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Krefeld: Jürgen Wettingfeld ist Mitinhaber eines Bltzschutz-Unternehmens

Serie: Unternehmertypen : Wettingfelds Gaben

In unserer neuen Reihe stellen wir Unternehmer vor und gehen der Frage nach: Welche persönlichen Voraussetzungen muss man mitbringen, um Unternehmer zu werden? Zum Auftakt haben wir Jürgen Wettingfeld besucht.

Wer Jürgen Wettingfeld als Ratsherrn aus der Kommunalpolitik kennt, kennt einen ruhigen Mann. Wettingfeld gehört nicht zu denen, die stets eine Kanne Öl zur Hand haben, um etwas davon ins Feuer zu gießen. Er wägt seine Worte, er wird schon mal ironisch, aber ausrasten, wüten, schimpfen, fluchen sind seine Sache nicht. Hilft diese Eigenschaft dem Unternehmer Wettingfeld? Und: Ist diese Ruhe eine Gabe oder antrainiert oder eine Maske? Oder ist Unternehmersein überhaupt ein Mythos, weil es am Ende nur um ordentliche Arbeit geht?

Jürgen Wettingfeld, 63 Jahre alt, ist Mitinhaber des gleichnamigen Unternehmens für Blitz- und Überspannungsschutzanlagen. Ruhe, sagt Wettingfeld, sei beides: „Gabe und Erfahrung. Ich versuche lieber ein Problem zu lösen, als Krawall zu machen.“ Wie sehr hinter all der äußerlichen Ruhe harte Arbeit steht, wird deutlich, als Wettingfeld aus seiner Anfangszeit erzählt. Als er als junger Mann das erste Mal allein zu einem Kundengespräch herausmusste, sei er sehr angespannt gewesen, berichtet er und  sagt einen schönen Satz: „Wenn Sie jung sind, wissen Sie noch nicht, welche Probleme Sie lösen können.“ So, wie er das sagt, klingt das demütig und dankbar. „Irgendwann müssen Sie akzeptieren, dass Sie im Vorfeld nicht alle Probleme lösen können. Sie müssen darauf vertrauen, dass Ihnen die richtige Antwort, die richtige Lösung, die richtige Entscheidung einfällt.“

Das gilt für viele, die arbeiten; es gilt aber wohl in besonderem Maße für Unternehmerexistenzen. Unternehmen sind nie einfach da wie die Schwerkraft, Unternehmen sind wie Arten in der Evolution: Sie unterliegen einem ständigen Ausleseprozess. Heute groß, morgen weg – dieses Szenario sitzt im Prinzip jedem Unternehmer im Nacken. Wettingfeld wählt undramatische Worte, um dieses Grundgefühl zu beschreiben: „Man muss bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen und mit Schwankungen zu leben.“ Es gebe zwei, drei Situationen im Jahr, „die dem Blutdruck nicht förderlich sind“, sagt er auch noch. Der ironische Kringel ist typisch für Wettingfeld: Er liebt Dramatisierung in der Sprache nicht. Es reicht ihm, wenn die Wirklichkeit dramatisch ist - so zurückhaltend erlebt man ihn auch als Kommunalpolitiker.

Wettingfeld ist in die Rolle als Unternehmer hineingewachsen. Die Firma wurde 1963 von seinem Vater gegründet – da war Wettingfeld neun Jahre alt. „Mit 14, 15 Jahren bin ich mit meinem Vater auf Montage gefahren“, berichtet Wettingfeld; in den Ferien versteht sich. Später hat er Elektrotechnik und Betriebswirtschaft studiert. „Mit 24 Jahren fiel dann die Entscheidung, in den väterlichen Betrieb einzusteigen.“ Auch wenn die Entwicklung wie zwangsläufig wirkt, war es eben doch auch eine Entscheidung.

Auch sein Bruder ist im Betrieb,  zuständig für den kaufmännischen Bereich. „Er hat Betriebswirtschaftslehre studiert und nach dem Studium erst einmal bei einer anderen Firma angeheuert. Mein Vater und ich haben ihn dann überzeugen können, zu uns zu wechseln.“ Es gelang auch deshalb, weil die Zusammenarbeit hervorragend klappte – bei Familienbetrieben bekanntlich nicht selbstverständlich. Der Vater hat nicht den Fehler vieler Patriarchen gemacht: übermächtig zu sein. „Mein Vater hat zugelassen, dass wir die Firma verändern“, sagt Wettingfeld. So haben die beiden Söhne ein Qualitätsmanagementsystem in der Firma eingeführt. „Man musste Strukturen aufbauen, auch investieren. Mein Vater war davon nicht so überzeugt, hat es aber zugelassen“, berichtet Wettingfeld, „wir waren eine der ersten Firmen, die zertifiziert waren. So konnten wir Prozesse in die Firma einbringen, die für normale Handwerksbetriebe nicht zwingend sind“, fasst Wettingfeld die Entwicklung zusammen.

Das führt zu einer anderen Eigenschaft, die man für Wettingfeld als Unternehmer mitbringen muss: „absolute Neugierde“. Jede neue Entwicklung kann eine Chance bedeuten. Neugierde – sicher auch eine Gabe. Wettingfeld bezeichnet sich als „technikaffin“ und berichtet lächelnd, dass er sich für alle technischen Neuerungen interessiert habe – bis hin zu Unterhaltungselektronik. „Als CD-Player auf den Markt kamen, habe ich mir sofort einen besorgt.“

In seiner Branche ist Neugierde überlebenswichtig. Blitzschutz ist immer komplizierter geworden. Erst wurde nur ein Gebäude geschützt, dann mussten Wasser- und Gasleitungen, dann Elektronik, heute Photovoltaik mitgeschützt werden. „Jede technische Innovation hat die Anforderungen an den Blitzschutz erhöht. Die, die vom Blitzschutz leben, müssen sich technisch enorm weiterentwickeln“, sagt Wettingfeld. Bei industriellen Großanlagen wie Kraftwerken kommt der Überspannungsschutz dazu.

Mittlerweile ist sein Hauptziel, die Nachfolge im Betrieb, der rund 30 Mitarbeiter hat, zu regeln. Der Sohn seines Bruders zeigt Interesse; die Familiensaga kann also in die nächste Generation gehen. Wettingfeld denkt, dass er so bis 67, 68 arbeiten wird – für ihn kein quälendes Muss. „Das Leben ist ja nicht immer ein Jammertal, weil man arbeitet“, sagt er und lächelt, „wenn ein Motor im Leerlauf läuft, geht er schneller kaputt als bei Belastung. Das gilt auch für Menschen.“ Vielleicht spricht daraus eine weitere Voraussetzung für erfolgreiches Unternehmertum: Arbeit muss einem Spaß machen.