Geschichte der Textilstadt Haus der Seidenkultur feiert Geburtstag mit zwei Ehrungen

Krefeld · Seit zehn Jahren gibt es das kleine Museum. Bei einer Feierstunde würdigte Oberbürgermeister Frank Meyer nun das Engagement der Ehrenamtler und den Vereinsgründer Hansgeorg Hauser.

Oberbürgermeister Frank Meyer (l.) mit dem geehrten Vereinsgründer Hansgeorg Hauser.

Oberbürgermeister Frank Meyer (l.) mit dem geehrten Vereinsgründer Hansgeorg Hauser.

Foto: Dirk Jochmann

Gleich dreifachen Grund zum Feiern hatte jetzt das Haus der Seidenkultur: Da wäre zum einen der zehnte Geburtstag als Museum, dazu eine städtische Ehrung für die Weber, die in dem Hause tätig sind, und dann noch die Verleihung der Stadtehrenplakette an Vereinsgründer Hansgeorg Hauser. Diese bekam er nun bei einer Feierstunde in der Friedenskirche überreicht.

„Sie, lieber Herr Hauser, waren von Anfang an das Herz und die Seele dieses Museums – und gleichzeitig der strategische Kopf“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Ansprache. Neben Offenheit, Neugier und Experimentierfreude habe Hauser auch die Erfahrung und das Geschick eines über Jahrzehnte erfolgreichen Unternehmers in sein kulturelles Engagement eingebracht, so Meyer weiter. „Als unermüdlicher Antreiber haben Sie maßgeblich dazu beigetragen, dass wir heute dieses Jubiläum feiern können.“

Ein Museum in einer alten Paramentenweberei

Das Haus der Seidenkultur wurde um die Jahrtausendwende in der ehemaligen Paramentenweberei Hubert Gotzes an der Luisenstraße eingerichtet. Nachdem die Kulturstiftung NRW und die Sparkassenstiftung Krefeld die Immobilie erworben hatten, kümmerte sich ein Förderverein unter Hansgeorg Hausers Führung um den Umbau in ein Museum. Im Jahr 2014 war die umfangreiche Sanierung, unter anderem in puncto Brandschutz, abgeschlossen. Im Erdgeschoss wurden Ausstellungsräume eingerichtet, im Obergeschoss blieb ein authentischer Websaal mit acht Jacquard-Handwebstühlen erhalten, der besichtigt werden kann.

„Ein prägender Ort für die Stadtgeschichte“

„Wer wissen möchte, wie die Textilstadt Krefeld noch vor 100 Jahren wirklich klang und roch, rüttelte und klapperte, der muss den Websaal im Haus der Seidenkultur besuchen, in einer Seitenstraße, zum Hinterhof hinaus gelegen“, erklärte Frank Meyer in seiner Rede. „Dieses kleine, ehrenamtlich geführte Museum ist ein prägender Ort für unsere Stadtgeschichte: Es hält die Erinnerung wach an jenes Krefeld, das vor 100 oder 200 Jahren existierte. Es gab eine Zeit, da kam hier auf jeden Haushalt ein Webstuhl – die Stadt war bevölkert von Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit der Produktion und dem Verkauf von Textilien bestritten“, so Meyer weiter. Die ursprüngliche Textilindustrie sei weitgehend verschwunden, aber an der Luisenstraße habe sie in musealer Form die Zeiten überstanden, und zwar durch ein ehrenamtliches Engagement, das absolut außergewöhnlich sei.

Lob für die Ehrenamtlichen

Stellvertretend für die zahlreichen ehrenamtlich tätigen Menschen, die das Haus unterstützen, erhielten die neun aktiven Weber und Patroneure eine Urkunde der Stadt Krefeld. „Viele dieser Handwerkerinnen und Handwerker haben ihr 80. Lebensjahr überschritten: Sie haben die goldenen Zeiten der Krefelder Textilindustrie zum Teil noch selbst miterlebt. Und sie mussten auch den schmerzlichen Niedergang ihrer Betriebe verkraften, sie waren Zeuginnen und Zeugen, wie eine Ära zu Ende ging“, so der Oberbürgermeister.

Ehrung für Hansgeorg Hauser

Zum Abschluss überreichte Frank Meyer dem Kulturförderer Hansgeorg Hauser die Stadtehrenplakette, die ihm der Stadtrat zuvor zuerkannt hatte. Bereits 2012 hatte Hauser das Stadtsiegel erhalten, 2022 den Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland. Die Stadtehrenplakette erhielt er nun für seine Verdienste um das Ansehen der Stadt Krefeld und das Wohl der Bürgerinnen und Bürger. Oberbürgermeister Frank Meyer nannte etwa Hausers Engagement für das Theater am Marienplatz, den Zoo, die Gemeinde St. Stephan und den Verein Kunst in Krefeld.

(lai)