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Krefeld: Kinderhospiz Stups will Geschwisterkindern helfen

Kinderhospiz in Krefeld : Stups will Geschwisterkindern helfen

Im Kinderhospiz werden Kinder und Jugendliche, die an ihrer Krankheit sterben werden, betreut. Ihre Geschwister leiden sehr unter der Situation, bekommen bisher wenig Hilfe. Das will das Stups Kinderhospiz künftig ändern.

Wenn ein Kind tödlich erkrankt, dann ändert sich auf einen Schlag alles. Die ganze Welt steht Kopf und die Bedürfnisse des erkrankten Kindes stehen über allem. Das Leben dreht sich um Therapien, Hoffnung und die wachsende Gewissheit des bevorstehnden Todes. Was für die Eltern und das Kind selbst schlimm ist, hat auch extreme Auswirkungen auf Geschwister. „Diese Kinder müssen meist extrem schnell erwachsen werden. Es gibt Kinder, die mit acht oder zehn Jahren ganz normal pflegerische Aufgaben ausführen, Katheter austauschen oder dergleichen tun. Aufgaben, mit denen die meisten Erwachsenen überfordert wären. Vor allem emotional“, sagt Diane Kamps, Oberin der DRK-Schwesternschaft Krefeld.

Die Geschwister sind Opfer der Situation, die oft ihr Leben lang darunter leiden. „Es gibt neuerdings Untersuchungen, die zeigen, dass viele dieser Kinder und Jugendlichen tiefe Schuldgefühle haben für jeden Wunsch, den sie hegen - und viele wünschen sich nach eigener Aussage, selbst so krank zu sein, wie das Geschwister, um auch einmal im Mittelpunkt zu stehen, schämen sich aber zugleich tief für den Gedanken“, sagt Anke Kamper. Sie ist im Stups Kinder- und Jugendhospiz Leiterin einer neuen Initiative, die sich genau dieser Kinder annimmt.

Künftig sollen nämlich genau diese Geschwisterkinder in entsprechenden Altersgruppen zusammengeführt und betreut werden. „Wir werden auch keine Themen vorgeben oder etwas in der Art. Die Kinder und Jugendlichen bestimmen die Themen selbst“, erläutert sie. Ob dann über Trauerarbeit gesprochen wird, über eigene Interessen oder einfach nur gespielt wird, wichtig ist ihr, dass nun die Kinder im Mittelpunkt stehen, die sonst außen vor sind.

Dafür investierte sie im vergangenen Jahr viele Stunden in den Aufbau eines Konzeptes und einer Datenbank. „Mit dieser Datenbank beginnen wir und sprechen die Kinder, deren Geschwister im Stups waren oder sind offensiv an. Aber unser Angebot ist offen für alle Kinder“, erklärt Kamper. Nicht nur mit der Villa Sonnenschein am Helios wollen die Organisatoren daher zusammenarbeiten. „Generell ist jeder willkommen, der solche Erfahrungen gemacht hat“, sagt die Projektleiterin.

Gefördert wurde die Aufbauphase durch die Gert und Susanna Meyer Stiftung aus Wuppertal. Diese unterstützt derartige Projekte und ist besonders auf alles rund um Krebserkrankungen bei Kindern spezialisiert. „Krebskranke Kinder sind ein vergleichsweise kleiner Markt. Darum gibt es in Deutschland sowohl wenige spezialisierte Medikamente, noch entsprechende Betreuungsangebote. Krebs bei Kindern spielt leider kaum eine Rolle“, erläutert Marco Rühmann, der Geschäftsführer der Stiftung, die Motivation für die Hilfe von knapp 18.000 Euro.

„Ziel ist, das Ganze jetzt in eine Regelfinanzierung zu überführen“, sagen er und Kamps unisono. Dafür suchen Stups und Schwesternschaft jetzt Spender oder staatliche Förderprogramme. „Wir haben hier bereits einige Ansätze, das muss aber noch final ausgearbeitet werden“, sagt Kamper. Für die Kinder und Jugendlichen soll das Angebot dafür sorgen, dass sie mit dem Schock, dass sich plötzlich die ganze Welt von jetzt auf gleich ändert, besser zurecht kommen und trotzdem ein gutes, gelingendes Leben führen können. Den Schmerz des Verlustes des Geschwisters können die Stups-Mitarbeiter nicht nehmen. Hinschauen, Ängste und Schuldgefühle nehmen und Anerkennung zeigen aber durchaus.