Krefeld: KFC Uerdingen und Ex-Trainer Michael Wiesinger vor dem Arbeitsgericht

Wiedersehen vor dem Arbeitsgericht : KFC und Ex-Trainer wollen sich einigen

Vor Gericht gab zwischen dem Club und Michael Wiesinger es einen Streitpunkt: die Prämienregelung.

Eigentlich waren sie gekommen, um miteinander zu streiten. Michael Wiesinger, der im März beurlaubte Trainer des KFC Uerdingen, hatte gegen den Verein geklagt, um ausstehende Zahlungen zu erhalten. Der 45 Jahre alte Fußballlehrer im derzeitigen Ruhestand war zum Gütetermin vor dem Krefelder Arbeitsgericht extra aus Nürnberg angereist. Doch schon bei der Begrüßung zeigte sich, dass beide Parteien nicht besonders streitlustig waren. Während sich in anderen Prozessen die Kontrahenten keines Blickes würdigen, ging KFC-Geschäftsführer Frank Strüver sogleich auf Wiesinger zu, begrüßte ihn mit Handschlag, und sie wechselten freundliche Worte.

Schon in seinem ersten Statement wies KFC-Anwalt Niels Ansgar Maisch darauf hin, dass der größte Teil der Forderungen Wiesingers nicht streitig seien. Und um den guten Wille zu dokumentieren, hatte der Verein wenige Minuten vor der Sitzung rund 35.000 Euro auf das Konto des ehemaligen Traienrs überwiesen – die Gehälter für Juli bis Oktober.

Lediglich bei der Zahlung einer Prämie hakt es. Laut Vertrag soll Wiesinger für Platz eins 25.000 Euro erhalten, für den Aufstieg 50.000 Euro. Aus Sicht des Trainers wären das 75.000 Euro; aus Sicht des Vereins entfällt die Prämie für Platz eins, weil sie die Voraussetzung für den Aufstieg und somit in den 50.000 Euro enthalten ist. Sie wäre bei einem Scheitern in der Relegation fällig geworden.

Aus Sicht von Richter David Hagen sind beide Interpretationsmöglichkeiten gegeben, der Vertrag an dieser Stelle nicht sauber formuliert. Was nun? Noch bevor der Richter aktiv werden musste, ging der KFC in die Offensive: Dem Verein sei daran gelegen, eine Gesamtlösung zu finden – eine Abfindung mit der das Thema vom Tisch ist. „Auch wir sind einer einvernehmlichen Lösung gegenüber nicht verschlossen, unsererseits ist die Bereitschaft da“, bekundete Wiesingers Anwalt Ralph Ziegler. Der Richter vernahms und setzte den nächsten Kammertermin für den 7. Februar an. Bis dahin sollen sich beide Seiten geeinigt haben.

Michael Wiesinger verfolgt die Entwicklung seines Ex-Klubs intensiv und mit großem Interesse. „Das freut mich“, sagte er. „Ich weiß, was die Mannschaft leisten und erreichen kann. Alle Achtung, wie sie sich in die Liga rein gekämpft hat. Die Dritte Liga ist eine schwere Liga, das ist aller Ehren wert.“ So darf er auch noch auf die deutlich höhere Prämie für den Aufstieg in die Zweite Liga hoffen.  

Warum also das ganze Theater? Natürlich weil es ums Geld geht. Hier zeigt sich, wie sich der Fußballverein vom Sport- zum Wirtschaftsunternehmen entwickelt hat. Es wird sich nicht mehr in der Vereinsgaststätte per Handschlag geeinigt, sondern vor Gericht. Während große Wirtschaftsunternehmen ganze Heerscharen von Juristen beschäftigen, kommen Verbände oder große Vereine noch mit einigen wenigen aus, kleinere Vereine  benötigen sie von Fall zu Fall.