Krefeld: Kleine Lösung für Uerdinger Bücherei

Aus den Stadtteilen : Kleine Lösung für Uerdinger Bücherei

Es tut sich was. Wie die Stadt mitteilt, können wieder Bücher am Uerdinger Markt ausgeliehen werden. Noch sind es nur wenige Exemplare. Der große Wurf soll aber kommen. Der Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ ist skeptisch.

In den Uerdinger Herbertzhäusern können wieder Bücher ausgeliehen werden. Das teilte die Stadt am Mittwoch mit. Was sich nach einer Jubel-Nachricht anhört, entpuppt sich auf den zweiten Blick als kleine Lösung, als Signal dafür, dass (Wahl-)Versprechen eingehalten werden. Entsprechend äußert sich Oberbürgermeister Frank Meyer (SPD): „Auf Dauer möchten wir wieder einen herkömmlichen Leihbetrieb in Uerdingen einrichten. Daran arbeiten wir.“ Auf seine Initiative hin wird in der ehemaligen Uerdinger Bücherei am Marktplatz wieder eine kleine Bücherauswahl angeboten.

„Es stehen rund 140 Kinderbücher sowie 290 Romane bereit, die ohne die sonst üblichen Formalien entliehen werden können. Die Ausleihe passiert auf Vertrauensbasis: aussuchen, lesen und zurückbringen“, sagt Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek. Alle Bücher sind auf dem Buchrücken mit „Uerdingen“ gekennzeichnet, so dass gut zu erkennen ist, woher sie stammen.

Eine reguläre Ausleihe könne zurzeit aber noch nicht eingerichtet werden, heißt es, weil unter anderem noch Sanierungsarbeiten an dem Gebäude als Teil der Herbertzhäuser anstehen. Während der Baumaßnahmen können möglicherweise Einschränkungen in der Nutzung auftreten. Nach dem Abschluss dieser Baumaßnahmen soll die Buchauswahl erweitert werden.

Einen Grund zum Jubeln sehen auch die Aktiven im Arbeitskreis „Erhalt Bücherei Uerdingen“ aktuell noch nicht. Sie hatten bei der jüngsten Montagslesung, die wegen des Wetters im Inneren des Gebäudes stattfand, ein Regal mit Büchern gesehen. „Aber ein Regal mit Büchern ist noch sehr weit entfernt von dem Ziel, für das wir uns einsetzen. Wir lesen für ein Quartierszentrum mit städtischer Medienausleihe inklusive ausgebildetem Personal“, sagt Susanne Tyll, Sprecherin des Arbeitskreises, und erinnert daran, dass in Gesprächen mit der Stadt immer eine solche Ausleihe versprochen wurde. Wichtig ist den Mitgliedern des Arbeitskreises, dass es eine Gesamtlösung gibt, zu der aus ihrer Sicht zwingend ein Quartierszentrum mit Räumlichkeiten, sich ungezwungen und kostenfrei zusammensetzen zu können, gehöre. „Wir wünschen uns ein Haus, das offen ist für alle Menschen, egal welchen Alters und welcher Kultur. Solche Orte gibt es heute leider kaum noch“, sagt Tyll.

„Man sollte es als einen Anfang betrachten“, ergänzt Norbert Sinofzik, Mitglied im Arbeitskreis, und verweist auf das biblische Senfkorn, aus dem Großes erwächst. In Bezug auf Meyers Wahlversprechen sagt er: „ Der Mehrheitenwechsel im Rat sowie die neue Verwaltungsspitze haben durchaus vieles in der Stadt bewegt. Aber zu behaupten, alle Wahlversprechen seien eingelöst, ist etwas zu großspurig geraten“ Auch sei durch die kleine Bücherei-Lösung noch nichts erreicht. Dabei sei das Interesse der Bürger an einem Quartierszentrum mit städtischer Medienausleihe weiter ungebrochen. So kommen Montag für Montag über 30 Menschen zu den Lesungen, die natürlich auch weiter stattfinden werden.

Als „Goodwill“-Aktion bezeichnet Uerdingens Bezirksvorsteher Jürgen Hengst (SPD) die Mini-Ausleihe und betont, dass damit die Aktion längst nicht abgeschlossen sei. Ende des Jahres soll das Nutzungskonzept für ein Quartierszentrum ausgearbeitet sein. Dann würden die Ergebnisse den entsprechenden Gremien präsentiert. Zudem beginne die Sanierung der Herbertzhäuser, so Hengst, der Mitglied im Stadtumbau-Beirat ist. Der Beirat begleitet und unterstützt die Umsetzung des „Integrierten Handlungskonzeptes“.

Das neue Bücherei-Angebot kann während der Öffnungszeiten des Quartiersmanagements genutzt werden. Das Büro öffnet montags von 10 bis 16 Uhr und mittwochs von 10 bis 18 Uhr, Eingangstür Am Marktplatz 5.

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