1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Initiativen zur Hilfe für Senioren

Krefeld : Initiativen zur Hilfe für Senioren

Zwei Gruppen haben sich zu Hilfsinitiativen für Senioren zusammengetan, die Hilfe beim Einkauf brauchen, darunter eine Abiturienten-Gruppe.

Die Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Virus sorgen derzeit für sozialen Zündstoff, Stichwort Hamsterkäufe oder Unvernunft von Gruppentreffen. Aber es gibt auch eine andere Bewegung, eine, bei der gerade die körperliche Trennung Menschen näher zusammenbringt. Während Hamsterkäufer sich egoistisch verhalten und denen, die tatsächlich akuten Bedarf an Lebensmitteln oder Dingen des täglichen Bedarfs haben, aus einer irrationalen Angst heraus diese Dinge wegschnappen, zeigt sich auf der anderen Seite eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Gleich mehrere Gruppen organisieren derzeit unbürokratische Hilfe für Menschen, die von Corona besonders bedroht sind.

Die Gruppe
„Direkte Hilfe Krefeld“

Eine der ersten Initiativen dieser Art begann auf Facebook. Initiatorin ist Jasmin Hedayati. Die Grundschullehrerin aus Krefeld informierte sich bereits frühzeitig über das Virus. „Noch als es nur in China zu sein schien, habe ich alles verfolgt. Ich habe schon damals gedacht, dass es eine Gefahr für viele Menschen ist“, erinnert sie sich. Als dann die ersten Fälle in Deutschland auftauchten entschied sie, zu helfen. dachte sie sich. „Ich habe zunächst einmal meinen Nachbarn und meinen Eltern angeboten, für sie einzukaufen. Meine Nachbarn sind über 90 und haben keine Kinder. Sie brauchten dringend Hilfe“, erzählt die 43-Jährige. Kurzerhand ersann sie einen Plan, wie die Übermittlung des Bedarfs und Geldes, sowie die Übergabe der Einkäufe ohne persönlichen Kontakt abläuft.

„Krefeld ist mein Zuhause, und viele liebgewonnene Menschen brauchen nun unsere Hilfe“: Jasmin Hedayati über ihre Motive, die „Krefeld hilft“-Aktion für Einkaufshilfen ins Leben zu rufen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Ich habe dann auf Facebook meine Erfahrungen geteilt, um andere Leute zu animieren, es ebenso zu machen. Kurz darauf dachte ich dann, dass man das auch organisiert tun könnte und habe am vergangenen Freitag die Gruppe ‚Direkte Hilfe Krefeld‘ eröffnet. Was dann passierte hat mich total überrascht“, berichtet die Krefelderin. Binnen zwei Tagen sei die Mitgliederzahl auf über 400 gestiegen. Darunter waren 280 unmittelbare Hilfsangebote. Schnell fanden sich auch Mitstreiterinnen. Jeannine Salzmann übernimmt den Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Monika Kabasch kümmert sich um die Hotline.„Monika hat sogar ihre private Handynummer zur Verfügung gestellt und koordiniert Hilfsangebote und Hilfsgesuche. Das ist ganz großartig“, sagt die Initiatorin. Mit der neuen Facebook-Gruppe soll als Nebeneffekt auch das Gesundheitsystem entlastet werden.

Die Gruppe sammelt Hilfsangebote und -gesuche. „Wir versuchen, nach Stadtteilen entsprechend Helfer zuzuweisen. So sind die Wege kurz, was sowohl die Ansteckungsgefahr als auch den Aufwand reduziert“, erläutert Salzmann und fährt fort: „Wir haben zwischenzeitlich alle Stadtteile Krefelds abgedeckt. Trotzdem sind uns neue Helfer immer willkommen. Jetzt können wir allen Hilfesuchenden unmittelbare Unterstützung zukommen lassen. Wer jetzt Einkaufshilfe in Anspruch nehmen will, kann sich an unsere Rufnummer wenden.“

Die Bezahlung der Waren erfolgt in den meisten Fällen bar. „Wenn die Menschen zum Beispiel Paypal nutzen, dann ist das natürlich noch besser, denn Bargeld ist auch immer ein Übertragungsweg für die Krankheit. Aber wichtig ist, dass das Geld von den Risikopatienten an die Helfer geht, die weit weniger gefährdet sind“, erläutert Salzmann. Im Endeffekt geht es der Gruppe vor allem darum, die Zahl der schweren Fälle so weit möglich zu reduzieren. „Natürlich ist es wichtig, die Krankheit insgesamt nicht zu verbreiten. Am wichtigsten ist aber, dass es so wenig wie möglich schwere Fälle gibt, damit unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Das ist unser vordringliches Ziel. Und wir bitten ausdrücklich, keine Scheu zu haben. Unsere Hilfe richtet sich nicht nur an alte Menschen. Wer aus anderen Gründen zu einer Risikogruppe zählt, ist uns ebenso willkommen. Es geht um Solidarität“, betont Hedayati.

Sukzessive gründen sich auch andere Initiativen, die Ähnliches beabsichtigen oder bereits tun. Und so zeigt die Krise, ähnlich wie schon beim Brand im Zoo, ein Gesicht der Stadt, das auch von Solidarität geprägt ist. „Es ist toll, zu sehen, wie die Menschen sich engagieren und wie sie bereit sind zu helfen – und die meisten sind auch sehr gut informiert“, sagt Hedayati. Im Idealfall, hofft sie, müssen Risikopatienten in den nächsten Tagen gar nicht mehr aus dem Haus und können so die Gefährdung deutlich reduzieren und das System entlasten, damit denen, die es doch erwischt, alle Hilfe bekommen können.

Sie appelliert an andere, sich anzuschließen. „Wir werden in den nächsten Wochen Hilfe benötigen, um die Versorgung der Älteren und Kranken in unserer Gesellschaft aufrecht zu erhalten und freuen uns über jeden, der mobil ist und uns aktiv unterstützen möchte. Jetzt heißt es, sich solidarisch zu zeigen. Die Resonanz auf unsere Initiative stimmt mich hierbei sehr optimistisch.“

Insbesondere werden noch Helfer in folgenden Stadtgebieten gesucht: Stahldorf, Linn, Lindental, Gellep-Stratum, Dießem-Lehmheide, Königshof, Baackeshof, Kempener Feld, Gatherhof und Oppum, Forstwald, Elfrath, Gartenstadt, St. Tönis und Hüls.

Die Gruppe
von MSM-Abiturienten

Drei Abiturienten des Fischelner MSM-Gymnasiums wollen bedürftigen Menschen helfen, die wegen der Corona-Krise nicht aus dem Haus gehen können. „Unsere Idee ist, für diese Menschen zum Einkaufen zu fahren“, sagt Leon Aubrecht. Der 17-Jährige und seine beiden Freunde Linus Jark und Lennart Schell haben bereits eine Mail-Adresse eingerichtet, unter der Interessenten sich melden können. „Wer Hilfe benötigt, kann uns unter der E-Mail fischeln-einkaufshilfe@gmail.com schreiben und eine Liste der benötigten Dinge zusenden“, erklärt der Abiturient. Außerdem gibt es zwei Kontakt-Telefonnummern. Die Einkäufe wollen die Schüler, von denen einer bereits den Führerschein hat, dann vor die Wohnungstür liefern. „Wir haben uns das so gedacht, dass wir zunächst eine Tüte mit Liste und dem benötigten Bargeld abholen und dann die Einkäufe mit Quittung und Wechselgeld zurück vor die Haustür bringen.

Die Drei bereiten sich zwar gerade auf das Abitur vor, haben aber durch den ausfallenden Unterricht jetzt Zeit, um sich ehrenamtlich zu engagieren. „Ich bin auf die Idee gekommen, als ich für meine Oma einkaufen war“, sagt Leon. Sollte der Bedarf groß sein, wollen die Schüler über ihre Whatsapp-Stufengruppe  weitere Helfer akquirieren.