Krefeld: Jazzclub übergibt Dokument ans Archiv der Stadt

Krefelder Musikgeschichte : Das Jazz-Gedächtnis der Stadt

Der Jazzklub hat seine Dokumente aus den ersten 30 Jahren seines Betshens an das Stadtarchiv übergeben: ein großes Stück Krefelder Musikgeschichte.

(ped) Mit 40 Jahren schreiben manche bereits ihre zweite Biografie. Der Jazzklub Krefeld ist in diesem Jahr 40 und hat auch entschieden, dass seine Vergangenheit für die Nachwelt erhaltenswert ist. Jetzt hat  der verein seinen Archivbestand mit Vereinsunterlagen aus den ersten 30 Jahren seines Bestehens an das Stadtarchiv übergeben.

Die Schenkung umfasst Aktenordner mit Fotos, Programmheften, Plakaten, Pressetexten und Korrespondenz mit Musikern. „Damit haben wir eine tolle Überlieferung zur Musikgeschichte in der Nachkriegszeit erhalten. Hier im Archiv möchten wir die Stadtgeschichte möglichst umfassend und nicht nur aus Sicht der Verwaltung präsentieren. Darum sind wir sehr begeistert von diesen Dokumenten“, freut sich Christoph Moß, der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs.

Der Krefelder Verein ist nach München Deutschlands ältester Jazzklub.In seiner Historie tauchen klangvolle Namen auf:  Udo Lindenberg, Helge Schneider, Kraftwerk, Markus Lüpertz und viele andere Künstler hat der Klub in den Jazzkeller an der Lohstraße geholt. Den ungewöhnlichsten Jazzkeller-Auftritt hatte ein Zirkuskamel im Jahr 1976. Das war das Ergebnis einer Wette. inzwischen bespielt der Jazzklub auch die Linner Burg und das Theater und holt renommierte und vielversprechende Künstler nach Krefeld.

„Der Jazzklub wurde 1979 aus der Not heraus geboren“, berichtet Günter Holthoff, Grünungsmitglied des Klubs. Der Verein wurde ins Leben gerufen, um den damals verschuldeten Jazzkeller mithilfe von Spenden, Zuschüssen und Mitgliedsbeiträgen zu retten. Durch Sponsoren und Benefizkonzerte war dieses Ziel schnell erreicht und der „Förderverein“ des Jazzkellers hatte seinen Zweck erfüllt. „Aber der Klub machte einfach Spaß“, meint Holthoff. Es habe viele Gespräche mit bekannten Musikern gegeben und der Jazzklub entwickelte ein Eigenleben. „Wir haben tausende Konzerte veranstaltet, die genaue Zahl ist nicht zu erfassen“, berichtet der Jazzliebhaber. 1985 fand das erste Mini-Jazz-Festival im Vorhof der Burg Linn statt. Daraus entwickelte sich das internationale Festival „Jazz an einem Sommerabend“, welches heute ein Highlight im Kulturprogramm der Stadt darstellt.

Aktuell hat der Jazzklub Krefeld rund 375 Mitglieder, die sämtliche Veranstaltungen des Vereins ehrenamtlich organisieren. „Wir halten persönlichen Kontakt mit den Musikern und Agenturen und sind Ansprechpartner für deren Tourplanung“, weiß Christoph Kuntze, Kassenwart des Jazzklubs. Jährlich finden rund 50 Konzerte und Aktionen an verschiedenen Standorten in Krefeld statt. Dazu gehören der Jazzherbst im Theater, Konzerte im Rahmen der Jüdischen Kulturtage im Habima und Jazzstunden mit jungen Bands im Musikunterricht der Krefelder Schulen.

Städtische Zuschüsse unterstützen die Arbeit des Vereins. „Die Förderpolitik handelt nach der Maßgabe ‚Fördern, was es schwer hat‘ und das ist beim Jazz leider der Fall“, meint Jürgen Sauerland-Freer, der Leiter des Fachbereichs Kultur. Umso erfreulicher sei es, dass der Klub als ehrenamtlicher freier Akteur diese Musikrichtung dezentral über die Stadt verteile.

„Die Übergabe der Vereinsunterlagen an das Stadtarchiv leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes von Krefeld. Das sollten wir mit anderen freien Kultureinrichtungen viel öfter machen“, so Sauerland-Freer. Im Archiv gebe es bereits Unterlagen vom Theater am Marientor und von der Kulturfabrik. „Für uns als Archiv ist es wichtig, solche Einrichtungen zu dokumentieren, da sie ein bedeutender Teil der Krefelder Kulturgeschichte sind“, so Moß.

Der Bestand des Jazzklubs wird im Laufe der nächsten Monate vom Archiv erfasst und für interessierte Bürger nutzbar gemacht werden. „Denn unser größtes Ziel ist es, dass die Krefelder sich bei uns mit vielen geschichtlichen Themen befassen können. Im Bereich Musikgeschichte sind wir dabei jetzt einen großen Schritt weiter“, so der Archivar.

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