Krefeld: Krefeld als „silkvalley“ für Start-ups

Krefeld: Krefeld als „silkvalley“ für Start-ups

Im K2-Tower von Kleinewefes trafen sich junge Start-up-Unternehmer und klassische Firmenchefs. Ein Ziel: Krefeld als Start-up-Standort zu etablieren.

Die Digitalisierung schafft ihre eigene Sprache. Teeküche zum Beispiel heißt „drop-in room“. Gemeint ist ein Raum, in den man mal reinschaut, quasi reintropft. Bevor man jetzt über Denglisch, spottet, sei auf eines hingewiesen: Was dieser englische Begriff vielleicht besser benennt als „Teeküche“, ist das Informelle der Begegnung. Man trifft sich, man quatscht – und schafft so unwillkürlich eine Atmosphäre, die kreativ-offen ist. Am Ende hat man vielleicht nur gequatscht, vielleicht aber auch eine brillante Idee. Wo „Teeküche“ nur die Funktion benennt, benennt „drop-in room“ die Chance, die in solchen Kommunikationssituationen steckt.

 Der Unternehmer Jan Kleinewefers (2.v.r.) mit Kleinewefers-GmbH-Geschäftsführer Erich Bröker (r.); daneben bestens gelaunt Oberbürgermeister Frank Meyer (2.v.l.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Lukas Kuhlendahl von den „Weltenwebern“ musste selber ein bisschen lachen, als er das Wort „drop-in room“ sagte und sicherheitshalber gleich übersetzte. Dabei ist es genau dieses Potenzial des „drop-in“, um den es bei der Veranstaltung im „K2 Tower + Industriepark“ ging: Es ging darum, junge, innovative, digitale Start-up-Unternehmen und erfahrene Firmenchefs zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen und womöglich ins Geschäft zu kommen.

Josua Waghubinger von „Triclap“ erläutert das Spiel, das Menschen wie bei einem Gesellschaftsspiel verbindet, aber unkompliziert am Handy gespielt werden kann und so klassische und digitale Spielwelten verbindet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Titel des Abends, der von der Kleinewefers GmbH, der IHK und der Krefelder Wirtschaftsförderung ausgerichtet wurde: „Start-ups meet Business. Welcome to #silkvalley“. Damit war zugleich ein Slogan geboren, der natürlich auf den heiligen Gral der Digitalisierung anspielte, das Slicon Valley, darüber aber einen Krefelder Impuls setzen wollte: Krefeld als Ort für junge Start-ups, die sich hochinnovativ in der digitalen Welt bewegen.

Der K2 Tower hat den ersten Schritt dafür gemacht. Kleinewefers-Geschäftsführer Erich Bröker erläuterte  vor den mehr als 100 Gästen des Abends vor allem aus der Wirtschaft das Konzept: Kleinewefers hat den angestammten Firmensitz nach dem Rückkauf von Voith in ein modernes Bürogebäude verwandelt. Eine Etage wurde zum „K2 Basecamp Start-up“. Die Idee: Junge innovative Unternehmer sollten kostengünstigen, bestens ausgestatteten Büroraum bekommen und so den Ausbau ihres Unternehmens verfestigen. Fünf Start-ups residieren mittlerweile im Basecamp –  Bröker: „Es sind sehr nette Menschen, mit denen es Spaß macht zu arbeiten.“ Zugleich erhofft Bröker sich, dass  Kleinewefers und die Jungunternehmen  voneinander profitieren.

Drei der Start-ups stellten sich vor: die Firma Weltenweber, die virtuelle Welten etwa zum Training an Maschinen erstellt und in Krefeld auch damit bekannt wurde, dass sie den Ostwall der 60er Jahre virtuell wiedererstehen ließ. Diese Anwendung dient in der Demenz-Therapie dazu, mit Demenzpatienten ins Gespräch zu kommen und ihnen darüber einen Vitalitätsschub zu geben.

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Start-up Nummer zwei: „Triclap“. Die Truppe hat ein Spiel entwickelt, das wie ein Gesellschaftsspiel funktioniert, aber unkompliziert am Handy gespielt werden kann. „Wir verbinden moderne Spielwelten mit physischer Interaktion“, erläuterte Josua Waghubinger von Triclap; da es auch um persönliche Fragen und Einschätzungen geht, „entwickeln sich auch tiefgründige Gespräche“; mittlerweile sind auch Firmen an dem Spiel interessiert, weil es Kommunikation eröffnet, auch Introvertierte motiviert, sich zu äußern, und authentische Rückmeldungen auf die Unternehmenskultur ermöglicht.

„Katalytics“ wiederum hilft Firmen, ihren digitalen Auftritt oder digitale Produkte  zu verbessern oder überhaupt digitale Prozesse im Unternehmen zu  nutzen.

Den vielleicht packendsten Vortrag hielt Norbert Miller von dem Mönchengladbacher Unternehmen Scheidt & Bachmann. Die Firma baut zum Beispiel Park- und Ticket-Automaten. „Wir sind überzeugt“, sagte Müller zur Verblüffung aller, „dass die Zeit über unsere Produkte hinweggehen wird.“ Heißt: In naher Zukunft wird man nicht mehr Tickets ziehen und damit an Parkautomaten bezahlen, sondern das alles kontaktlos mit dem Smartphone oder über Programme im Auto abwickeln.  Scheidt & Bachmann hat sich aus diesem Grund mit einem Start-up-Unternehmen zusammengetan, das die Software und die Schnittstellen zwischen Automaten und Programmen entwickelt. Müller zeigte sich überzeugt: Genau so, durch die Verbindung des erfahrenen Unternehmens, das einen Markt beherrscht und erschlossen hat, mit jungen, dynamischen Digitalexperten kann das alteingesessene Unternehmen genug Innovationstempo entwickeln, um auch in Zukunft zu bestehen.

Solche Geschichten sind es, die die Faszination des Abend ausmachten. Und die Hoffnung nähren, dass Krefeld als Silkvalley interessant für Start-ups ist. Der Anfang ist gemacht: Die Akteure von Weltenweber, Triclap und  Katalytics sind allesamt aus Düsseldorf nach Krefeld gekommen.

Der Abend verstand sich als Beitrag zur deutschlandweiten Gründerwoche, die in Krefeld mit drei Veranstaltungen  begangen wurde: neben dem Abend  im K2-Tower mit der Einweihung des „Open Office“ im Europark Fichtenhain, wo es unter anderem um Kontakte nach China geht, und einem „Gründerstammtisch“, den Wirtschaftsförderung und Hochschule Niederrhein unter dem Motto „Impulse.Ideen.Krefeld“ ausrichteten. In der Shedhalle am Frankenring standen Experten mit Informationen rund um Unternehmensgründungen bereit.

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