Historische Fotos Krefeld im Quadrat

Krefeld · Annette Burbach macht mit ihrem „Heimatquadrat“ das Krefeld der 50er und 60er Jahre zum Kunstobjekt für Zuhause.

 Annette Burbach hat nach einem Schicksalsschlag sich selber neu erfunden - und dann das „Heimatquadrat“.

Annette Burbach hat nach einem Schicksalsschlag sich selber neu erfunden - und dann das „Heimatquadrat“.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Ein Stück Heimat, ein Stück Krefeld auf zehn Zentimetern im Quadrat: Die Lindentalerin Annette Burbach macht mit ihrem „Heimatquadrat“ das Krefeld der 50er und 60er Jahre zum Kunstobjekt für zuhause. Die schönsten Motive aus dem Nachlass des 2017 verstorbenen Pressefotografen Karl Heinz Lengwenings lässt die Grafikerin auf quadratische Kunststoff-Blöcke drucken. Zusätzlich zu den historischen Fotografien hat Burbach noch viele andere Motive im Angebot. Auch eine Individualisierung der Heimatquadrate mit eigenen Bildern ist möglich.

Denn, so Burbach: „Jeder Mensch verbindet Heimat mit etwas anderem: Für die einen ist die Heimat der Ort, an dem sie ihren Lebensmittelpunkt haben. Für die anderen bedeutet „Heimat“ die Erinnerung an ihre Kindheit. Menschen, Reisen, schöne Erlebnisse oder gute Gedanken – das alles kann Heimat bedeuten.“ Burbach hat Freude an der Interaktion mit ihren Kunden: „Hinter vielen der Krefeld-Motive stecken ganz persönliche Heimat-Erinnerungen“, hat sie erfahren. Beliebte Motive sind das Stadtbad, die Rheinbrücke im Bau, die Grotenburg, das Stadttheater mit parkenden (heute) Oldtimern davor oder der Kult-VW Bulli mit KEV-Beschriftung.

  Die historischen Fotos stammen vom Pressefotografen Karl Heinz Lengwenings. Sein Sohn Peter digitalisiert seinen Nachlass.

Die historischen Fotos stammen vom Pressefotografen Karl Heinz Lengwenings. Sein Sohn Peter digitalisiert seinen Nachlass.

Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Krefelder Fotografin Marsha Glauch hat ebenfalls einige ihrer Fotografien vom Niederrhein zur Verfügung gestellt. Annette Burbach hat dazu passende Texte gestellt, die auch auf ihre eigene Lebensgeschichte anspielen könnten: „Abenteuer beginnen, wo Pläne enden“ oder „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht“ passen zum Bruch in ihrem Leben, der überhaupt erst dazu führte, dass aus Annette Burbach, „Physiotherapeutin und Hobby-Schneiderin mit kleinem Gewerbe“, Annette Burbach, „Grafik-Designerin und Heimatquadrat-Erfinderin“ wurde.

2013 wurde die Mutter von zwei Kindern bei einem Unfall im Haushalt sehr schwer verletzt: Beim Staubsaugen löste sich der Glasschirm einer Lampe, das herunterfallende Glas durchtrennte am ausgestreckten linken Arm die Arterie und den Radialis-Nerv. Burbach schaffte es - während ihre Kinder den Notarzt riefen - sich selber die Arterie abzudrücken und überlebte. Doch der Nerv wurde irreparabel geschädigt, drei Finger der Hand blieben trotz einer Nerventransplantation mehr oder weniger gefühllos. Mitten im Leben mit Anfang Dreißig das Aus für den Beruf als Physiotherapeutin und auch fürs geliebte Hobby Nähen – und gleichzeitig ein Neubeginn, ermöglicht von ihrem Arbeitgeber: „Ich habe damals bei Salvea gearbeitet. Mein Chef, Wolfgang Hoever, hat mir ermöglicht, im Unternehmen zu bleiben und in einer anderen Abteilung neu anzufangen“, erzählt sie. Hoever wusste um die Kreativität der Mitarbeiterin, schlug ihr vor, in die Unternehmenskommunikation zu wechseln und bezahlte ihr ein berufsbegleitendes Fernstudium zur Grafikerin. Heute ist Burbach Leiterin der Marketing-Abteilung der Inoges Holding, Wolfgang Hoever ist dort nach dem Verkauf von Unternehmensanteilen in 2017 Gesellschafter.

Burbachs erster Vorgesetzter und Kollege in der Salvea-Unternehmenskommunikation war Peter Lengwenings, Sohn des Fotografen. Und so fügt sich eins ins andere: Die kreative Lindentalerin stellt fest, dass sie in ihrem Studium viel mehr gelernt hat, als sie im täglichen Beruf anwenden kann und sucht nach weiteren kreativen Optionen, um ihr neues Wissen einzusetzen - und Peter Lengwenings digitalisiert den umfangreichen Foto-Nachlass seines Vaters und stellt die Bilder seiner Ex-Kollegin zur Verfügung.

„Bis zum Heimatquadrat, wie man es heute kaufen kann, war es ein langer Prozess des Ausprobierens und Verwerfens“, erzählt Annette Burbach. Druckversuche auf einer MDF-Platte aus dem Baumarkt ergaben nicht das gewünschte Resultat, das anschließende Aussägen der Quadrate erwies sich als zu unpräzise. „Die Quadrate mussten leichter und heller werden, schließlich habe ich eine Druckerei gefunden, die auf weißem, recycelten Kunststoff druckt“, erzählt die Lindentalerin. Das Loch auf der Rückseite bohrt sie selbst, die Quadrate lassen sich aufhängen, hinstellen oder mit vier mitgelieferten Klebepunkten fixieren. Seit kurzem gibt es die rund 200 Motive auch im Online-Shop, Kunden können gegen Aufpreis von einem Euro auch ihre eigenen Fotos aufs Quadrat drucken lassen.

In dieser Woche sind die Heimatquadrate noch bis zum 23. Dezember wieder auf dem Weihnachtsmarkt „Made in Krefeld special“ zu erwerben. Mehr Infos unter „www.heimatquadrat.de“.

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