Spetakuläre Weltraum-Mission in Krefeld Nach Flug in die Stratosphäre – Horkesgath übergibt Plakette von Hork-Riser an die Stadt

Krefeld · Es war eine spektakuläre Aktion des Gymnasiums Horkesgath – mit Fotos aus der Stratosphäre, deren Qualität selbst Profis überrasschte: der Flug der Hork-Riser-Sonde Richtung Weltall. Jetzt übergab das Gymnasium eine Plakette, die mit an Bord war, an die Stadt.

Gestochen scharf: Hork-Riser in einer Höhe von 35,5 Kilometer, fotografiert von einer Kamera, die an einem Stab aus der Sonde herausragt. Links erkennbar die PLakette, die jetzt an Oberbürgermeister Frank Meyer übergeben wurde.

Gestochen scharf: Hork-Riser in einer Höhe von 35,5 Kilometer, fotografiert von einer Kamera, die an einem Stab aus der Sonde herausragt. Links erkennbar die PLakette, die jetzt an Oberbürgermeister Frank Meyer übergeben wurde.

Foto: Gymnasium Horkesgath

Das Gymnasium Horkesgath hat Oberbürgermeister Frank Meyer die Plakette überreicht, die im vergangenen Jahr im Rahmen einer Aktion zum Stadtjubiläum bis in eine Höhe von 35 Kilometern aufgestiegen war. Schüler des Gymnasiums hatten am 30. August 2023 eine Ballonsonde mit einer 360-Grad-Kamera in die Stratosphäre aufsteigen lassen (wir berichteten).

 Zahlreiche Schüler und Gäste des Gymnasium Horkesgath beobachteten am 30. August 2023 den Aufstieg der Hork-Riser-  Sonde Richtung Stratosphäre.

Zahlreiche Schüler und Gäste des Gymnasium Horkesgath beobachteten am 30. August 2023 den Aufstieg der Hork-Riser- Sonde Richtung Stratosphäre.

Foto: Maren Buschhüter

Die Plakette ist oval, dunkelgelb gefärbt und nur wenige Zentimeter groß, die Gravur zeigt den Namen der Schule und ein Jubiläumslogo. Die Sonde, mit der die Plakette aufgestiegen war, trug auch eine Spezialkamera mit, die faszinierende Bilder aus der Stratosphäre mitbrachte. Heute lassen sich die Aufnahmen über eine Virtual-Reality-Brille mit einem Rundumblick nachverfolgen. Diese Möglichkeit nutzte auch der Oberbürgermeister bei seinem Besuch im Gymnasium Horkesgath. Er zeigte sich nach dem live nachempfundenen Flug ins All begeistert: „Dieses Projekt zeigt auf eine beeindruckende Art und Weise, wie man den Unterricht spannend und praxisbegleitend gestalten kann. Das Gymnasium Horkesgath hat der Stadt Krefeld damit ein einzigartiges Geschenk bereitet und darf stolz auf so viel Neugier und Entdeckergeist sein.“

Übergabe der Hork-Riser-Plakette an Oberbürgermeister Frank Meyer im Gymnasium Horkesgath.

Übergabe der Hork-Riser-Plakette an Oberbürgermeister Frank Meyer im Gymnasium Horkesgath.

Foto: Stadt Krefeld

Dabei begann der 30. August ziemlich hektisch. Eigentlich hatten Lehrer Peter Gronsfeld und sein Schülerteam um Nick Barthel, Jonah Kubill, Dimitri Krinis und Arian Hashani diesen Tag minutiös vorbereitet und geplant, damit nichts schiefgeht. An diesem Mittwoch sollte ihr „HorkRiser“ in die Stratosphäre aufsteigen. Das Schulfest des Gymnasiums Horkesgath, das Mitglied im nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC ist, bot den optimalen Rahmen für das Weltraumprojekt. Und dann gab es trotzdem ein Problem. Windböen hatten die Sonde kurz vor dem Start beschädigt. Gronsfeld und seine Schüler mussten improvisieren. Sie flickten die kaputte Stelle mit Spezialklebeband. Start und Aufstieg der Sonde glückten danach problemlos.

Diese Plakette war mit der Sonde Hork-Riser am 30. August 2023 im Rahmen des Jubiläumsjahres der Stadt Krefeld in der Stratosphäre in 35 KIlometer Höhe.

Diese Plakette war mit der Sonde Hork-Riser am 30. August 2023 im Rahmen des Jubiläumsjahres der Stadt Krefeld in der Stratosphäre in 35 KIlometer Höhe.

Foto: Stadt Krefeld

Vier Monate zuvor hatten Peter Gronsfeld, Physik- und Erdkunde-Lehrer am Gymnasium Horkesgath, und sein Projektkurs Naturwissenschaften mit den Vorbereitungen für das Weltraumprojekt begonnen. „Wir wollten der Stadt anlässlich des Jubiläums ein besonderes Geschenk mit Außenwirkung machen“, erklärt Gronsfeld. Schon 2022 hatten er und seine Schüler einen Ballon in die Stratosphäre geschickt. Sie ist die zweite Schicht der Erdatmosphäre und liegt zwischen 15 und 50 Kilometern Höhe. Seinerzeit platzte der Ballon zwar außerplanmäßig in 19 Kilometern Höhe, dennoch konnte das Horkesgath-Team wichtige Erfahrungswerte sammeln. Für den Flug im Jubiläumsjahr hatten sich Lehrer und Schüler dann zwei besondere Extras einfallen lassen: Eine Plakette mit dem Schul- und Stadtjubiläumslogo aus dem 3D-Drucker und eine 360-Grad-Kamera würden mit ins All aufsteigen.

Der „HorkRiser“ war ein feingliedriges Konstrukt. Der Ballon aus sensiblem Naturkautschuk zog eine selbst gebaute Sonde in die Höhe. Nur in einer Styroporbox verpackt befanden sich mehrere Messinstrumente, zwei GPS-Peilsender und zwei Kameras. Über einen Stab war außen zudem die 360-Grad-Kamera installiert, um die Rundherum-Bilder für die VR-Ansicht aufzunehmen. Allein den Start hatten Gronsfeld und seine Schüler Dutzende Male geprobt. Überdies testeten sie die Instrumente in Gefriertruhen, lösten Probleme mit Kondenswasser, kalibrierten die Messgeräte und justierten die ideale Ballongasmenge. Damit der Flug überhaupt vom Luftfahrtbundesamt genehmigt wird, durfte das Gespann nicht über 4.000 Gramm wiegen. Am Tag des Starts musste das Projektteam außerdem den Düsseldorfer Flughafen konsultieren.

Mit fünf Metern pro Sekunde stieg der „HorkRiser“ am 30. August 2023 hinauf in die Atmosphäre. War der mit Helium befüllte Ballon beim Start zwischen zwei und drei Metern groß, weitete er sich mit sinkendem Luftdruck auf bis zu 20 Meter aus. Bei exakt 35,5 Kilometern war selbst das flexible Kautschuk-Material überspannt, der Ballon platzte. Diesen Moment hielt die hochauflösende Kamera mit imposanten Aufnahmen fest. Über einen Krefelder Meteorologen landeten die Bilder des aufreißenden Ballons später beim Deutschen Wetterdienst. „Die haben gesagt, dass sie noch nie so scharfe Bilder in diesem Kontext gesehen haben“, erzählt Peter Gronsfeld.

Die Sonde erreichte beim Rückflug zur Erde, der teils einem Rücksturz glich, Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Der selbstaktivierte Fallschirm bremste den „HorkRiser“ erst in niedrigeren Höhen.

Den Landungsort hatten Schüler und Lehrer zuvor mit Hilfe von Wetter- und Winddaten berechnet: Nördlich von Coesfeld sollte der „HorkRiser“ landen. Und tatsächlich setzte er nur wenige Kilometer vom taxierten Ziel entfernt auf. Das Gespann hatte sich im Geäst eines 20 Meter hohen Baums verheddert. Zwei Stunden lang versuchten sich die Krefelder bei strömendem Regen mit der Bergung. Erst mit Teleskopstangen, dann mit Seilen, am Ende kamen sogar örtliche Forst- und Landwirte mit einem Traktor zu Hilfe. Das glückliche Ende: Alle Geräte waren unversehrt, die Daten wie etwa Luftwiderstand, Temperatur oder Windgeschwindigkeiten konnte Peter Gronsfeld mit seinem Projektkurs später in Diagramme übertragen und analysieren.

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