Krefeld: Helmfunde liefern Erkenntnisse zur  Bataverschlacht

Völkerschlacht von Gelduba : Helmfunde liefern Erkenntnisse zur  Bataverschlacht

Beim Grabungsabend auf Burg Linn stellten die Archäologen zwei Helme in den Mittelpunkt, die dem Weisenau-Typ zugeordnet werden - diese trugen die Bataver.

Im Stadtteil Linn wurde in festlichem Rahmen der traditionelle Grabungsabend begangen: Sechs Archäologen blickten gemeinsam mit höchst interessierten Laien auf das vergangene Jahr zurück. Jennifer Morscheiser, Direktorin des Museum Burg Linn, begrüßte zunächst die Gäste in der vollbesetzten Museumsscheune: Die ehemalige Museumsleiterin Professor Renate Pirling war aus ihrem Wohnort in Süddeutschland angereist und bekam einen sehr herzlichen Applaus. Sie hatte zu Beginn ihrer Tätigkeit am Museum das Grab des Fürsten Arpvar mit dem Goldhelm gefunden.

Jennifer Morscheiser gab dann einen Rückblick auf die Ausstellungen und Aktionen des vergangenen Jahres und schloss einen Ausblick auf 2019 an. Die erfolgreichen Workshops zum Lightpainting und das „Crossover“, eine Begegnung von Kultur und Sport, werden auch in diesem Jahr wieder aufgelegt. An der Gestaltung des Fürstenraums wird weitergearbeitet, die Ehrenhalle bekommt ein neues Konzept.

Diese Leihgabe aus Worms ist die restaurierte Fassung des Helmes. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Herausragend war 2018 das „Mammutprojekt Grabung“ auf dem Goodmills-Gelände in Gellep. Sehr früh wurde schon ein goldener Kinderring gefunden. Über andere Grabungsfunde berichtete Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter in seinem Vortrag „Die Helme der Schlacht von Gelduba. Ausrüstungsteile der Bataver?“ Es wurden nämlich auf dem Grabungsgelände zwei Helme gefunden, die dem sogenannten Weisenau-Typus zuzuordnen sind. Außerdem sind jetzt über 200 Pferdegräber ausgemacht worden, die einmal mehr bestätigen, dass hier die im Jahre 69 nach Christus die Bataverschlacht stattfand. Sie war ein Aufstand der germanischen Völker gegen die römische Herrschaft. Besonders interessant sind die aufgefundenen eisernen Wangenklappen: „Das sind Schlüsselfunde“, erklärte Schletter, „denn sie sind bis zu fünfmal gefaltet.“ Diese absichtliche Veränderung interpretiert Schletter als kultische Deponierung, also eine Art Opfer für die Götter.

Zum Vergleich haben die Linner Archäologen einen weiteren Helm aus Worms ausgeliehen. Er wurde schon im vorvergangengen Jahrhundert gefunden und nach damaliger Auffassung rekonstruiert. „Unsere Helme“, so Schletter, „haben mehr antike Substanz.“ Die Helme wurden für den Grabungsabend im Sonderausstellungsraum präsentiert, damit das Publikum einen Blick auf die Schätze werfen konnte. In einer der Vitrinen lag auch ein schmales, leicht gebogenes Stück Metall. Dabei handelt es sich um den Stirnschutzbügel eines römischen Helms. Er passt nicht zu den schon aufgefundenen Stücken: „Also können wir von einem dritten Helm ausgehen“, sagte Schletter, der nun seine Forschungen zu diesem Thema fortsetzen wird.

Christoph Reichmann, Vorgänger von Jennifer Morscheiser in der Museumsleitung, setzte sich mit dem Gräberfeld auseinander. In seinem Beitrag „Zur Bevölkerung Geldubas in der Spätantike und frühem Mittelalter“ ordnete er die Gräber bestimmten Bevölkerungsgruppen zu und konnte so neun verschiedene Bereiche benennen. Er zeigte zu jeder Gruppe auch Funde, die die Herkunft der Menschen illustrieren.

Die Archäologen Eric Sponville und Dr. Hans-Peter Schletter stellten einige Funde aus Gelduba vor. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In einer anderen Vitrine zeigten die Linner zehn kleine Metallbeschläge. Mit ihnen beschäftigte sich Eric Sponville in seinem Vortrag „Eine seltene römische Kästchenform aus dem Vicus von Gelduba.“ Eine chemische Analyse ergab das Material: Bronze und Goldmessing. „Die Kantenbleche lieferten die meisten Informationen“, sagte er. Die Aussparungen lassen darauf schließen, dass das Kästchen einen Schiebedeckel besaß, der allerdings furniert gewesen sein muss. Ein Vergleichsbeispiel hat Sponville schließlich in Neuss ausfindig gemacht. Bemerkenswert: Auch das dortige Kästchen wurde zusammen mit einem Delphin gefunden. „Wie der Delphin und die Beschläge zusammenpassen, kann noch nicht beantwortet werden“, sagte Sponville.

„Krefeld-Fischeln – Archäologie unter dem Erdesch“ war das Thema von Horst Husmann, der in Fischeln gegraben hat. Seine Ergebnisse sind spannend: Schon seit der Eisenzeit lebten hier Menschen. Römische, mittelalterliche und neuzeitliche Spuren hat er gefunden und damit Kontinuität in der Besiedlung nachgewiesen. „Wenn hier gebaut wird, wird jede Menge Archäologie auftauchen“, vermutet Husmann. „Da muss unbedingt weiter gegraben werden“, sagte nachdrücklich Jennifer Morscheiser beim geselligen Teil.

In einer gesonderte Vitrine liegen Beschläge eines Holzkästchens aus Bronze und Goldmessing. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Den sechsten Vortrag hielt Annette Paetz gen. Schieck vom Deutschen Textilmuseum. Sie analysierte einen Seidenbesatz aus dem Bestand des Museums, der aus dem 5. bis 7. Jahrhundert stammt. Schlüssig konnte sie nachweisen, dass die persischen Sassaniden im mittleren Ägypten, nämlich in Antinoopolis, orientalisch beeinflusste Reitermäntel trugen. Die kostbaren Exemplare waren rot, wurden aus Kaschmir gewebt und trugen seidene Besätze. Bei dem schönen Stück aus der Sammlung handele es sich genau um so einen Besatz aus vierfarbigem Garn.

Nach diesem vielfältigen Querschnitt durch die Archäologie schauten sich die Besucher die Helme und Beschläge an, bekamen appetitliches Fingerfood gereicht und konnten ihre Fragen und auch ihr Lob an die die Fachleute richten. Man darf auf die weiteren Forschungsergebnisse gespannt sein.