Krefeld: Karnevals-Revue des Bockumer Sängerbundes im Seidenweberhaus

Bockumer Sängerbund beendet 70-Jährige Tradition : Die letzte Revue des Sängerbundes

Der Bockumer Sängerbund macht Schluss mit einer 70 Jahre währenden Tradition: Die Karnevalsrevue am Samstagabend war die letzte, die der Verein veranstaltete. Zum Ende des Abends wurde es entsprechend emotional.

Da kam Wehmut auf: Am Samstagabend hatte der GV „Sängerbund“ 1884 Krefeld-Bockum zu seiner letzten Karnevals-Revue ins Seidenweberhaus eingeladen. Eine Ära ging damit zu Ende. 70 Jahre lang hatte der traditionsreiche Verein die stimmungsvolle Revue veranstaltet, erst unter Federführung von Sitzungspräsident Karl Müller sen. und dann, bis heute, unter der Regie seines ältesten Sohnes Karl Müller jun. Dieser führte auch diesmal durch einen abwechslungsreichen und, gerade zum Ende hin, höchst emotionalen Abend.

Die teils fantasievoll gekleideten Narren im voll besetzten Saal zeigten sich dabei nicht melancholisch, sondern gut gelaunt - und sie würdigten alle Auftritte mit warmem Applaus, so auch die schwungvolle Sängerbund-Eröffnungsparodie „Mit ’ner Pappnas im Jesicht“. Wie immer hatte Karl Müller bekannte Melodien wie „New York, New York“ oder „Dich zu lieben“ als Vorlage genommen und dazu in Hochdeutsch und auf Kriewelsch Platt neue Texte verfasst.

„Sei ein Narr, sei ein Clown“ hieß es da, oder „Wir send alles krie-ewelsche Jonges.“ Die Sänger zeigten sich gewohnt souverän, und Karl Müller stellte zudem den neuen Chorleiter Axel Quandt vor. Für die fulminante Live-Musik war den ganzen Abend lang die bewährte Tanz- und Showband „Happy Company“ unter Leitung von Sven Hösen zuständig.

Auch Erasmus Stein, der sich selbst als „Kugelblitz“ bezeichnet, lobte die tolle Performance des Sängerbundes. Der Comedian erklärte dem Publikum, dass zu seinen Talenten das Formen von Luftballon-Tieren gehöre. „Ich kann ganz viele Tiere, und alle sehen aus wie ein Hund“, ergänzte der Mann, der einst durch den „Quatsch Comedy Club“ bekannt wurde. Ein Magier sei er außerdem, meinte der Kugelblitz. Er gehe gerne an die Grenze des Verstandes. Wobei er anfügte, dass dies ja für einige nur ein kurzer Weg sei. Herzlicher Beifall für Stein, der nach eigener Aussage schneller spricht als Lucky Luke schießt. Über die Tücken eines langen Ehelebens berichteten Lydia und Rolf Goliasch alias die „Beckendorfer Knallköpp“. Sie gaben beispielsweise zu, dass bei ihnen im Schlafzimmer „dicke Luft, aber kein Verkehr“ herrsche.

Tolle Hebefiguren und hoch fliegende Mädchen präsentierte der Tanzcorps Steinenbrücker Schiffermädchen, der im Bereich Gardetanz schon mehrfach sowohl die deutsche als auch die Europa-Meisterschaft gewann. Zu weiteren Highlights zählten die Auftritte der Kölner Band „Tacheles“ und des Bauchredners Tim Becker, der – nicht immer erfolgreich – versuchte, die Kontrolle über seine teils skurrilen Puppen zu behalten.

Und natürlich schaute das Krefelder Prinzenpaar Andreas II. und Claudia II. mit ihrem närrischen Kabinett vorbei. Die beiden Blaublüter ließen es sich nicht nehmen, nach Mitternacht auch beim großen Sängerbund-Finale dabei zu sein, was der gerührte Sitzungspräsident Karl Müller als „sehr schöne Geste“ bezeichnete.

Am 20. Februar veranstaltet der Sängerbund noch den beliebten Hausfrauen-Nachmittag im Seidenweberhaus, dann ist es für ihn nach 70 Jahren mit Karnevalsveranstaltungen vorbei. Aber natürlich lädt der Traditionsverein weiterhin zu Konzerten ein, zum Beispiel zu seinem beliebten jährlichen Weihnachtskonzert. Und bereits am 25. Mai veranstaltet der Bockumer Sängerbund in der Michaelskirche, Am Zollhof 1, gemeinsam mit dem Uerdinger Männergesangsverein 1848 und verschiedenen Solo-Interpreten, den „Melodienzauber im Frühling.“