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Krefeld: Kommentar zum Aus für die Stadthaus-Sanierung

Krefeld : Tschüss, Stadthaus oder: Gruß aus dem Elfenbeinturm

Die CDU will nicht mehr mitgehen bei der Sanierung des Stadthauses. Das  ist auch für den Denkmalschutz eine Katastrophe. 80 Millionen, 100 Millionen, darf’s noch etwas mehr sein? Die Fachleute haben offenbar das Gefühl für Geld verloren.

Hinter den Kulissen haben die Verantwortlichen damit gerechnet: Das wird nix mehr mit der Stadt und dem Stadthaus. Das ist schade, denn das Stadthaus ist ein hochwertiges Stück Architektur von einem Weltklasse-Architekten in der Tradition eines Weltklasse-Stils: des Bauhauses. Das Projekt ist vor allem an Gesetzen und Behörden gescheitert.

Öffentliches Bauen ist mittlerweile so behäbig, so umständlich, so teuer und so unabsehbar geworden, dass die öffentliche Hand große Projekte kaum noch steuern kann. Am Ende gilt das Prinzip: Darf’s noch ein Dutzend mehr sein? Millionen Euro nämlich. Dieses Gefälle zu immer noch mehr Kosten ist nicht zuerst Personen vorzuwerfen. Das Ausschreibungsrecht, das richtigerweise Korruption und Vetternwirtschaft aushebeln sollte, hat mittlerweile offensichtlich zur Lähmung der öffentlichen Hand beim Bauen geführt.

Das Denkmalrecht ist auch offensichtlich ein Problem. Planungsdezernent Martin Linne hat einmal darauf hingewiesen, dass es in Deutschland eine ganze Reihe von Denkmalruinen gibt, die ruinös sind, weil sie wegen hochfliegender Denkmalansprüche niemand zu vertretbaren Kosten sanieren konnte. Die Denkmalschützer des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) müssen sich in aller Schärfe fragen lassen, ob sie nicht dazu neigen, Denkmäler zu Tode zu schützen.

Das Mantra „Wir müssen historische Bausubstanz bewahren“ führt teils zu absurden Forderungen: Die leidigen Fenster des Stadthauses waren bekanntlich nie ganz dicht, müssen aber heute aus arbeitsrechtlichen Gründen dicht sein – so stand die Stadt vor der Forderung, strukturell undichte historische Fenster dichtzurestaurieren. Oder zu prüfen und nochmal zu prüfen. Zeit ist in diesem Fall aber Geld: Die Stadt muss jährlich viel Geld für angemieteten Büroraum zahlen, und die Sanierung wird mit jedem Jahr Verzug teurer. All das spielte für die Bewohner des Elfenbeinturms namens LVR offenbar keine Rolle.

Nun, da die CDU sich anschickt, den gordischen Knoten durchzuhauen, ist das Stadthaus keineswegs verloren. Es gibt Unternehmer, die sich dafür interessieren, und Krefeld hat Unternehmer, die sich der Bedeutung dieser Architektur sehr wohl bewusst sind und denen das Wohl der Stadt sehr wohl am Herzen liegt.

Für die Stadt ergibt sich eine – darin ist Christoph Borgmanns Formulierung zuzustimmen – historische Chance: Der Theaterplatz als Standort eines technischen Rathauses wäre städtebaulich und in Sachen Belebung der City ein Sprung nach vorn. Und nebenbei und boshaft zugespitzt: Wetten, dass die Junkie-Szene dort mit der geballten Macht der Verwaltung nicht mehr geduldet wird, wenn plötzlich ein paar hundert Verwaltungsmenschen gezwungen wären, durch Wolken von Uringestank vorbei an Müll, Fäkalien und Spritzendreck zu gehen?

Mit einem Neubau auf dem Theaterplatz rückte die Entscheidung für das Kesselhaus als neuer Veranstaltungshalle zumindest näher. Dezernent Linne favorisiert diese Lösung bekanntlich wegen des einmaligen Flairs des Geländes. Hat es ja auch. Der Teufel steckt hier wie so oft im Detail. Mindestens ein wichtiger Vorteil steht jetzt schon fest: Nicht die Stadt würde bauen, sondern ein privater Investor.

Warum das eine gute Nachricht wäre? Siehe oben.