Krefeld: Literatur-Kurs des Gymnasiums Horkesgath spielt Dürrenmatts "Besuch der alten Dame"

Schulen in Krefeld : Dürrenmatts „Alte Dame“ am Horkesgath

Die Theateraufführung ist ein Höhepunkt für die Schulgemeinschaft am Gymnasium Horkesgath: In diesem Jahr zeigen die Q1-Schüler den Dürrenmatt-Klassiker „Der Besuch der alten Dame“.

Für die Gymnasiasten ist es die erste Erfahrung mit dem Theaterschauspiel: Heute findet am Horkesgath die Premiere von Dürrenmatts Klassiker „Der Besuch der alten Dame“ statt, auf die Bühne gebracht vom Literaturkurs der Q1 unter Leitung von Gesine Rassek.

 In dem Stück geht es um Liebe, Macht, Konsum, Gerechtigkeit und Vergebung. Kernpunkt sei die noch heute relevante Frage, über die Käuflichkeit der Menschen und wie viel ein Menschenleben wert ist, erklärt Daniel Bautz, der im Stück den Bürgermeister verkörpert. Das Fehlen einer Pointe rege dabei zusätzlich zum Nachdenken an, da das materiell getriebene Verlangen obsiegt. Durch das Schauspiel gewinne die Bearbeitung der Thematik zusätzliche Tiefe für die Schüler, da sich die sich in die verschiedenen Rollen hinein versetzten.

Der Spaß an dem zeitintensiven Projekt steht für die meisten Schüler im Vordergrund, aufgeregt vor der Premiere sind sie dennoch. Aus der über Monate geprobten Inszenierung ziehen die Schüler Erfahrungen für ihr Leben: Im Theater werde das offene Auftreten und die Selbstdarstellung gefördert, was in Bewerbungsgesprächen und Vorträgen vorteilhaft sei. Der Kurs sei zudem als Gruppe zusammengewachsen und habe sich in stressigen Situationen arrangiert, um ein rund ablaufendes Theaterstück zu schaffen, in dem alle 25 Schüler ihren Platz als Schauspieler, Techniker oder Souffleusen haben.

Die Hauptdarsteller sind Lina Hasan (Alte Dame), Jonathan Sturm (Alfred Ill), David Bautz (Bürgermeister), Chantal Eckert (Lehrerin), Lucy Fischer (Pfarrer), Henri Kühne (Bankchef) und Sinem Metin (Polizistin). Das Drehbuch wandelte Gesine Rassek mit Ideen der engagierten Schüler leicht ab und passte es der Neuzeit an. Unter anderem ist das Kopfgeld daher mit zwei Milliarden doppelt so hoch wie im Original, der Pfändungsbeamte ist ein Bankchef und zwei Schülerinnen brechen als Erzähler die vierte Wand. „Es ist großartig zu sehen, wie sich die Schüler im Rahmen des Stücks entwickeln“, berichtet Rassek, die zusätzlich für Regie und die Musik zuständig ist. „Es macht jedes Jahr aufs Neue Spaß, mit den Schülern etwas zu entwickeln.“

Die Tragikomödie handelt von Claire Zachanassian, die in ihrem Heimatort Güllen nach Rache trachtet. Als Jugendliche verliebte sie sich in Alfred Ill, wird schwanger und dann von Ill verlassen und ihrer soziale Anerkennung beraubt. Als sie nach 45 Jahren als reichste Frau der Welt nach Güllen zurückkehrt, wird sie als Prominente verehrt. Die Stadt hofft auf finanzielle Unterstützung der alten Dame. Sie will diese gewähren, fordert dafür aber einen unmoralischen Preis: Der Tod von Alfred Ill ist ihr zwei Milliarden wert. Wenngleich die Bewohner zunächst ablehnen, wirkt das Angebot zu verlockend auf sie, um es ohne Weiteres ausschlagen zu können.

Das Schultheaterstück gilt als ein Highlight im Schuljahr und lockt viele Zuschauer in das Gymnasium Horkesgath. Seit nunmehr zehn Jahren proben die Literaturkurse ein Theaterstück, um es zum Ende des Schuljahres für Schüler, Lehrer, Freunde und Verwandte aufzuführen.

Zwei Aufführungen finden im Pädagogischen Zentrum (PZ) des Gymnasiums statt, eine weitere im Rahmen des Theaterfestivals „Staunzeit“, wenn Gesine Rassek und ihr Kurs unter professionellen Bedingungen auf der Großen Studiobühne 2 in der Fabrik Heeder auftreten. Besonders diesem Auftritt fiebern die Schüler mit freudiger Erwartung entgegen.

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