Krefeld: Laden "Lieber Unverpackt" am Karlsplatz ist eröffnet

Unverpackt in Krefeld : Einkaufen ohne Verpackungsmüll

Krefelds erster Unverpackt-Laden hinter dem Kaiser-Wilhelm-Museum ist eröffnet. Hier können Kunden mit eigenen Gefäßen unverpackte Waren wie Reis, Nudeln, Nüsse oder Waschmittel kaufen. Das Interesse ist groß.

Im Frühsommer versuchten Annett Schendel und ihre Tochter Johanna mit einer Crowdfunding-Kampagne das Geld für die Eröffnung eines Unverpackt-Ladens in Krefeld zu sammeln. Dieses Vorhaben scheiterte. Trotzdem entschieden sie, an dem Plan festzuhalten, und nun eröffnete der Laden „Lieber unverpackt“ am Karlsplatz direkt hinter dem Kaiser-Wilhelm-Museum. Zur offiziellen Eröffnung war das kleine Ladenlokal durchgehend sehr gut gefüllt. „Von diesem Ansturm sind wir ehrlich gesagt etwas überrascht. Mit einer solchen Zahl an Kunden hätten wir nicht gerechnet“, sagt Mutter Annett.

Die Kunden waren in großer Zahl auch sehr gut vorbereitet. „Die meisten Leute haben eigene Gläser und Boxen dabei, und auch das Abwiegen funktioniert oft gut. Bei anderen müssen wir natürlich noch Hilfestellung geben“, fügt Tochter Johanna hinzu. Dabei ist das häufigste Problem, dass die Krefelder vergessen, vor dem Abfüllen das Gewicht ihres Behältnisses zu erfassen, das dann am Ende vom Gesamtgewicht abgezogen werden muss. Doch eine Lösung ist schnell gefunden. Kurzerhand wird der Inhalt der Behälter an der Kasse umgefüllt und das Gewicht so korrekt ermittelt.

Das Angebot ist groß. „Ich schätze, wir haben über 500 Artikel im Sortiment. Das reicht von Waschmittel über Nüsse und Reis bis hin zu Süßigkeiten“, sagt die Ladenbesitzerin. Der Laden in Krefeld ist bereits ihr zweiter. Den Start hatten Mutter und Tochter in Geldern. Zur Eröffnung hatten die Ladenbesitzer eigens kleine Geschenke für ihre Kunden vorbereitet, doch schon nach gut zwei Stunden war die erste Charge vergriffen. „Wir sind von diesem Ansturm wirklich ein Stück weit überrascht worden. Aber es ist sehr schön, wie viel los ist und wie sehr sich die Leute offenbar für unseren Laden interessieren“, sagt Tochter Johanna Schendel, die sich auch beeindruckt zeigt, wie gut informiert viele der Krefelder sind.

Die Kunden selbst waren zu großer Zahl bereits vorher Stammkunden in Unverpackt-Läden. So geben gleich mehrere Besucher, die allerdings weder namentlich genannt, noch im Bild gezeigt werden wollen, an, bislang regelmäßig nach Düsseldorf oder Geldern gefahren zu sein, um ihre Einkäufe dort zu erledigen. Auch die Atmosphäre in dieser Art Läden wird von vielen Kunden positiv erwähnt. Manche Kunden kommen sogar mit ganzen Körben voller Gläser und treten dann schwer bepackt den Heimweg an. „Ich habe jetzt erst einmal meinen Bedarf für die nächsten Wochen gedeckt“, sagt eine Kundin grinsend, die, ebenso wie ihre Tochter, einen reichlich gefüllten Korb mit einem guten Dutzend Gläser trägt.

Kerstin Kudek mit ihrer Tochter Klara und Alina Schön gehören zu den ersten Kunden. „Ich bin seit rund vier Monaten Vegetarierin und will auch in anderen Bereichen auf meine Ernährung und auf Nachhaltigkeit achten, wozu auch Müllvermeidung zählt. Ich finde die Idee eines Unverpackt-Ladens sehr gut und möchte das Konzept unterstützen. Ich kaufe erstmals unverpackt ein und habe am Anfang extra gefragt, was zu beachten ist. So war auch das Abwiegen kein Problem. Wir haben auch extra Gläser mitgebracht“, erzählt Alina und Freundin Kerstin fügt hinzu: „Wir haben gleich mehrere Dinge gekauft. Nudeln, Schokolade, Cashew-Nüsse und einige Süßigkeiten. Klara mag vor allem das Weingummi sehr und hat bereits genascht.“. Foto: Sven Schalljo
Myrna und Tochter Maleah Kallies haben Nudeln und Nüsse gekauft. „Ich bin hier, weil ich schon seit längerer Zeit unverpackt einkaufe. Bislang war ich immer in Düsseldorf und habe es mit dem Arbeitsweg verbunden. Jetzt ist es natürlich sehr viel komfortabler. Ich kann jetzt auch mal schnell ein paar Kleinigkeiten holen und muss nicht immer gleich für drei Wochen im Voraus planen. Das gefällt mir sehr. Natürlich kaufe ich nicht nur unverpackt ein, das ist kaum möglich. Aber ich versuche, Verpackungsmüll so weit zu reduzieren, wie mir möglich ist. Heute haben wir nur ein paar Kleinigkeiten gekauft“, sagt Mutter Myrna. „Hier ist es besser, einzukaufen, weil es einfach weniger Müll macht“, setzt Tochter Maleah eifrig hinzu. Foto: Sven Schalljo
Ursula Renner kaufte Brühe-Pulver, wobei sie etwas Mühe hatte, dieses in ihr mitgebrachtes Glas zu schaufeln. „Ich war schon im Laden in Geldern und habe dann in der RP gelesen, dass es ihn zukünftig auch in Krefeld gibt. Ich finde die Läden sehr schön und freue mich, dass wir hier in Krefeld nun einen haben. Grundsätzlich versuche ich, Müll zu vermeiden. Das ist aber bislang für Verbraucher sehr schwer. Speziell in Krefeld gab es bisher sehr wenige Dinge im Glas. Darum unterstütze ich solche Läden. Wenn man dafür aber weite Strecken wie nach Geldern fahren muss, ist das für die Umwelt auch nicht gut. Darum werde ich nun regelmäßig hier sein und auch mein Wasch- und Spülmittel und so weiter hier kaufen“, sagt die Krefelderin. Foto: Sven Schalljo

Auffällig ist, dass sich keinerlei Tendenz in der Altersstruktur der Kunden ausmachen lässt. Ganz junge Menschen sind ebenso im Laden wie Senioren. Der Unverpackt-Laden scheint also bereits jetzt eine breite Kundschaft zu haben, und so auf seine Art einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten, die Mengen an Müll, vor allem solchen aus Kunststoff, in Krefeld in der Zukunft spürbar zu reduzieren.