Krefeld: Haus Mormels bietet nach fast 100 Jahren nur noch Bedarfsgastronomie.

Krefeld-Bockum : Abschied auf Raten von Haus Mormels

Im Jahr 1920 eröffnete das Haus Mormels. Knapp 100 Jahre später schließt das bei Stammgästen und Vereinen beliebte Restaurant.

Es ist eine der ganz alten und traditionsreichen Gaststätten Krefelds: Das Haus Mormels in Bockum. Das Haus blickt auf eine viele jahrzehntealte Geschichte zurück. Doch nun ist Schluss. Seit dem Sommer ist die Gaststätte im regulären Betrieb geschlossen. Die weit über den Stadtteil hinaus geschätzte Küche ist nicht mehr besetzt. Ganz müssen sich die Bockumer von „ihrem“ Haus Mormels aber nicht verabschieden, denn zunächst wollen die Eigentümer Hans und Gabi Mormels noch als „Bedarfsgastronomie“ weiter machen.

„Wir sind jetzt beide im Rentenalter. Ich bin gerade 65 Jahre alt geworden, mein Mann ist 66. Da können wir nicht mehr von morgens bis abends im Laden stehen. Wir haben versucht, einen Nachfolger zu finden, aber das war leider ergebnislos“, sagt Gabi Mormels. Immerhin war die Gaststätte ein großer Teil ihres Lebens. Die Vorfahren ihres Mannes waren kurz nach dem ersten Weltkrieg nach Krefeld gekommen, hatten das Haus erworben und die Gaststätte eröffnet. „Damals gab es noch keine richtigen sanitären Einrichtungen und kein fließendes Wasser“, erzählt die Gastronomin.

Das änderte sich erst nach dem zweiten Weltkrieg, den das Gebäude wie durch ein Wunder unbeschadet überstand. „Nach dem Krieg baute die Familie meines Mannes das Haus aus. Mein Schwiegervater hatte ein Bauunternehmen, und er hat das Haus zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Mormels.

Gesundheitliche Gründen spielten bei der Reduzierung des gastronomischen Angebots eine Rolle — aber nur zum Teil. „Eigentlich wollten wir zumindest bis 2020 weiter machen. Dann hätte es das Haus 100 Jahre gegeben. Aber wir wollten unseren tollen Köchen die Chance geben, auch noch neue Jobs zu finden. Das ist ab einem gewissen Alter ja nicht so einfach. Sie hatten jetzt die Chance, und es hat geklappt“, erklärt Mormels ihre schwere Entscheidung.

Auch wenn die Gaststätte noch für einzelne Veranstaltungen öffnet, ein großes Stück Bockumer Tradition geht verloren. Früher gaben sich hier Vereine vom Bayer-Orchester über Sängerbund bis hin zu mehreren Sportvereinen die Klinke in die Hand. Ob Kolping Familie, die Radrennfahrer „Hennes“ Junkermann und Rudi Altig oder Gäste aus dem Umland, sie alle waren bei Mormels.

„Als wir 1981 geheiratet haben, sagte der Pfarrer: ‚Alles, was wir hier feiern, wird bei Mormels fortgesetzt’. Das war auch wirklich so. Viele Stammgäste haben buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre alles bei uns gefeiert“, sagt die Wirtin. Heute gebe es das nicht mehr. „Die jungen Leute suchen Events. Gutes Essen allein reicht nicht mehr. Darum haben wir keinen Nachfolger gefunden.“ Wie lange es noch Beerdigungscafés oder Eigentümerversammlungen bei Mormels geben wird, steht noch nicht fest. Das traditionelle Gänseessen oder der Fisch an Aschermittwoch sind aber Geschichte.

„Wir haben uns bei der Schließung von allen Stammgästen verabschiedet. Für die Vereine gab es eine Runde, Stammgäste bekamen das letzte Essen gratis. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt“, sagt die Chefin. Wehmut ist zu spüren. Fast 40 Jahren war die 65-Jährige als Wirtin mitverantwortlich. Nun wartet ein ruhigerer Lebensabschnitt auf sie. Doch Gabi Mormels wird den Trubel vermissen.

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