Krefeld: Krefelds kleinster Apfelbaum ist ein Bonsai und steht in Fischeln

Fischelner pflegt einen Bonsai : Krefelds kleinster Apfelbaum

„Jede Blüte ist bestäubt, so viel ist sicher“, sagt Susanne Goertz. Seit mehr als 20 Jahren hegt und pflegt sie ihren Apfel-Bonsai. Für jede Blüte wächst im Herbst ein minikleiner Apfel.

Der Betrachter möchte sich verwundert und verzückt die Augen reiben über diesen kleinen Blütentraum in Rosa und Weiß: Ein Apfelbäumchen im Mini-Format, über und über mit zarten Blüten bewachsen, lockt dieser Tage in einem Fischelner Garten Bienen und Hummeln an. Mit großem Eifer summen die Insekten um den kleinen Baum und kommen ihrer Arbeit nach.

„Jede Blüte ist bestäubt, so viel ist sicher“, sagt Susanne Goertz und lacht. Seit mehr als 20 Jahren hegt und pflegt sie ihren Apfel-Bonsai. Und immer wieder belohnt er die Mühe der Gartenfreundin mit reicher Blüte – und reicher Ernte. „Für jede Blüte wächst im Herbst ein minikleiner Apfel“, erzählt sie.  Probiert hat sie die Früchte natürlich auch: „Aber ehrlich gesagt: die schmecken grauenhaft“, sagt die 53-Jährige schmunzelnd. „Sie sind sehr sauer und im Grunde ungenießbar. Aber eine Freude anzusehen, denn sie bekommen rote Bäckchen und sehen witzig aus.“

Goertz schätzt das Alter ihres Bäumchens auf 24 Jahre. „Ich habe ihn seinerzeit ganz schlicht in einem Gartencenter gekauft“, erzählt sie. „Damals hatte ich keine Erfahrung mit Bonsais und wollte einfach mal gucken, was passiert.“ Inzwischen ist viel Zeit vergangen und die Hobby-Gärtnerin hat eine Menge über Bonsais gelernt. Zum Beispiel, dass das Apfelbäumchen durchaus Frost verträgt - nur nicht an den Wurzeln - aber sich im Winter auch im Schuppen recht wohl fühlt. „Alternativ kann man den Baum mitsamt Topf im Garten in der Erde versenken und den Boden gut mit Laub bedecken. Und im Frühjahr wird er dann wieder ausgegraben.“ Spitzen und Triebe werden hin- und wieder geschnitten, ansonsten sei der Apfel-Bonsai pflegeleicht.

Bei einem Bonsai ist es für Susanne Goertz nicht geblieben. Auf einem Regal an der Hauswand stehen eine Reihe verschiedener Minis: Eine Hainbuche und eine Ulme zum Beispiel. „Beide habe ich vor Urzeiten gekauft“, erzählt Goertz. Selbst gezogen hat sie eine Bonsai-Eiche, eine Rotbuche und einen Bergahorn. „Die Rotbuche ist sozusagen ein Baby von der großen Rotbuche hier im Garten“, sagt Goertz und zeigt auf den benannten Baum. Der Bergahorn hat im Beet gekeimt, bevor Susanne Goertz ihn zum Bonsai machte. Das sei gar nicht mal so schwierig: „In den kleinen Bonsai-Planzgefäßen bekommen die Bäumchen nicht so viele Nährstoffe. Man muss den Wurzelballen klein halten. Der Baum wächst langsamer und die Blätter werden quasi von allein immer kleiner.“ Die Kunst sei, dass die Proportionen stimmen, verrät Goertz. Es brauche viel Geduld, um die Zweige mit Hilfe des von Draht in Form zu bringen.

In den kommenden Monaten übernehmen die Eltern von Susanne Goertz die Pflege der Fischelner Bonsai-Kollektion, denn Goertz und ihr Mann sind für ein halbes Jahr auf Reisen. Und bei der Rückkehr werden dann die Bonsai-Äpfel reif sein. Sauer – aber reif.

Mehr von RP ONLINE