch vergnüglich. So vergnüglich, dass Klaus Lüpertz sich zum einen wohl völlig zu Recht „Mentalist“ nennen und zum anderen jetzt sein zehntes Bühnenjubiläumsjahr als „Traumwandler“ feiern kann. Seit rund zwei Jahren lebt der Fischelner ausschließlich von seiner Zauberkunst, die er vor einem Publikum von bis zu 2000 Gästen zeigt. Seinen Job als Banker hat er drangegeben.

Klaus Lüpertz, das ist auch ein bisschen Hogwarts im Fischelner Reihenhaus. Der Meister trägt zwar keinen Zauberumhang, doch die Präsenz des ganz in Schwarz gewandeten 52-Jährigen ist gleich spürbar. Vielleicht liegt es auch daran, dass er ein scharfer Beobachter ist. Sich ganz auf sein Gegenüber konzentriert, immer fokussiert ist, Augenkontakt hält. Eine Berufskrankheit, denn für seine Experimente muss er genau das tun: Scharf beobachten. Jede Regung beim Gegenüber wahrnehmen und deuten können.

„Reine Übungssache, das könnte wahrscheinlich jeder lernen“, sagt er, als wäre es nichts Besonderes, sehen zu können, was sein Gegenüber nur in Gedanken buchstabiert. Klaus Lüpertz beobachtet. Immer. Die Kassiererin im Supermarkt, Wortgefechte, die irgendwo passieren. „Das ist ein bisschen wie Training für mich“, sagt er. Ob es für die eigenen Kinder nicht ein bisschen lästig sei, einen Mentalisten als Vater zu haben, der den Namen des neuen Schwarms mal eben beim Frühstück aus dem Kopf des Teenagers ziehen kann? „Ach“, sagt er und grinst. „Um den eigenen Kindern in den Kopf zu gucken, muss man ja meistens kein Mentalist sein, sondern einfach nur Vater oder Mutter“. Außerdem sei es so, dass er für seine Experimente, wie sie nennt, bestimmte Abläufe brauche, damit sie klappen. „Tatsächlich ist es dann so, dass ich bei Fremden näher dran bin, als innerhalb der Familie.“

Nicht immer funktionieren seine Kunststücke. „Zu Beginn eines Auftritts versuche ich immer, einen Vornamen, eine Jahreszahl und eine Stadt herauszufinden. Wenn ich alle drei schaffe, gehört das Publikum mir.“ Und wenn nicht? „Dann erhöht das meine Glaubwürdigkeit.“ Ein Begriff von drei klappe eigentlich immer. Wie es gelingen kann, dem Gegenüber die Buchstaben aus dem Kopf zu ziehen? Berufsgeheimnis. Investigativer Journalismus scheitert am Traumwandler kläglich. In Lüpertz‘ Kopf lässt sich nämlich leider rein gar nichts lesen. Aber so viel verrät er doch: „Es geht viel um den Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Anhand von Körpersprache, Gestik, Mimik und den so genannten Mikro-Ticks, bei denen man anhand kleinster Zuckungen sehen kann, was im Menschen abläuft, kann ich mich an mein Gegenüber ‚heranträumen‘.“ Lüpertz, der „Traumwandler“, stützt sich auch auf die Neuro-Linguistische Programmierung NLP-Schule und nutzt Elemente aus dem Bereich der Hypnose, vorwiegend den Baustein Suggestion. „Man braucht unwahrscheinlich viel Empathie und Intuition, eine gute Beobachtungsgabe, und dann heißt es: Üben, üben, üben.“

Die Tricks der Mental-Magie seien am Ende aber nur fünf bis zehn Prozent dessen, was einen erfolgreichen Bühnen-Magier ausmache. „Der Rest ist Performance und Unterhaltung“, sagt Lüpertz. Er selber sei in seiner Banker-Karriere dazu erzogen worden, vor vielen Menschen aufzutreten. „Dennoch war ich mit meinem kreativen Vortragsstil immer ein gepunktetes Zebra und als Banker gefangen im falschen Körper“, sagt er, der „ganz brav“ seine Ausbildung bei der Sparkasse Krefeld und dann „die Tour durch die Bankenwelt und führende Adressen im Bereich der Vermögensverwaltung“ gemacht hat. Seine Fähigkeiten, andere Menschen zu lesen, hatten durchaus auch während der Bank-Karriere Vorteile: „Ich konnte immer genau sehen, wann die Kunden reif waren, den Vertrag zu unterschreiben. Mit meinen Kollegen habe ich ein geheimes Zeichen abgemacht: Wenn ich einen zweiten Kuli aus der Sakko-Tasche geholt und auf den Tisch gelegt habe, wussten sie, dass sie aufhören können zu präsentieren und der Kunde reif ist, zu unterzeichnen. Wir haben damals gute Umsätze gemacht.“

Sein zehnjähriges Bühnenjubiläum feiert der Traumwandler natürlich auf der Bühne und zwar mit einer großen Show und gemeinsam mit vielen Zauberkollegen am Sonntag, 7. Oktober, in der Grefrather Albert-Mooren Halle. Die Veranstaltung ist so gut wie ausverkauft, einige Restkarten à 25 Euro sind gegebenenfalls noch über die E-Mailadresse „mail@magie-des-traumwandlers.de“ zu ergattern.