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Krefeld: In Gellep-Stratum ziehen beißende Gerüche ins Wohngebiet

Geruchsbelästigung in Krefeld : Bürger rufen Petitionsausschuss zu Hilfe

Wegen beißender, die Atemwege reizender Gerüche haben Bürger aus Gellep-Stratum sich hunderte Male an die Bezirksregierung gewendet und um Hilfe gebeten. Bisher ohne Erfolg. Nun wurde der Petitionsausschuss eingeschaltet.

Die Bezirksregierung soll endlich handeln und geeignete Maßnahmen ergreifen, um der Ursache beißender Gerüche auf die Spur zu kommen, die seit zwei Jahren in Gellep-Stratum wahrgenommen werden. Das ist das Ziel einer Petition, die der Bürgervereinsvorsitzende Gregor Roosen jetzt an den Vorsitzenden des zuständigen Ausschusses im Landtag gerichtet hat. Insbesondere fordert Roosen, dass die Bezirksregierung eine im Mai 2019 vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) empfohlene sogenannte Rasterbegehung zur Aufklärung der Geruchssituation durchführen soll, um den Geruch bzw. die Geruchsquelle zu identifizieren.

Hintergrund: Hunderte Bürger haben sich in den vergangenen Jahren über die vor allem bei nordöstlicher Windrichtung auftretenden, beißenden Gerüche beschwert, die, so erzählen die Betroffenen, die Atemwege reizen und als „ätzend“ beschrieben werden (wir berichteten mehrfach). Nachforschungen des Bürgervereins hatten die Vermutung nahe gelegt, der Einsatz von Bioziden zur Bekämpfung von Legionellen in den Kühlwassersystemen zweier Unternehmen im Krefelder Hafen könnte Ursache des beißenden Gestanks sein. Die Bezirksregierung schrieb seinerzeit: „Ein Zusammenhang zwischen den Gerüchen und dem Einsatz von Bioziden beim Betrieb der Verdunstungskühlanlagen war bisher nicht festzustellen“, könne aber auch nicht generell ausgeschlossen werden.

„Seitens der Bezirksregierung gibt es bisher immer nur Aussagen, was nicht die Quelle des Geruchs ist, ohne je eine nachvollziehbare Erklärung zu liefern“, sagt Roosen verärgert. Der Bürgervereinsvorsitzende berichtet ebenfalls, dass die Wahrnehmung des „beißenden Geruchs“ sich zeitweise verändert habe. „’Unser’ Geruch nach Salpetersäure und  Ammoniak war zwischendurch mal weg und dafür durch einen anderen Geruch nach Wachs oder Imprägniermittel abgelöst worden.“ Nachforschungen des Bürgervereins hätten ergeben, dass Unternehmen im Hafen in ihren Kühlwasserkreisläufen möglicherweise wegen der Bürger-Beschwerden  verschiedene Desinfektions-Strategien angewandt haben könnten, was möglicherweise zu anderen Gerüchen geführt haben könnte.

Tatsächlich scheint derzeit ein bisschen Bewegung in die Suche nach der Geruchsquelle zu kommen. Das berichtet Markus Kreutz, bei dem in Gellep-Stratum die Beschwerden der Bürger zusammenlaufen und der den Kontakt zur Bezirksregierung hält. „Am vergangenen Donnerstag waren Vertreter von Düsseldorf und Krefeld vor Ort und haben für sich erstmalig so richtig ‚unseren Geruch’ über Stunden um die Nase wehen lassen“, erzählt er. Der Vertreter der Bezirksregierung habe erklärt, dass man in den vergangenen rund zwei Jahren leider oft nur Momentaufnahmen ohne Ergebnisse aufgenommen habe. „Doch nun hätte er während seines fünfstündigen Aufenthalts in Gellep-Stratum ganz andere Erkenntnisse gewonnen“, sagt Kreutz. Daraus resultierend seien, so Kreutz, erste Fragen an ein im Hafen ansässiges Unternehmen gegangen, dessen Anlagen nun detaillierter kontrolliert werden sollen. Ein weiteres Firmengelände solle ebenfalls genauer betrachtet werden, weil auch von extreme Gerüche ausgegangen seien, erzählt Kreutz.

Die Bezirksregierung schreibt auf Anfrage unserer Redaktion: „Trotz vielfältiger Bemühungen und der Kooperation der ansässigen Unternehmen, ist es leider nach wie vor nicht gelungen, die Quelle der Geruchsbelästigung eindeutig zu ermitteln. Nach wie vor kommen mehrere Firmen dafür in Frage.“ Die Bezirksregierung sei im regelmäßigen Austausch mit der Stadt und mit den ansässigen Unternehmen. Der Streifendienst sei regelmäßig unterwegs. „Zudem hat die Firma Cargill angeboten, dass Betroffene sich an die dortige Sicherheitszentrale wenden können, wenn sie etwas Verdächtiges wahrnehmen. Von dort wird die Information sofort an die benachbarten Unternehmen weitergesteuert, so dass deren Firmenangehörige sich ebenfalls zeitnah von den Geruchsbeschwerden einen Eindruck verschaffen können, um zur Lokalisierung beizutragen“, schreibt die Sprecherin der Bezirksregierung. Die Gespräche, Streifenfahrten und Untersuchungen würden fortgeführt. Und: „Eine Rasterbegehung ist geplant. Einen Termin können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht nennen.“