Krefeld: Kooperationsprojekt von Lebenshilfe und Wohnstätte in Oppum

Kooperationsprojekt von Lebenshilfe und Wohnstätte : Leben im „Lego-Haus“

Das inklusive Kooperationsprojekt von Lebenshilfe und Wohnstätte ist fertig. Jetzt sind die ersten Bewohner in das bunte Haus an der Oppumer Werkstättenstraße eingezogen und berichten von ihrem Alltag im „Lego-Haus“.

Adina kurvt mit ihrem Rollstuhl um die Wohnzimmerecke  – sie wohnt erst seit zwei Wochen in dem bunten Haus in Oppum und hat schon ein gutes Raumgefühl entwickelt. Die junge Frau lebt in einer Wohngruppe, zusammen mit vier anderen Menschen mit Behinderung. Ihre beste Freundin Sina, die gerade mit dem Einrad draußen herumgeradelt ist, gehört zur selben Gruppe. Und das Wichtigste: „Mein Freund Marcel!“, sagt Adina zufrieden. Die beiden Rollifahrer Adina und Marcel teilen sich einen gemeinsamen Aufenthaltsraum.

Das erste inklusive Kooperationsprojekt von Lebenshilfe Krefeld und Wohnstätte Krefeld ist Ende Mai fertiggeworden. Adina ist in der ersten Juniwoche eingezogen – „das war der frühestmögliche Termin“, berichtet Gruppenleiterin Verena Nettesheim. Adinas Entscheidung für das selbstständige Wohnen mit Betreuung durch die Lebenshilfe wird von ihrer Familie unterstützt: „Meine Mutter freut sich für mich!“, sagt Adina.

Architekt Ingolf Eberlein hat dem Haus an der Werkstättenstraße eine bunte Fassade gegeben – es ist ein Hingucker von der Straße und vom Parkplatz, vom Bus und auch von der Eisenbahn, die hinter dem Parkplatz verläuft.

„Viele nennen es das Lego-Haus“, sagt Verena Nettesheim. Die Mitarbeiterin der Lebenshilfe Krefeld ist die Gruppenleitung. Außerdem ist sie zuständig für drei Appartments im 2. Stock und im Staffelgeschoss, in denen Klienten der Lebenshilfe wohnen.

Die Eltern der Fünf im Erdgeschoss rechts haben ihren Kindern die persönlichen Räume und auch den gemeinsamen Wohnraum eingerichtet: Prunkstück ist ein sehr großes halbrundes Sofa für sieben Personen.

Die Fünf in dieser Gruppe kennen sich zum Teil aus der Schule oder aus der Werkstatt, in der sie arbeiten. Auch über den Flur hinüber und die erste Etage, wo zwei weitere Wohngruppen liegen, ist man bekannt. Sie verbringen auch Freizeit miteinander: Trommelgruppe, Teestube oder Party in der Friedenskirche.

Das Haus ist so gebaut, dass die Bewohner aus dem Gemeinschaftsraum nach vorne auf die Straße schauen können und mit einer Kopfdrehung nach hinten in den Garten. Bei geschlossenen Fenstern ist keinerlei Straßenlärm zu hören, denn sie sind dreifach verglast. Die Schlafzimmer liegen alle nach hinten.

Die Küche im Gemeinschaftsraum ist auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten: Adina und Marcel können an der tiefer gelegten Arbeitsplatte Obst oder Gemüse schneiden und auch den Backofen bedienen. Denn zu dem Leben in einer Wohngemeinschaft gehören auch ihre Dienste: Jeder muss sich um seine Wäsche kümmern, sich morgens Frühstück und nach der Arbeit ein Abendbrot zu bereiten. Der Blumendienst sorgt für die Pflanzen, die Spülmaschine ist ein- und auszuräumen, die Wohnräume sind zu putzen. Am Wochenende wird gemeinsam gekocht: „Wir gucken in den Kühlschrank, was wir daraus zaubern könnten“, sagt Verena Nettesheim. „Wir sind dazu da, die Menschen hier in allen Lebenslagen zu unterstützen.“ Jetzt gilt es erstmal, einen Rhythmus für den Alltag im bunten Haus zu finden.

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