Krefeld: Hülser Männergesangverein wird 175 Jahre alt

Fester Hülser Bestandteil : Ewig jung – Männergesangverein wird 175

Seit 175 Jahren ist die musikbegeisterte Männertruppe ein fester Bestandteil des Hülser Vereinslebens. Friedhelm Schuchert gehört dem Männergesangverein nun bereits seit 48 Jahren an. Sein Eintritt war nicht ganz einfach.

Wehmütig blickt Friedhelm Schuchert auf seine 48 Jahre beim Männergesangverein Hüls zurück. Die schönen Momente überwiegen deutlich in seiner Erinnerung, jedoch macht er sich auch Sorgen um die Zukunft seines Vereins. Neben dem bereits hohen Altersdurchschnitt der Chormitglieder fehlen dem Verein schlichtweg junge Sänger, die auch in Zukunft das Vereinsleben aktiv fortführen. Dabei hat der Chor eine lange Tradition. Seit 175 Jahren ist die musikbegeisterte Männertruppe ein fester Bestandteil des Hülser Vereinslebens.

Geselligkeit wurde in Hüls schon immer großgeschrieben. So auch im Jahr 1844 als 16 junge Männer einen Verein gründeten, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Aus einer heiteren und fröhlichen Stimmung heraus zogen die Herren von der Gaststätte „Zur Post“, der heutigen Heimstätte des italienischen Restaurants „Santa Lucia“, vor das Rathaus des Dorfes und sangen dort. Der Grundstein für den Verein war damit gelegt worden. Es sollte weitere acht Jahre dauern bis die musikbegeisterte Hülser Männertruppe ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Mitglied des Vereins zu werden, war damals gar nicht so einfach. Streng wachten die Sänger der ersten Stunde und ihre Nachfolger darüber, dass Neuzugänge die entsprechenden Gesangsqualifikationen mitbrachten. So mussten damals Neumitglieder vor der gesamten Truppe insgesamt dreimal vorsingen, um in den Verein eintreten zu können. Dabei stimmten die Mitglieder mit weißen Bohnen für „Ja“ und schwarzen Bohnen für „Nein“ über die Neuaufnahme ab.

Die strengen Aufnahmeregelungen gehören längst der Vergangenheit an, und auch schon zu Zeiten des Vereinsbeitritts von Friedhelm Schuchert im Jahr 1971 waren sie überholt. „Ich habe zwar noch ein paar Mitglieder der alten Riege kennengelernt, aber das Vereinsleben war schon damals entspannter organisiert“, erklärt der 85-Jährige. Seit 48 Jahren gehört der pensionierte Schlosser dem Hülser Männergesangverein an. Schon vor seinem Beitritt zum Männerchor war er im jugendlichen Alter von 16 Jahren einem Chor beigetreten. Nachdem er mit seiner Familie von Oppum nach Hüls gezogen war, war er stets gesanglich aktiv, doch zögerte er, sich dem Hülser Chor anzuschließen. „Hüls war damals ein Club für sich. Ich hatte auch nicht den Mumm, jemanden vom Verein anzusprechen“, erinnert sich der Gesangsbegeisterte. Während eines Österreichurlaubs mit Bekannten, die bereits dem Männerchor angehörten, wurde dann die benötigte Brücke zum Verein geschlagen. Seither gehört Friedhelm Schuchert dem Chor an.

Während seiner Mitgliedschaft hat sich das Vereinsleben stark verändert. Generell hätten es Männerchöre zunehmend schwerer, erzählt Schuchert. In Hüls seien einst drei reine Männerchöre aktiv gewesen, von denen lediglich der MGV 1844 Hüls übrig sei. Auch zahlreiche Männerchöre anderer Krefelder Stadtteile seien bereits aufgelöst worden oder bestünden nur noch in minimierter Form. So schloss sich der Oppumer Eisenbahnchor zum Beispiel wegen der geringen Mitgliederzahl und ausbleibender Neuzugänge der Hülser Männertruppe an. Fortan proben beide Vereine gemeinsam in den Räumen der Gaststätte „Zum Goldenen Hirschen“. „Die Interessen haben sich einfach über die Jahrzehnte verändert. Heutzutage hört man lieber Musik, statt sie selbst zu machen. Während zwar Frauen- und gemischte Chöre konstante, zum Teil sogar wachsende Mitgliederzahlen haben, wird es für reine Männerchöre immer schwieriger“, erklärt der erste Vorsitzende des Vereins, Peter Rumohr. Das ausbleibende Interesse mache sich vor allem bei dem steigenden Altersdurchschnitt der Sänger und dem Ausbleiben von Neumitgliedern bemerkbar. Während der Verein zu Spitzenzeiten an die 98 Sänger hatte, gehören dem Männerchor heute 29 Sänger an.

Friedhelm Schuchert gehört seit 48 Jahren dem Männergesangverein Hüls an. Der Kontakt entstand im Urlaub in Österreich. Foto: Fabian kamp

Dabei ist das Vereinsleben lebendig. Es beschränkt sich nicht nur auf wöchentliche Proben und zahlreiche Auftritte, von denen zahlreiche Fotos zeugen. Der Vorstand organisiert auch regelmäßig Fahrten. „Eine der schönsten Reisen, die wir hatten, war nach Dresden. Dort konnten wir in der Frauenkirche vor zahlreichen Touristen singen. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis und ein einmaliger Moment“, sagt der Leiter des Männerchores.

Den 175-jährigen Chor-Geburtstag feierten die Mitglieder zusammen mit zahlreichen Gästen in der Kirche St. Cyriakus. Höhepunkt des Musikabends war der Auftritt der deutschlandweit bekannten Mainzer Hofsänger.