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Krefeld: Im Digitalen Lernzentrum sollen Kinder lernen, mit Programmen umzugehen.

Digitalisierung : Kinder programmieren Roboter „Ozobot“ im Behnischbau

Das Zentrum für Digitale Lernwelten erlaubt Schülern, mit farbbasierten Sprachen ihre Fähigkeiten im Programmieren zu entwickeln.

Der Raum im Behnischbau ist voller Kinder. Es ist die sechste Jahrgangsstufe der Gesamtschule Uerdingen. Die Elf- und Zwölfjährigen sitzen in drei verschiedenen Gruppen beisammen und sind mit Feuereifer bei der Sache. Ein Drittel schreibt Programme für die Platine „Calliope“, die zweite Gruppe arbeitet mit dem kleinen, autonom fahrenden Roboter „Ozobot“ und der Rest ist mit „Lego WeDo“ beschäftigt.

Die Platine enthält LEDs und einen Lautsprecher, und mit einer einfachen Programmiersprache lassen die Kinder Grüße oder kleine Lieder darauf erscheinen. Roboter Ozobot erfasst mit kleinen Kameras, was unter ihm ist und nimmt Farbcodes als Befehle auf. Ähnlich der Sprache der DNS codieren vier Farben in Dreiergruppen einen Befehl. Zum Beispiel „fahre links“, „fahre geradeaus“ oder „fahre schneller“. Die Kinder müssen erst herausfinden, welche Kombination zu welchem Ergebnis führt und dann den Roboter einen Parcours bewältigen lassen.

Lego WeDo schließlich ist ein System, bei dem Motoren mittels Bluetooth mit einer App angesteuert werden können. Hier ist die Aufgabe zunächst, einen Roboter eine bestimmte Strecke fahren zu lassen. Später soll ein „erdbebensicheres Haus“ aus Lego gebaut werden. Zunächst nach Anleitung, dann, als Wissenstransfer, in Eigenbauweise.

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Eingerichtet wurde das Zentrum im Behnischbau mit Hilfe von Mitteln der Firma Covestro. „Wir sind froh, einen starken Partner dafür gefunden zu haben. Die Kompetenz in digitalen Sachverhalten wird in der Zukunft immer wichtiger werden“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer bei der Eröffnung. Das Zentrum soll die Schulen in Zukunft dabei unterstützen, die Vorgaben der NRW-Landesregierung umzusetzen.

Denn fortan wird von jeder Schule ein Plan zur Digitalisierung eingefordert. Dabei geht es nicht allein darum, dass die Schüler etwas lernen, auch die Lehrer haben viel Weiterbildungsbedarf. „Die Lehrer sollen das, was sie hier erleben, in den Unterricht weitertragen und dadurch souverän mit Schülerfragen umgehen können“, sagt Mandy Weidner, die Co-Leiterin der Lehrerfortbildung.

Den Kindern macht die Arbeit großen Spaß. „Sie sind mit Feuereifer bei der Sache. Wir sehen auch, welche Fähigkeiten Kinder in diesem Bereich haben“, sagt Klassenlehrerin Lea Rodies. Ihr Kollege Konrad Zientek fügt hinzu: „Ich glaube, die Kinder sind aufrichtig begeistert. Auch der Lernort außerhalb der Schule sorgt unter anderem für neue Reize.“

Das sehen die Schüler genauso. Nisa zum Beispiel arbeitet mit der Platine. Die Zwölfjährige sagt: „Es war sehr schön. Wir konnten auf dem Rechner Dinge machen, die dann auf der Platine erscheinen. Es hat nicht lang gedauert, das zu schaffen.“ Ähnliche Erfahrungen machte Hailey mit dem Ozobot. „Ich fand es sehr spannend, wie er sich bewegt hat und dass er ohne Linie einfach wild herumfährt. Ihn steuern zu können, das macht Spaß“, erzählt die Elfjährige. Matilda und Julia, beide ebenfalls elf Jahre alt, waren mit dem Lego beschäftigt. „Es war erst interessant, die Dinge nachzubauen. Aber besonders schön ist, dass man gleich sieht, wie es funktioniert und eine Bestätigung hat. Die Erfolge, wenn alles klappt, das ist richtig prima“, berichten beide.

Am Ende des Tages gibt es dann noch eine Auswertung der Kursleiter Anja Worts und Marc Sievers. Die beiden Lehrer fragen die Mädchen und Jungen, was sie besonders begeistert hat, welche Probleme aufgetreten sind und was sie am Ende gelernt haben. Auch hier sind die Schülerinnen und Schüler voll bei der Sache. Zumindest, sobald über die zentrale Steuerung die Tablets abgestellt werden und sie nicht weiter an ihren eigenen Projekten arbeiten können. Der Eifer, auch nach Ende des eigentlichen Arbeitens noch weiter die Möglichkeiten der Gerätschaften zu erkunden, ist spürbar. Und so geht ein bedauerndes Stöhnen durch die Runde, als Worts den Tag mit den Worten „Jetzt lasst uns aufräumen“ beschließt.

Amüsiert fragt die Lehrerin: „Wer würde denn gern noch weitermachen und mit den Robotern arbeiten?“ Ausnahmslos alle Hände schießen wie auf ein Kommando in die Höhe. Offenkundig trafen die Organisatoren also einen Nerv, und die Tage im Zentrum für digitale Lernwelten könnten bald zu den beliebtesten überhaupt in Krefelds Schulen aufsteigen.