Krefeld: Hülser Bottermaat als Familienfest

Hülser Bottermaat: Quetscher und Landfrauen auf Bottermaat

Als Handwerkermarkt, der besonders auf das Mitmachen von Kindern ausgerichtet ist, lockte der Hülser Bottermaat viele Familien zu einem Besuch. Es ist schon Tradition, dass auch das Wetter mitspielte.

Auf Erwin Zölzers Stand auf dem Hülser Bottermaat macht ein Schild mit der Aufschrift „Der Schleifer“ aufmerksam. Zölzer ist Scherenschleifer und zum dritten Mal auf dem beliebten Handwerkermarkt. „Der Bottermaat ist ein interessanter Standort“, lobt er, „mit den Hülser Kunden kann man gut kommunizieren.“ Zölzer hat gut zu tun, es hat sich eine Stammkundschaft gebildet, die allerlei Schleifgut mitbringt, obwohl es heutzutage sicher ein Geschmäckle hat, mit Messern durch ein dichtgedrängtes Publikum zu laufen. „Jedes Messer, jede Schere braucht ihren eigenen Schliff“, erklärt der Schleifer. An Tomaten überprüft Zölzer, ob der Schliff stimmt oder nachkorrigiert werden muss. Scheren erprobt er an Stofffetzen.

Zwei junge Hülser, Lukas Oymann und David Drink, werben für eine innerörtliche Verdichtung an der Fläche Fette Henn/Papenburg. Ihr Stand präsentiert zwei Varianten eines neu zu fassenden B-Planes 550. Das eine Modell stellt 59 und das andere 39 Wohneinheiten vor. Eine Bürgerinitiative ist dagegen. Sie befürchtet den Wegfall einer Hülser „Grünen Lunge“, obwohl hinter dem Plangebiet das Hülser Bruch beginnt.

Auch in diesem Jahre buttern die Hülser Landfrauen. Für den Verein erklärt Birgit Berg, die schon 28 Jahre dabei ist, wie „gute Butter“ entsteht. 40-prozentige Sahne wird über 30 Minuten in einem Butterfass gedreht. Dabei trennt sich die Buttermilch von dem Butterfett. In der Knetmaschine wird die Butter durch eine Spindel gequetscht, bei der sie weiteres Wasser verliert. Dann wird sie in Formen zu verkaufsfertigen Stücken gepresst.

Die Orbroicher Quetscher, ein Orbroicher Freundeskreis, gewinnen aus alten Orbroicher Apfelsorten Apfelsaft. Carlo Malacasa freut sich, dass vor allem Kinder ihre Hilfe anbieten: „Hier passiert etwas. Die Kinder können die Äpfel schneiden, die Presse befüllen und den Saft herausquetschen. Zur Belohnung gibt es ein Glas selbstgepressten Apfelsaft. An vielen Ständen steht der Nachwuchs im Mittelpunkt. Das macht für viele Eltern den Reiz des Bottermaates aus, so auch für eine Besucherin aus Nettetal, die mit ihrem Enkel ganz bewusst den Bottermaat angesteuert hat und sich von den gleichzeitig stattfindenden Veranstaltungen „Krefeld pur“ in der City und „Herbstzauber“ auf der Rennbahn nicht irritieren ließ. Keramikerin Ilka Lunberg arbeitet vor ihrem Atelier mit Kindern. „Kreativität muss man lernen und am besten fängt man früh damit an“, meint die Expertin, „die Kinder arbeiten noch voller Ideen.“

Die Orbroicher Quetscher, ein Orbroicher Freundeskreis,
Die Orbroicher Quetscher, ein Orbroicher Freundeskreis, gewinnen aus alten Orbroicher Apfelsorten Apfelsaft. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Auf dem Markt neben der Pfarrkirche St. Cyriakus wird Gemüse angeboten, darunter unter anderem auch Porree, das Breetlook genannte Hülser Nationalgemüse. Der Rassegeflügelzuchtverein Hüls zeigt Hähne, Laufenten, große schwarze Rheinländer und Zwergseidenhühner. Seit den Eierskandalen hat die private Hühnerzucht wieder zugenommen, erzählt ein Vereinsmitglied.

  • Freuen sich auf den Bottermaat: v.l.
    Hülser Tradition : Bottermaat: Handwerkermarkt mit Flair

Umringt von Interessenten presst Paul Funger auf einer alten Bostentiegel-Druckmaschine Drucke des Hülser Wasserturmes. „Das ist kein Siebdruck“, weist er einen Fragesteller zurecht, „hier wird gedruckt. Siebdruck entsteht durch Quetschen.“ Das könne aber nicht mehr jeder wissen, denn seit 40 Jahren gibt es das Handwerk des Druckers nicht mehr.

Kinder malen Hüls: An vielen Ständen
Kinder malen Hüls: An vielen Ständen steht vor allem der Nachwuchs im Mittelpunkt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Hülser Kolpingsfamilie sammelt Spenden für die Hülser Nikolausfeier, die seit 1923 Neugierige aus ganz Krefeld anlockt. Unter dem Motto „Kochen, damit andere satt werden“, bereitet der katholische Verein derzeit ein „Eine-Welt-Dinner“ vor, bei dem Gäste zusammen kochen und anschließend für ein Hilfsprojekt in anderen Kontinenten spenden.

Am Stand der Hülser Schützengesellschaft von 1464/1597 kann man mit einem Lasergewehr schießen, die Karnevalsgesellschaft „Nette stölle Jonges“ lässt das Gewicht eines Korbes mit Emblemen schätzen, wobei zwei Freikarten zu gewinnen sind.

Moderiert von Karin Meincke zeigen die „Linedance Ladies“ auf der Marktbühne zahlreiche schmissige Tänze, deren Funke schnell auf Jung und Alt überspringt. Fazit: Der Bottermaat hat auch in diesem Jahr wieder tausende von Besuchern angezogen mit seiner einmaligen Mischung aus Handwerkermarkt, Hülser Heimatflair und verkaufsoffenem Sonntag.