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Krefeld Jugend forscht in Corona-Zeiten

Präsentation im Fabritium-Gymnasium : Jugend forscht in Corona-Zeiten

Die Jury zeigte sich beeindruckt von den Talenten, die diese Leistungsschau des Nachwuchses auch in der 25. Jubiläumsausgabe hervorbringt. Für die erst 16-jährige Katharina Thome war es bereits der 9. Auftritt bei „Jugend forscht“.

Nach der Absage des 25.Regionalwettbewerbs „Jugend forscht“ wurde die Veranstaltung in drei verkleinerte Teilpräsentationen aufgeteilt, um für dieses Jahr noch Regionalsieger zu ermitteln, die am Landeswettbewerb NRW teilnehmen dürfen.

Eine große westdeutsche Brauerei hat zwei alkoholfreie Biere herausgebracht. Das eine bewirbt sie mit dem Zusatz „alkoholfrei“, das andere mit „0,0“. Geschmacklich fallen beim Trinken kaum Unterschiede auf. Warum also müssen dann zwei Produktlinien auf dem Markt miteinander konkurrieren? Und können sich trockene Alkoholiker, Schwangere und Kinder auf die Aussagen der Brauerei verlassen? Diesen Fragen gingen die Abiturienten Julia Wegers und Mirko Neuhoff bei dem Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“  mit enzymatischen Untersuchungen nach. Bei der Umwandlung von Alkohol bildet die menschliche Leber Nebenprodukte wie Essigsäure und ein NADH-Molekül. Ein Messgerät misst die UV-Lichtschwächung eingegebener Proben, bei denen das „alkoholfreie“ Bier einen geringen Alkoholwert aufwies im Gegensatz zu dem beinahe alkoholfreien O,0-Bier. Wegen der geschmacklichen Ähnlichkeit beider Biere raten die jungen Forscher den oben genannten Risikogruppen ab, die Biere zu sich zu nehmen, obwohl beide in Maßen genommen die Fahrtüchtigkeit nicht beeinflussen. Wegers und Neuhoff besuchen den Biologie/Chemie-Leistungskurs ihrer Schule und haben ihre Forschung völlig selbstständig geplant und repräsentiert.

„Liegt das Hirn lahm, liegt es vielleicht am Darm“. Mit diesem etwas holprigen Reim machten Joshua Klösters vom Berufskolleg Kleve und der 20-jährige Till Möllmann sich aufmerksam, der im ersten Semester an der Universität Lübeck Lebensmittelmedizin studiert. Auch Möllmann möchte später ein Medizinstudium beginnen. Ausgehend von der Beobachtung, dass Erkrankungen wie Parkinson, Depression oder Autismus nicht dort ihren Ausgangspunkt haben, wo sich erste Symptome äußern. Das Unterrichtsthema Propionsäure machte sie mit dem Einfluss kurzkettiger Fettsäuren auf den menschlichen Körper bekannt. Diese nehmen wir über die Nahrung auf oder synthetisieren sie über einen von Mikroorganismen ausgelösten Gärungsprozess im Dickdarm. Sie versorgen die für das Immunsystem wichtigen Mikroglien mit Energie und spielen bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen eine wichtige Rolle, denn die jeweilige Darmsituation sendet wichtige Signale an das Gehirn. Salopp sprechen wir von einem „Bauchgefühl“. Ihr Betreuungslehrer hat die beiden völlig selbstständig im Schullabor vornehmlich während der Weihnachtsferien ihre intensiven Laborarbeiten abwickeln lassen. Dem Ergebnis entsprach die souveräne Form der Präsentation.

Die 13-jährige Lilith Elke Marquardt und Sophia Eleni Karastergiou (12) vom Michael-Ende-Gymnasium in  Tönisvorst untersuchen Mikroplastik im Meer. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz, Thomas (lamm), Jugendforscht

Nicht nur die Oberstufe zeigte sich in einem glänzenden Licht. Gut aufgestellt hatten sich auch einige Forscherteams zehnjähriger Schülerinnen. Charlotte Altmann und Sara Westbroek vom Meerbusch Gymnasium präsentierten ihren selbstentwickelten Wasserstriegel zur Pferdepflege, für den sie sogar ein eigenes Label entwickelt hatten. Dieser Striegel, den die aufgeweckten Fünftklässlerinnen aus einem Messbecher mit Handschlaufe zusammengebaut hatten, auf den sie einen Noppenstriegel mit einem Wassereinlass setzten, soll das Striegeln der schweißnassen Pferde nach einem Ausritt etwa um die Hälfte der Arbeitszeit verkürzen, da das vorherige Abspritzen der Tiere entfällt. Selbstbewusst gaben die jungen Reiterinnen Auskunft, wie ihre Erfindung einzusetzen war.

Die zwölfjährige Isabella Völtz vom Lise-Meitner-Gymnasium in Willich nahm Gewässeruntersuchungen an der Niers vor. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz, Thomas (lamm), Jugendforscht

Auch Victoria von Hugo und Sara Rosenhahn vom Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasium hatten sich etwas einfallen lassen. Als Saras Handy-Akku leer war, kamen beide auf die Idee, durch den Einsatz der Piezo-Technik beim Laufen so viel Strom erzeugen zu können, dass der Akku wieder gefüllt würde. Als einige praktische Versuche ergebnislos verliefen, kamen die Mädchen auf die Idee, den Stromertrag mathematisch zu erfassen. Die vielen Nullen hinter dem Komma bewiesen ihnen, dass der Akku eines Smartphones so nicht zu laden war. Kurzerhand statteten sie ihre Laufschuhe mit kleinen LED-Leuchten aus, für die dann die durch Laufen erzeugte Elektrizität reichte.

Die beiden 18-Jährigen Mirko Neuhoff und Julia Wegers vom Berufskolleg Uerdingen verglichen Bier. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz, Thomas (lamm), Jugendforscht

Ökologisch präsentierte sich die Mittelstufe. Inspiriert von dem Badeverbot im Elfrather See untersuchte 16-jährige Katharina Thome vom Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium die Aussagekraft von Badeverboten anhand der begrenzten Lebensdauer von Colibakterien. Die 12-jährige Isabella Völtz untersuchte anhand verschiedener Wasserproben an unterschiedlichen Standorten die Wirksamkeit einer Kläranlage an der Niers, und die 14-jährige Emma Adolf verglich die Wasserqualität von Schwalm und Niers, die beide mit Pumpenwasser aus dem Braunkohlebergbau versorgt werden.

Victoria von Hugo und Sara Rosenhahn vom Duesberg-Gymnasium Kempen forschten zu Piezokristallen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)/Lammertz, Thomas (lamm), Jugendforscht

Das Atrium des Uerdinger Gymnasiums Fabritianum ist nicht das Seidenweberhaus, in dem der „Jugend forscht“ – Wettbewerb als einer der größten Regionalwettbewerbe in Deutschland ursprünglich stattfinden sollte, dann aber wegen der Virus-Epidemie kurzfristig abgesagt werden musste. Juror Klaus-Dieter Baumgart lobte, dass die veranstaltende Unternehmerschaft Niederrhein zusammen mit Wettbewerbsleiter Thomas Zöllner in einer schwierigen Situation alles Menschenmögliche getan habe, um den jungen Leuten noch eine Präsentation ihrer Arbeiten zu ermöglichen.