Unterstützung bis zum dritten Lebensjahr Krefeld lässt junge Familien nicht allein

Krefeld · Sandra Salehin arbeitet seit sechs Monaten als Netzwerkkoordinatorin für Frühe Hilfen. Die 37-jährige Expertin ist wichtiges Bindeglied zwischen der Stadt und Krefelder Einrichtungen mit entsprechenden Angeboten.

 Frühe Hilfen sind ein niedrigschwelliges Angebot ab der Schwangerschaft für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren.

Frühe Hilfen sind ein niedrigschwelliges Angebot ab der Schwangerschaft für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren.

Foto: dpa/Fabian Strauch

Einen großen Teil ihres Arbeitstages verbringt Sandra Salehin am Telefon. Seit einem halben Jahr ist sie Netzwerkkoordinatorin für Frühen Hilfen bei der Stadt Krefeld. Sie knüpft und hält Kontakte, stellt sich vor, sie netzwerkt. Sandra Salehin ist das Bindeglied zwischen Stadt und den Krefelder Einrichtungen mit Angeboten der Frühen Hilfen. Diese Angebote sind ein erster wichtiger Baustein der kommunalen Präventionsketten und unterstützen Eltern ab der Schwangerschaft und Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr.

Die Familien sollen in belasteten Lebenslagen rechtzeitig erreicht, beraten und unterstützt werden. Das Netzwerk Frühe Hilfen ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Einrichtungen, Verbänden, Institutionen sowie den Fachkräften des Kinder- und Jugendhilfebereichs und des Gesundheitswesens. „Frühe Hilfen sind niedrigschwellig und für Familien freiwillig und kostenlos“, erklärt Salehin. „Mein Ziel ist es, dass die vielseitigen Angebote stadtweit noch bekannter werden.“

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen wird von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) getragen. Auf kommunaler Ebene überblickt die Netzwerkkoordination – wie in Krefeld Sandra Salehin – die örtlichen Angebote. Wenngleich diese besonders für Familien in problembelasteten Lebenslagen – etwa mit hohem Armutsrisiko, gesundheitlichen Erkrankungen oder großer Stressbelastung – konzipiert sind, muss niemand eine „Voraussetzung“ erfüllen.

 Sandra Salehin hat Soziale Arbeit studiert. „Mir ist es ein großes Anliegen, bei den Projekten und Trägern vor Ort zu sein“, sagt die 37-jährige Krefelderin.

Sandra Salehin hat Soziale Arbeit studiert. „Mir ist es ein großes Anliegen, bei den Projekten und Trägern vor Ort zu sein“, sagt die 37-jährige Krefelderin.

Foto: Stadt Krefeld

Frühe Hilfen sind grundsätzlich für alle verfügbar. In Krefeld bieten sie zum Beispiel der Kinderschutzbund, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), die Beratungsstelle der Diakonie, der Katholische Beratungsdienst und weitere freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe an. Ein Beispiel für Frühe Hilfen sind die Familienhebammen. Im Projekt „Gemeinsam ins Leben“ vom Kinderschutzbund und dem SkF unterstützen sie Eltern mit Unsicherheiten im Umgang mit ihrem Baby, bei Bedarf auch schon während der Schwangerschaft. Beim Kinderschutzbund können sich alle Neueltern auch eine Baby-Willkommenstasche abholen oder die Schreibaby-Beratung in Anspruch nehmen.

Gruppenangebote für junge Eltern, in denen gemeinsam gefrühstückt, gespielt und Fragen zur kindlichen Entwicklung beantwortet werden, bieten sowohl die Diakonie als auch der katholische Beratungsdienst an. Der Storchenlotsen-Dienst im Helios-Klinikum setzt bei Eltern unmittelbar nach der Kindesgeburt an und unterstützt bereits auf der Wöchnerinnenstation.

Sandra Salehins erste sechs Monate waren davon geprägt, sich einen umfassenden Überblick über die lokalen Einrichtungen zu verschaffen. „Ein sehr enger Kontakt zu den Einrichtungen ist nicht nur wichtig, sondern auch unabdingbar, um das Netzwerk gemeinsam qualitativ weiterzuentwickeln. Ein gutes Netzwerk muss bei den Menschen ankommen“, sagt sie. Dazu gibt es auch die von Salehin geleitete Steuerungsgruppe, der in Krefeld über 20 Einrichtungen mit ihren mehr als 50 Angeboten angehören.

In regelmäßigen Treffen loten beide Seiten Bedarfe aus, evaluieren aktuelle Projekte. Bei Salehin laufen alle Informationen zu den Frühen Hilfen zusammen. Sie streut sie an die betroffenen Träger. Überdies verwaltet Sandra Salehin als Netzwerkkoordinatorin die Fördermittel, die sich aus einem Fonds der Bundesstiftung Frühe Hilfen und kommunalen Zuschüssen zusammensetzen. In 2024 werden acht Krefelder Projekte der Frühen Hilfen mit diesem Geld bezuschusst.

Sandra Salehin hat Soziale Arbeit studiert. Die 37-jährige Krefelderin hat nach ihrem Abschluss zunächst in der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA) und in der stationären Jugendhilfe gearbeitet, bevor sie für viereinhalb Jahre in der Suchtprävention tätig war. Die Praxisnähe aus ihren vorigen Jobs hat sie mitgenommen in ihre Aufgabe als Netzwerkkoordinatorin. „Mir ist es ein großes Anliegen, bei den Projekten und Trägern vor Ort zu sein. Schließlich muss ich wissen, was ich vermittle“, sagt sie. Aber auch der theoretische Kern ihres immer noch neuen Jobs bereitet ihr Spaß. „Die konzeptionelle Arbeit gepaart mit der Verantwortung und dem nötigen Weitblick ist sehr spannend. Jeder Tag ist anders und vielseitig“, sagt Salehin.

Zu diesem konzeptionellen Part gehört auch, dass sie Angebot und Netzwerk weiter ausbauen möchte, zum Beispiel hinsichtlich Kooperationen mit Kinderarzt- oder Gynäkologiepraxen – genau dort, wo Menschen mit potenziellen Herausforderungen in der Schwanger- oder Elternschaft zu finden sind.

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