Krefeld: Krankenhaus Klinik Königshof umgebaut

Klinikerweiterung : Moderne Psychiatrie mit Hotelcharakter

Der Neubau der Klinik Königshof ist hell, freundlich, offen und erinnert äußerlich nicht an ein Krankenhaus. Selbst die Angestellten tragen meist Alltagskleidung. Chefarzt Jan Dreher sieht das Haus sehr gut aufgestellt.

Bereits der Eingangsbereich der Klinik Königshof hat nicht die Anmutung eines Krankenhauses. Ein heller, freundlicher und nicht steril wirkender Empfangsraum mit einem Infoschalter, der eher an den eines Hotels erinnert, begrüßt Patienten oder deren Besucher. „Das ist der Plan hinter unserem Neubau“, sagt Dr. Jan Dreher, der Chefarzt des Psychiatrischen Krankenhauses. „Der Gedanke ist, Menschen nicht abzuschrecken und Hemmnisse aufzubauen, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben.“

Dabei zieht sich das Konzept durch das gesamte Haus. Die Zimmer sind hell und freundlich gestaltet und haben eher die Anmutung eines Hotels, denn eines Krankenhauses. Das gilt besonders für die Bäder. Sie wirken keineswegs steril, sondern mit ihren grauen Steinfußboden sehr modern und hochwertig. „Der ist zwar teurer, als herkömmliche Böden, auch teurer, als in den meisten Hotels, weil wir andere Auflagen hinsichtlich Hygiene und Rutschfestigkeit haben, aber das ist es uns wert“, sagt Dreher. Die Zimmer sind ein Teil des unlängst fertig gestellten Neubaus. In zwei Jahren Bauzeit wurde der komplett neue Flügel für rund 20 Millionen Euro errichtet.

Die Zahl der Betten wurde dadurch nicht erhöht. Wie zuvor gibt es deren 145. Der Komfort und die Rahmenbedingungen für diese wurden aber massiv verbessert. 90 dieser Betten befinden sich nun in besagtem Neubau, 20 finden sich in einer Tagesklinik im Helios-Klinikum, sind aber organisatorisch Königshof zugeordnet. Die 30 Plätze der geschlossenen Abteilungen sind sämtlich im Altbau verortet. Dabei ist es aber so, dass die Klinik jeden Patienten, der einen Platz wünscht, aufnimmt. „Hier gibt es zwei verschiedene Kategorien. Wir haben einen Bereich, der uns zugeordnet ist. Das geht nach Postleitzahlen. Wer aus diesem Bereich zu uns kommt und stationär aufgenommen werden will, der bekommt garantiert sofort ein Bett. Wer aus einem anderen Bereich kommt, der muss möglicherweise zwei oder drei Tage warten, wenn er nicht akut selbstmordgefährdet ist, oder er geht zum Beispiel zum Alexianer Krankenhaus“, sagt Dreher.

Der neue Empfangsbereich im Klinikum Königshof mit seinem großen Tresen erinnert an eine Empfangshalle in einem Hotel. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wichtig sei aber, dass jedem akut psychisch erkrankten Menschen sofort geholfen werde. Dabei geht es um die verschiedensten Krankheitsbilder. Manche Patienten kommen mit Suchtproblemen, andere wegen Depressionen oder Angststörungen. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 21 Tage. „Menschen mit Suchtbehandlung bleiben typischerweise kürzer, manchmal nur über Nacht, meist zehn Tage. Bei einer Depression sind es üblicherweise etwa sechs Wochen. Aber es ist immer individuell“, erläutert der Arzt.

Der größte Teil der Patienten komme mit Depressionen. Sei es, dass sie eine depressive Veranlagung haben, oder unter depressiven Episoden leiden. Das sind oft Krankheitsbilder, die exogen, also von außen, ausgelöst werden und im Volksmund als „Burn out“ bezeichnet werden. Die Unterscheidung zwischen exogenen und endogenen (inneren) Faktoren fällt dabei schwer und wird auch nicht erfasst. Die Behandlung hingegen unterscheide sich leicht. Während bei depressiver Veranlagung bis hin zu manischer Depression Medikamente eine große Rolle spielten, sei es bei durch Stress hervorgerufenen Episoden eher Verhaltens-, Ergo- oder Sporttherapie.

Die Patientenzimmer sind wohnlich eingerichtet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Ob die Zahl der psychischen Erkrankungen zunimmt? Diese Frage vermag Dreher nicht klar zu beantworten. „Seriöse Studien deuten es an. Dass es nicht daran liegt, dass sie heute einfach mehr diagnostiziert werden, zeigt wiederum die recht konstante Zahl der Psychosen. Aber klar beantworten lässt es sich nicht“, sagt der Experte. Woran der vermutliche Anstieg liegt, vermag er nicht zu sagen: „Ich persönlich glaube nicht, dass Stress im Beruf der Unterschied ist. Den gab es auch früher. Ich denke, wir leben in einer guten, sicheren Welt mit vielen Möglichkeiten. Manchmal frage ich mich, warum wir nicht viel gesünder sind.“

Eine Treppe hilft beim Einstieg in die Badewanne. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Und welchen Tipp gibt er, um psychisch gesund zu bleiben und zumindest stressbedingte Episoden zu vermeiden? „Ich denke,“ sagt er, „dass wir vor allem soziale Interaktion brauchen. Wir sollten wieder mehr miteinander reden, auch mal in die Natur gehen, am besten gemeinsam, und Sport treiben. Das hilft schon viel.“ Für ihn und die rund 200 Angestellten der Klinik aber bliebe selbst dann wohl noch genug Arbeit, wenn das jeder Mensch beherzigen würde.

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