Krefeld-Hüls: „Literarischer Sommer“: Saskia Goldschmidt liest in der Galerie Sof aus Vintage Queen.

Literarischer Sommer : „Vintage Queen“ – Auf- und Abstieg einer Second-Hand-Kette

In der Reihe „Literarischer Sommer“ las die niederländische Autorin Saskia Goldschmidt in der Galerie Sof in Hüls aus ihrem Buch vor.

(CS) Mit einem beeindruckenden Auftritt stellte die niederländische Autorin Saskia Goldschmidt ihren jüngsten ins Deutsche übersetzten Roman vor: Im Hülser Atelier SoF las sie aus „The Vintage Queen“. Der literarische Sommer in Krefeld bot einmal mehr einen besonderen Ort für ein besonderes Buch. Mediotheksleiterin Evelyn Buchholtz begrüßte kurz und treffend und freute sich, dass so viele Menschen „zum äußersten Zipfel von Hüls“ gekommen waren. Sie bedankte sich bei der Atelierbesitzerin, die vor ihrem Urlaub die ehemalige Fabrikationshalle noch für diesen Abend zurechtgeräumt hatte. Bunte Bilder, Skulpturen, zusammengesetzte Objekte, Collagen aus Papier und Holz, afrikanische Heilige und ein glänzender großer Mops – das Atelier mit seinen verschachtelten Räumen ist einen Besuch wert.

Für die Autorin stand der rote Tisch bereit – für Saskia Goldschmidt auch ein thronähnlicher Sessel. Den sie mit ihren Erzählungen, Berichten, Lesepassagen und ausgeprägtem theatralischen Talent wunderbar ausfüllte. Denn sie ist auch Künstlerin und Schauspielerin. „Vintage Queen“ ist ihre dritte Veröffentlichung: „Es war ein sehr großer Schritt, der mich zum Schreiben gebracht hat“, sagt sie. Ihr Vater hatte die Zeit des Nationalsozialismus nur knapp überlebt – gegen seine Erinnerungen an das KZ verblassen alle Erfahrungen und Gefühle der nachfolgenden Generation.

Saskia Goldschmidt hat die Familiengeschichte recherchiert, Gespräche geführt, ihre Blockade gelöst und den ersten Roman „Die Glücksfabrik“ geschrieben. Darin geht es um die „zerstörerische Funktion des Kapitalismus.“ So auch in „Vintage Queen“. Für dieses Buch hat sie wieder gründlich recherchiert, mit Menschen gesprochen, neue Kontakte geknüpft. „Danach fange ich an, Fiktion zu schreiben“, sagt sie in ihrem netten Deutsch. Koko ist die Hauptperson in dem Roman, in dem es um Kleidung aus zweiter Hand, einen wichtigen Industriesektor und eine schwierige Entwicklung geht: „Erfolg ist brüchig und flüchtig.“ Koko baut sich ein Imperium auf und verliert es wieder – dabei erzählt die Autorin noch lauter andere interessante, erschreckende Familiengeschichten. In sehr bildhafter Sprache blättert sie einen ganzen Kosmos auf. Das sehr zahlreich erschienene Publikum dankte sehr herzlich fürs Erzählen und Vorlesen.

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