Krefeld: In Haus Esters eröffnet der dritte Teil von "Anders Wohnen"

Kultur in Krefeld : „Anders wohnen“ in Haus Esters

Das letzte Kapitel von „Anders Wohnen“ wird aufgeschlagen. Am Sonntag eröffnet „Akt 3; Dystopie“ in Haus Esters. Die Ausstellung geht bis zum 26. Januar 2020.

In dem Projekt „Anders Wohnen“ der Kunstmuseen Krefeld wird jetzt in der Villa Esters – mit einem kleinen Schlenker in die Villa Lange – das dritte und letzte Kapitel aufgeschlagen: Am morgigen Sonntag, 15. September, wird „Akt 3: Dystopie“ eröffnet. Nach einem Prolog, „Akt 1: Utopie“ und „Akt 2: Mobilität“ wird damit die Reihe beendet.

„Es ist eine ortspezifische Auseinandersetzung mit dem Heute und Morgen“, sagt Museumsleitern Katia Baudin, „die ehemaligen Wohnhäuser sind die Kulisse.“ Der Blick ins Morgen wird von vier Künstlern bzw. Gruppen angestellt. „Wir haben vier sehr unterschiedliche Positionen aufgerufen“, sagt Baudin, „und festgestellt, dass Utopie und Dystopie viel enger vernetzt sind als gedacht.“ So ergänzen sich die vier Positionen in Haus Lange auf spannende Weise.

Im einstigen Wohnzimmer läuft ein Video der israelischen Künstlerin Michal Helfman. Sie hat im Exil lebende Künstler zu einer Performance in einem bestimmten Raum aufgefordert und dann die Elemente aus diesem Video in der Villa installiert. Es finden sich reduzierte Möbelstücke, eine bronzene Skulptur und eine Vase im Raum wieder – es entsteht der Bezug von etwas Wirklichem zu seinem Abbild auf einem Video. Diese Verbindung spiegelt für die Künstlerin die heutige gesellschaftliche Situation.

Auf die Möglichkeiten der Technik geht auch das Berliner Duo Banz & Bowinkel ein, das im Damenzimmer einen Avatar „zum Leben“ erweckt hat. Auf dem Boden liegt ein Teppich mit strengen geometrischen Mustern in Schwarz-Weiß. Mithilfe eines Tablets kann der Betrachter dann ein goldfarbenes athletisches Wesen sich über diesen Teppich bewegen sehen. „Der Computer macht das Private zu einem öffentlichen Ort“, sagt Banz. Der Teppich übrigens ist in traditioneller Technik hergestellt, von der Krefelder Firma Rentmeister.

Das ebenfalls in Berlin lebende Künstlerkollektiv „Slavs & Tatars“ hat dem Herrenzimmer ein neues Ambiente verpasst. Über dem fortlaufenden Abbild asiatischer Holzgeländer, deren Dimension man nicht genau erkennen kann, hängen flächendeckend ovale Körper in geflochtenen Seilen von einer Decke aus organischen Stäben. Das sind usbekische Melonen aus einem Buch von 1934, das hier für die Selbstzensur eines Stalintreuen steht – Überwachung und Kontrolle hatten schon im 20. Jahrhundert Konjunktur. Eine geknüpfte Teppichtür verbindet mit islamischer Tradition. Bezug zu Krefeld: Die Verseidag hat die Produkte hergestellt.

Michal Helfman hat im einstigen Wohnzimmer der Villa eine Videoinstallation aufgebaut und verbindet Realität und Medien. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
Im Herrenzimmer hat das Künstlerkollektiv „Slavs und Tatars“ eine Installation geschaffen, die von der Selbstzensur eines Stalintreuen erzählt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Außen vor, räumlich gesehen, ist die Installation der Brasilianerin Laura Lima im Haus Lange: Lecker angerichteten Lebensmitteln wird durch Gefriertrocknung das Wasser entzogen. Auf diese Weise sollen sie bis 2044 halten. Die Zubereitung der Produkte vom Hof Steves besorgt Salt‘n Pepper – Besucher der Schau können das Konservieren für die Zukunft besichtigen und sich ihr eigenes Urteil bilden.

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