Krefeld: Im ehemaligen Lentz ist jetzt ein Nachbarschaftszimmer.

Neues aus dem Samtweberviertel : „Nachbarschaftszimmer“ im Café Lentz

Vor zwei Monaten musste das Café Lentz in der Alten Samtweberei schließen. Seit Januar hat ein Bewohnerteam die Verwaltung der Räumlichkeit übernommen – und möchte dort das gesellige Miteinander des Viertels fördern.

Hippe Glühbirnen an hohen Decken. Holztische und Retro-Stühle, selbstgebaut oder vom Sperrmüll. Lichtdurchflutete Räume und eine sonnige Außenterrasse im Innenhof. Optisch ist vieles bekannt – und doch hat sich im einstigen Café Lentz einiges verändert. Seit der Betreiber des Kultur- und Kulinarik-Cafés, der Verein „Kette & Schuss“, aus finanziellen Gründen im Dezember 2018 seine kreativen Ideen aufgeben und die Kochlöffel des Gastronomiebetriebs niederlegen musste, kümmert sich ein Bewohnerteam der Alten Samtweberei um die Räumlichkeiten an der Lewerentzstraße. War das Lentz ein vielbesuchter Hotspot, seit es im Juli 2017 seine Tore geöffnet hatte, sorgt die sechsköpfige Gruppe nun dafür, dass die Pforte nicht verschlossen ist.

„Wir möchten, dass der Raum ein Ort der Begegnung bleibt“, betont Richard Grüll, der sich gemeinsam mit Gudrun Wunderlich Zeit für ein Gespräch genommen hat. Die beiden Rentner sind Teil der sechsköpfigen Gruppe, die seit Mitte Januar ehrenamtlich für die Verwaltung des „Nachbarschaftszimmers“, wie das ehemalige Café mittlerweile heißt, zuständig ist. Den Leitgedanken des Lentz, eine Begegnungsstätte anbieten zu wollen, haben sie gewissermaßen übernommen – den Gastronomiebetrieb hingegen nicht. Doch auch Kaffee und Kaltgetränke reichen aus, um Menschen des Viertels weiterhin zusammenzubringen. So wurden wöchentliche Veranstaltungen ins Leben gerufen, die meist nachmittags oder am frühen Abend stattfinden. Montags wird zum Nachbarschaftstag geladen, dienstags zum Klön-Kaffee, mittwochs können im offenen Nähcafé Knöpfe angenäht oder Reißverschlüsse repariert werden. Nachbarschaftskinder, die in der anliegenden Shedhalle spielen, können vorbeikommen, um einen Schluck Wasser zu ergattern oder die Toilette zu nutzen.

Doch auch für private Veranstaltungen oder geschlossene Gesellschaften kann der Raum reserviert werden. Das Bewohnerteam fungiert aber nicht als Veranstalter. Es sorgt lediglich dafür, dass die Türen aufgeschlossen und die Räume sauber hinterlassen werden.

„Im Februar gab es mehrere Tage ohne Belegungen, aber langsam spricht es sich rum. Jetzt ist der Kalender bis Mai schon recht voll – und auch für Juni und Juli gibt es bereits Reservierungen“, zieht Gudrun Wunderlich eine erste Bilanz. So sind unter anderem Anfragen für Taufen oder Konfirmationen, Konzerte und sogar einen Yoga-Kurs eingegangen.

Und auch Verbände und Organisationen – wie Caritas, Bezirksvertretung Mitte oder Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLaWi) – haben hier, wie zuvor im Café Lentz, bereits getagt. Kommerzielle Zwecke dürfen dabei aber nicht verfolgt werden, betont Richard Grüll. Schließlich ist das Nachbarschaftszimmer ein geförderter Gemeinschaftsraum und der Vermieter, die „Urbane Nachbarschaft Samtweberei“ (UNS), eine gemeinnützige Gesellschaft.

Auch die Trägerschaft der UNS gGmbH ist eine Herausforderung, mit der sich das Bewohnerteam auseinandersetzen muss. Denn die Gesellschaftsanteile der in Bonn sitzenden „Montag Stiftung Urbane Räume“, die das Projekt mit aufgebaut hat, sollen zum Ende des Jahres auf einen potentiell örtlichen Träger übergeben werden. Deshalb trifft sich seit kurzem eine Arbeitsgruppe, in der Nachbarn Details diskutieren und Konzepte ausarbeiten.

Obwohl seit der Schließung des Café Lentz viele Ideen realisiert wurden, gibt es also nach wie vor Punkte, die auf der To-Do-Liste abgehakt werden müssen. Mit der bisherigen Entwicklung sind Gudrun Wunderlich und Richard Grüll aber zufrieden, auch die Resonanz aus der Nachbarschaft ist positiv. Dennoch hoffen beide, dass sich die Teilhabe am gemeinsamen Miteinander und der Mut zur Eigeninitiative noch weiter festigen: „Wenn die Türen nachmittags geöffnet sind und Passanten auf der Straße sehen, dass hier etwas los ist, dann sollen sie sich nicht scheuen. Sie sollen reinkommen, sich dazusetzen und austauschen. Das ist unser Wunsch.“

Reservierungen sind unter nachbarzimmer-eins@t-online.de möglich.

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