1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: In der Gastronomie wird der Zollstock zum wichtigsten Werkzeug

Krefeld : In der Gastronomie regiert der Zollstock

An einem Tisch dürfen nur Personen aus maximal zwei Hausgemeinschaften sitzen, der Tisch-Abstand muss mindestens 1,5 Meter betragen. Statt 450 gibt es aktuell im Nordbahnhof nur noch 220 Plätze.

„Die größte Herausforderung wird sein, zu sehen, wie die Gäste mit den Einschränkungen umgehen“, sagt Anne Furth vom Nordbahnhof einen Tag vor dem Datum, zu dem die nordrhein-westfälische Landesregierung die Wiedereröffnung der Gastronomie erlaubt hat. Wobei angesichts der doch massiven Einschränkungen, die die sperrig klingenden „Hygiene- und Infektionsstandards zur Coronaschutzverordnung“ bedingen, es schwerfällt, von einer echten Öffnung zu sprechen. Das Gesellige, das den Besuch in einer Gaststätte ausmachte, wird man – noch – nicht in der Intensität wiederfinden wie vor der Schließung. An einem Tisch dürfen nur Personen aus maximal zwei Hausgemeinschaften sitzen, der Abstand zwischen den Tischen muss mindestens 1,5 Meter betragen. Der Zollstock avancierte auf einmal zum wichtigsten Werkzeug der Gastronomen.

Statt regulär 200 Plätzen innen stehen im Nordbahnhof nur noch 70 zur Verfügung, für außen lauten die Zahlen 150 statt 250. Deshalb rät der Nordbahnhof dringend zu einer telefonischen Vorbestellung. Um besonders alle Wünsche in den Abendstunden erfüllen zu können, wird es ein Zwei-Schichten-System geben. Verboten ist es nicht, auf „Gut Glück“ zu kommen, aber selbst wenn man den obligatorischen Mund-Nasen-Schutz trägt, kann es sein, mangels Kapazität abgewiesen zu werden. „Wie für die Gäste ist auch für uns vieles Neuland, muss sich manches  erst noch einspielen“, sagt die Juniorchefin des Nordbahnhofs weiter und erwähnt auch ein Onlinereservierungssystem, das sie gerade aufbaut. Im Blick hat sie bei ihren Überlegungen auch die Arbeitsbedingungen ihrer Kellner. Durch die größeren Abstände und die ausschließliche Bewirtung am Platz müssen diese mehr und auch längere Wege zurücklegen – „und diese ja doch körperlich anstrengende Arbeit ebenfalls unter einem Mund-Nasen-Schutz, der das Atmen erschwert, verrichten.“

Wie bei ihr ist aber auch bei Toni Arabatzis die Freude zu spüren, endlich wieder für seine Gäste da sein zu dürfen. Der griechischstämmige Wirt hat vor zwei Jahren das Gleumes übernommen und wird ab heute extra eine Kraft abstellen müssen, die die Dokumentation über die Daten der  Gäste führt und die zahlreichen Reinigungsarbeiten ausführt, die zur Steigerung der Hygiene zwingend sind. Arabatzis ist auch Vorsitzender der Krefelder Gruppe im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und lenkt deshalb den Blick auch auf andere Sparten der Gastronomie, die stark betroffen sind. „Die Hotels in Krefeld haben immer von der Messe in Düsseldorf gelebt  und die ist weiterhin geschlossen“, sagt Arabatzis. „Und die zahlreichen Chinarestaurants mit ihren so beliebten Buffets, die ja verboten sind, müssen auf den personalintensiveren Tellerservice umstellen.“

Während man unter den Gastronomen inhaltlich für die Einschränkungen Verständnis zeigt, stößt die Kurzfristigkeit, mit der diese veröffentlicht wurden auf Unverständnis. Erst in der Nacht von Freitag auf Samstag wurden diese vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium online gestellt, obwohl Ministerpräsident Armin Laschet die Öffnung an sich schon Mittwoch verkündet hatte. In seiner Verzweiflung bat das Bistro Lisboa, ein portugiesisches Restaurant auf der Uerdinger Straße, am Freitag um 20 Uhr auf Facebook seine Gäste deshalb um Verständnis, dass man nicht wie möglich am Montag sondern erst am Freitag, 15. Mai, eröffnen könne. Derweil bietet die IHK Niederrhein eine Schulung zu den neuen Vorschriften an. Diese findet heute Nachmittag statt. „Das alles zeigt in der Summe doch, dass die Branche weitere Hilfe benötigt“, sagt Arabatzis. Damit heute alles funktioniert, wird auch die Geduld der Gäste erforderlich sein. An die hat übrigens auch die Verordnung ausdrücklich appelliert.