Krefeld: Krefelder Wald geht es gut, aber Alte Buchen ein Opfer des Klimawandels

Krefelds Wald : Alte Buchen ein Opfer des Klimawandels

Viele deutsche Wälder leiden unter Trockenheit und Schädlingen. Dem Krefelder Wald geht es vergleichbar gut, doch gerade alte Buchen sterben, sagt Krefelds Förster Jens Poschmann.

Krefelds Wälder sind auf den Klimawandel vergleichsweise gut vorbereitet. Doch einige Arten wie der Bergahorn oder alte, große Buchen fallen den trockenen, heißen Sommern zum Opfer. Die Stadt ergreift Maßnahmen, ihre Wälder noch widerstandsfähiger zu gestalten. Alles in allem fällt die Bilanz von Krefelds Stadtförster Jens Poschmann verhalten positiv aus.

Die schlechten Nachrichten vorweg: Speziell große, alte Buchen mit ausladender Krone haben den aktuellen Witterungsbedingungen wenig entgegenzusetzen. „Alte Bäume sind wie alte Menschen. Sie können sich kaum an neue Bedingungen anpassen. Junge Buchen kommen mit dem Klimawandel recht gut zurecht und sind in der Lage, auch mit Trockenheit und vielen unterschiedlichen Standorten zurecht zu kommen. Aber die Bäume um die 100 Jahre und älter mussten wir bereits fast alle fällen“, sagt Poschmann. In den vergangenen 100 Jahren hätten in der Gegend sehr gute Bedingungen geherrscht. An die hätten sich die Bäume angepasst. Die Umstellung gelänge nun nicht schnell genug. „Eine große Buche hat einen enormen Wasserbedarf, wenn es warm ist. Über die Blätter verdunstet extrem viel Wasser. Ändern sich die Bedingungen kann der Baum so schnell nicht reagieren und geht ein“, erläutert der Experte.

Das sei insbesondere bei Buchen der Fall. Aber auch der Bergahorn litte unter den aktuellen Bedingungen. „Er ist stark von der Rußrindenerkrankung betroffen. Das ist ein Pilz, der vor allem Ahorn befällt. Bei großer Trockenheit und folgendem Stress hat der Baum dem fast nichts entgegen zu setzen und binnen wenigen Tagen oder Wochen müssen wir fällen“, sagt Poschmann.

Das Fällen sei vor allem aus zwei Gründen wichtig: Einerseits, um eine Ausbreitung einzudämmen, vor allem aber, da Krefelds Wälder fast durch die Bank Naherholungsgebiete sind. „Darum ist die Verkehrssicherheit das oberste Gebot. Totholz muss sofort entfernt werden, um Gefahrenquellen auszuschließen. Darum müssen wir sofort reagieren“, gibt der Förster Einblick in seine Arbeit.

Insgesamt aber seien die Wälder der Stadt – immerhin rund 1020 Hektar städtische Fläche, sowie weitere 220 Hektar in Privatbesitz oder dem des Bundes – in einem relativ guten Zustand. „Wir haben eine extreme Diversität. Das macht den Wald sehr widerstandsfähig. In Krefeld gibt es gut 40 Baumarten. Das ist extrem viel“, sagt Poschmann. Zum Vergleich: Ein ganz natürlicher Urwald in der hiesigen Region habe 15 bis 20 verschiedene Arten. Dabei aber werden große Teile der Wälder der Stadt bis auf Baumpflege komplett sich selbst überlassen.

„Wir pflanzen nur, wenn große Flächen geschlagen werden müssen. Sonst lassen wir die natürliche Waldverjüngung geschehen. Es gibt genug Samen im Boden, dass Bäume nachwachsen. Und hier setzen sich dann vor allem die Arten durch, die mit den Bedingungen am jeweiligen Standort gut zurecht kommen“, erläutert er. Dabei sei Krefeld als NABU-Naturwaldgemeinde ausgezeichent. „Wir arbeiten sehr schonend. 50 Hektar, vor allem im Bruch und an einigen anderen Standorten bearbeiten wir gar nicht. Beim Rest gehen wir sehr schonend vor und nutzen zum Beispiel kein schweres Gerät. Stämme ziehen wir mit Pferden aus dem Wald. Das schont die Böden“, erläutert Poschmann.

Diese Buche wurde 126 Jahre alt – dann musste sie gefällt werden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Das ist besonders wichtig, da ein gesunder, nicht verdichteter Waldboden ein enormes Wasserspeicherpotential hat. „Ein Hektar Waldboden speichert rund drei Millionen Liter Wasser“, sagt er. Das entspricht einem olympischen Schwimmbecken mit 2,50 Metern Tiefe. Entsprechend wichtig sind intakte Böden für trockene Sommer. Das sei im Umkehrschluss ein Problem für Stadtbäume. „Ein großer Baum braucht bei Wärme rund 300 Liter Wasser in der Woche. Wenn die Böden trocken sind nehmen sie auch zunächst kein Wasser auf. Das ist schwierig“, erläutert er. Den Waldbäumen helfe hier der Boden. Nur eins wünscht er sich: Respekt! „Manche Menschen bewegen sich in der Natur sehr respektlos, lassen Hunde frei laufen, laden ihren Müll ab. Das schadet den Wäldern und den dortigen Tieren. Hier würde ich mir mehr Verständnis und Kooperation wünschen“, lautet sein Neujahrswunsch.