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Krefeld: Historische Unterlagen über Forstwald wurden dem Stadtarchiv übergeben.

Stadtarchiv in Krefeld : Schumacher-Nachlass digital im Stadtarchiv

Historische Unterlagen aus dem Privatbesitz der Nachfahren von Gerhard Schumacher sind von Jürgen Reck digitalisiert und jetzt dem Stadtarchiv übergeben worden. Gerhard Schumacher hatte einst den Forstwald gepflanzt.

Historische Unterlagen, die im Krefelder Stadtarchiv in digitaler Form vorgehalten werden, sind ein rares Gut: Bis jetzt gab es gerade mal 18 Gigabyte digitalisierter Quellen – das ist eine Datenmenge, die sich auf einem kleinen USB-Stick unterbringen lässt. Daher sind die 5,8 Gigabyte Forstwalder Stadtgeschichte, die dem Archiv am Montag übergeben wurden, in doppelter Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen, weil sie – ausschließlich – in digitaler Form vorliegen. Und zum anderen, weil historische Unterlagen aus dem Privatbesitz der Familie Schumacher nun der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Einen „Zugang, der für die Stadtgeschichte von höchster Bedeutung ist“ nennt Stadtarchiv-Chef Olaf Richter die Arbeit von Jürgen Reck. Der Hobby-Heimatkundler, der sich, wie mehrfach berichtet, seit vielen Jahren mit der Geschichte Forstwalds beschäftigt, hatte die privaten Unterlagen der Schumacher-Nachkommen Stück für Stück gesichtet und eingescannt. Die 857 Einzeldateien, sortiert in 84 Ordner, sind somit nun im Stadtarchiv am PC für jedermann einsehbar, auch ein Online-Zugriff soll irgendwann möglich werden, scheitert aber aktuell noch an der technischen Umsetzung beim landesweiten Archivportal NRW.

 Der handschriftlich erstellte Stammbaum ist im Original  rund 150 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter breit. Für das digitale Archiv wurde er abfotografiert und kann nun am Bildschirm vergrößert werden.
Der handschriftlich erstellte Stammbaum ist im Original  rund 150 Zentimeter hoch und 45 Zentimeter breit. Für das digitale Archiv wurde er abfotografiert und kann nun am Bildschirm vergrößert werden. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Dass Jürgen Reck die Unterlagen überhaupt unter seine Fittiche nehmen konnte, ist einem Zufall zu verdanken. Bei einer Führung im Mai 2018 und dem Betrachten der Gemälde im Jagdschloss Linn hatte ein Teilnehmer der Gruppe aus Mönchengladbach zur Verwunderung der Führerin gesagt: „Ich glaube, die gehören alle zur Familie.“ Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um den Ehemann der Schumacher-Nachfahrin Gisela Varzandeh, geborene Schumacher. Die Führerin wusste um Recks Interesse am Forstwald und stellte einen Kontakt her. „Kurze Zeit später war ich bei den Varzandehs eingeladen und mir wurde ein Umzugskarton mit alten Unterlagen präsentiert, den ich auf mein Bitten hin mitnehmen durfte“, erzählt Reck. In monatelanger Arbeit hat er den Inhalt des Kartons gesichtet und eben auch digitalisiert. „Jedes Dokument habe ich direkt auf den Scanner gelegt“, berichtet Reck. Das habe auch den Vorteil, dass man die alten Unterlagen am Bildschirm vergrößern und die Dateien ohne großen Aufwand ordnen kann. Urkunden, Eheverträge, Fotos, Stammbäume, Briefe, Texte von Gedenkreden und vieles mehr fanden sich in dem Karton. „Meine Arbeit ist nicht wissenschaftlich“, betont er. Dennoch ist sie von großem Wert, insbesondere auch für die Schumacher-Nachkommen. Denn Reck hat die Unterlagen nicht nur digital archiviert und Struktur in den Nachlass gebracht, sondern für die Familie Schumacher ein Buch mit rund 200 Seiten erstellt, 50 Exemplare wurden gedruckt. So sind 200 Jahre Familiengeschichte nun wunderbar nachzuvollziehen.

Einige Funde haben Jürgen Reck besonders begeistert. Eine alte Zuckerdose mit Schloss, die Emilie de Greiff Schumacher gehört haben muss, beispielsweise. „Damals war Zucker eine Kostbarkeit, weil wegen der so genannten Kontinentalsperre kein Zucker nach Europa kam. Daher musste man den Zucker sozusagen beschützen, daher  das Schloss“, erklärt er. Die Kontinentalsperre Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Handelsblockade Napoleons gegen den Erzfeind England. Ein anderer Fund ist ein Reisebericht, den Günther Schumacher, Vater von Gisela Varzandeh, in den 30er Jahren verfasst hat. Damals arbeitete er für Bayer in Japan und berichtet von einer abenteuerlichen Besteigung des Vulkans Fuji. „Ich konnte der Familie Neues über die Familie erzählen“, sagt Reck. Die Arbeit habe ihm viel Freude gemacht.

Schönes Nebenprodukt für Geschichtsinteressierte sind nun also die Dateien, die künftig vielleicht auch im Internet einzusehen sind, ohne dass der Weg ins Stadtarchiv nötig ist. Olaf Richter berichtet von Problemen mit der Digitalisierung: „Auf der vom Landesarchiv betriebenen Seite sind momentan offenbar überhaupt keine Digitalisate abrufbar. Das liegt an dem seit über zwei Jahren laufenden und leider problematischen Relaunch.“ Richter berichet:  „Wir hatten probeweise Digitalisate eingestellt oder waren kurz davor, als die Betreuung der Seite gestoppt worden ist.“ Er hofft, dass die Probleme bis Jahresbeginn 2021 behoben werden. „Dann sollte dort das Familienarchiv Schumacher seinen Platz finden. Das setzt aber noch einige Erschließungsarbeit auf unserer Seite voraus.“