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Krefeld: Junge Leute aus Fischeln kaufen für Corona-Risikogruppe ein.

Corona-Krise in Krefeld : Die Fischelner Corona-Einkäufer

Junge Leute aus Fischeln kaufen für Menschen aus der Corona-Risikogruppe ein. Sie berichten darüber – und warum ihnen der Einsatz viel gibt. Sie haben noch Kapazitäten frei; das Ganze ist gut organisiert.

Viele Jugendliche haben sich in Fischeln freiwillig gemeldet, um den Einkauf für Menschen aus der sogenannten Risikogruppe zu erledigen. Die Koordination in Fischeln läuft über das Jugendzentrum; alle Anrufe landen zuerst bei Jürgen Weiland, der nach den Wünschen fragt, um Unsicherheiten oder Fehlkäufe zu vermeiden. Der Jugendzentrumsleiter, der auf 13 Jugendliche und mehrere Erwachsene zurückgreifen kann, ruft dann einen Helfer an. Zunächst denjenigen, der in der Nähe zum „Kunden“ wohnt, jemanden, der ein Auto zur Verfügung hat, wenn etwas Schweres oder Tiefgekühltes zu kaufen ist, oder aus ökologischen Gründen auch gerne jemanden mit Fahrrad oder einen Fußgänger, wenn es um kleinere Erledigungen geht.

Die Motivation der jungen Leute für ihren Einsatz ist unterschiedlich. Katharina Moers, eine Medizinstudentin, kennt das Jugendzentrum schon von der Ferienbetreuung und hat über Facebook vom Aufruf zur Einkaufshilfe erfahren. Sie ist sich bewusst, dass es für Menschen aus der Risikogruppe eine Gefährdung darstellt, selbst einzukaufen. „Ich würde mir wünschen, dass jemand das auch für meine Oma machen würde“, erklärt die 21-Jährige ihre Motivation. Die 19-jährige Abiturientin Friederike Rieger ist ehrenamtlich in der Markuskirche tätig. Sie hat von ihrer Jugendleiterin von der Aktion erfahren. „Ich möchte das richtige Zeichen setzen“, erläutert sie. „Viele Erwachsene sind der Meinung, dass die Jugend sowieso nichts tut. Ich finde es toll, zeigen zu können, dass die Jugend selbstverständlich zur Gesellschaft dazu gehört und auch in der Krise etwas Sinnvolles beiträgt.“

Die jüngste Helferin, Caroline Thorbecke, ist 14 Jahre alt und Schülerin am MSM-Gymnasium. Sie erledigt die Einkäufe mit dem Fahrrad. Weiland kann sie für alle Einkäufe einsetzen – außer wenn es um Alkohol geht.  Tim Derks, der selbst schon als Kind im Jugendzentrum gespielt hat, ist Lehramtsstudent in Köln. Er erledigt seine Einkaufsaufträge zu Fuß, weil er kein Rad in Krefeld hat. Da der 21-Jährige momentan viel Freizeit wegen Corona hat, möchte er „sich solidarisch zeigen und Verantwortung übernehmen“. Er hilft auch in Stahldorf und am Westwall bei der Tafel und ist im Trägerverein des Jugendzentrums aktiv.

Der 22jährige Jonathan Schulze, der ebenfalls früher in der Ferienbetreuung im Jugendzentrum war, hat sogar schon ein Rezept bei einem Arzt für einen älteren Bürger abgeholt, nahm dafür dessen Krankenkassenkarte mit und hat dann auch das entsprechende Medikament für diesen besorgt. Auf Nachfrage bei dem Herrn erfuhr Weiland, dass alles auch bei diesem etwas komplizierteren Auftrag perfekt geklappt hat.

So einige kleinere Herausforderungen hat es aber dennoch gegeben, zum Beispiel eine Adresse, die nicht leicht zu finden ist oder der Kauf eines halben Brokkoli. Friederike Rieger hat dann einfach einen ganzen gekauft, der dann auch kommentarlos akzeptiert wurde.

Bei einem weiteren Lebensmitteleinkauf waren noch zwei größere Batterien dabei, die für einen Feuermelder gedacht waren. Die ungefähr Achtzigjährige wollte sie dann gleich selbst einbauen. Katharina Moers wollte aber verhindern, dass die Seniorin auf die Leiter klettert und hat dann selber in luftiger Höhe die Batterien für die Dame eingesetzt.

Einige Tage später, bei einem weiteren Einkauf, erinnerte sich die Dame noch an den Namen ihrer netten Helferin, worüber Katharina sich dann wiederum sehr gefreut hat. Auch die anderen Jugendlichen berichten, dass sie selbst Positives durch diese neuen Situationen erlebt haben:  „Die Leute sind wirklich sehr dankbar, das fällt mir schon auf“, sagt Katharina. „Meine erste Dame, für die ich eingekauft habe, hat sich sehr gefreut, und diese Freude ist es, die mir dann auch viel zurückgegeben hat“, sagt Friederike.