Krefeld: In Hüls hat ein neuer Bio-Hofladen eröffnet

Krefeld-Hüls : Die Hülser Bio-Ei-Telefonzelle

Seit März hat der Bio-Hofladen am Steveshof in Hüls geöffnet. Mit ihrem Geschäft schreiben Stephie und Finn Bönniger ein neues Kapitel Familiengeschichte.

600 Jahre. So lange liegt der erste urkundliche Eintrag des Steveshofs in Hüls zurück. Mehrmals ist der Bauernhof an der Krüserstraße abgebrannt und wieder errichtet worden, der rot-braun geklinkerte Mauerbau von heute ist auf das Jahr 1906 datiert. Seit jeher ist das Landgut im Besitz der Familie Bönniger – doch nach einem Todesfall in den 1970er-Jahren wurde der landwirtschaftliche Betrieb nicht weitergeführt. Nun aber ist die alte Familientradition wiederbelebt: Seit Anfang März hat ein Bio-Hofladen seine Tore in dem geschichtsträchtigen Gemäuer geöffnet.

„Der Steveshof stand nie leer, nur wurden die Räumlichkeiten seit dem Tod von Finns Großvater vermietet oder anderweitig genutzt“, berichtet Stephie Bönniger, die mit Ehemann Finn und den beiden zwei- und vierjährigen Söhnen im Steveshof wohnt. Zwar habe ihr Schwiegervater Guido Bönniger „die Landwirtschaft im Blut“ und seit 20 Jahren hobbymäßig eine Herde Galloway-Rinder am Hülser Bruch gezüchtet, doch gründete er nach seiner Schreinerausbildung mit drei Freunden die Tischlerei „Legno“, die seit 1983 viele Jahre im Bauernhof angesiedelt war. Auch Finn Bönniger absolvierte zunächst eine Ausbildung als Schreiner, doch entschied sich kurz darauf für ein Studium der nachhaltigen Landwirtschaft in Kleve. Als schließlich die Flächen im Steveshof für den Legno-Betrieb nicht mehr genügten und die Tischlerei vor eineinhalb Jahren in eine angrenzende Halle umzog, fassten die beiden den Entschluss, den Bio-Hofladen einzurichten.

Die Hühner leben auf der weitläufigen Weide vor dem Steveshof und können im Rasen picken. Die Eier werden täglich aufgesammelt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

„Nachhaltigkeit ist uns wichtig“, betont die 37-Jährige, die an einem Holztisch im weitläufigen Innenhof des Gehöfts sitzt. „Seit vielen Jahren kaufe ich nicht nur Bio, sondern informiere mich auch über die Produktherstellung. Und Finn ist in einer Öko-Familie aufgewachsen.“ Während des Gesprächs springt sie immer wieder auf: Im Backofen ihrer Wohnküche brutzeln frisch zubereitete Frikadellen, die wenig später ofenwarm zur Theke im Hofladen gebracht werden. Das Fleisch stammt von den eigenen Galloway-Rindern aus Bio-Haltung, die sie mit ihrem Ehemann bereits vor zwei Jahren vom Schwiegervater übernommen hat. Der Hofladen trägt das „Bioland“-Siegel, dessen Richtlinien weit über den gesetzlichen Mindeststandards für Biolebensmittel hinausgehen; Gentechnik, Massentierhaltung, chemisch-synthetische Dünger oder Pestizide sind verboten. Die Lebensmittel, die die Jungunternehmer nicht selbst produzieren, beziehen sie von Zulieferern aus der Region. Möhren aus Niederkrüchten zum Beispiel. Oder Kartoffeln aus Mönchengladbach. Ihre Zulieferer nutzen möglichst wenig Verpackungsmaterial, auch gibt es ein Kisten-Pfandsystem, das Müll erspart.

„Als wir vor drei Jahren auf den Hof nach Hüls gezogen sind, haben unsere Freunde gescherzt, dass wir jetzt auch einen Bioladen eröffnen müssen. Doch bis es soweit war, gab es viel zu planen“, berichtet Stephie Bönniger. 15 Jahre war sie in der Heilerziehungspflege tätig. Um sich auf das neue Tagesgeschäft vorzubereiten, absolvierte sie mehrere Praktika auf Biohöfen und -läden im Krefelder Stadtgebiet. Währenddessen konzipierte ihr 29-jähriger Ehemann gemeinsam mit seinem Vater das Mobiliar, das bei „Legno“ geschreinert wurde. Noch vor der Ladeneröffnung kamen im November Hühner hinzu, die auf der weitläufigen Weide vor dem Steveshof im Rasen picken. Die Eier, die täglich aufgesammelt werden, gab es schon kurz darauf in einer gelben Telefonzelle zu erwerben, in der Kunden das passende Kleingeld in eine Box werfen können. Das Konzept basiert auf gegenseitigem Vertrauen – und kommt in der Nachbarschaft gut an. „Früher hat die Telefonzelle in der Schreinerei gestanden, wurde aber lange nicht mehr genutzt. Auf der Suche nach einem geeigneten Objekt für den Eierverkauf haben wir die Zelle kurzerhand umfunktioniert und wiederverwendet“, erzählt die Krefelderin.

Der Hofladen trägt das „Bioland“-Siegel, dessen Richtlinien weit über die gesetzlichen Mindeststandards für Biolebensmittel hinausgehen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Trotz langfristiger Planung wurde es zeitlich eng, auch in den letzten zwei Wochen vor der Eröffnung gab es noch eine Menge zu tun. Doch die beiden wurden tatkräftig von Freunden und Bekannten bis tief in die Nacht unterstützt – und auch ihre fünf Mitarbeiter, die seit Anfang März im Geschäft angestellt sind, halfen bereits im Vorfeld fleißig mit. „Diese Mühe hat uns schon vor dem Start zusammengeschweißt“, sagt Stephie Bönniger. Dadurch war die gemeinsame Freude bei der Eröffnung umso größer.

„Herzlich willkommen auf dem Steveshof“ steht nun auf einer schwarzen Tafel mit weißer und gelber Kreide geschrieben. Links vom Eingang ist eine Reihe von Einkaufswagen geparkt, der Eintritt durch die elektronische Schiebetüre führt in einen hell gestrichenen Raum mit grauen Regalen. Auf der linken Seite eine moderne Theke, an der Wand dahinter grüne Kacheln. Rechts gegenüber Kisten mit frischem Gemüse: Kürbisse oder Champignons, Zucchini oder Gurken, Paprika oder Fenchel. Der Bio-Hofladen in Hüls – ein neues Kapitel der Geschichte von Familie Bönniger.

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