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Krefeld Handbuch hilft Pädagogen Zeichen sexueller Gewalt zu erkennen

Jugendschutz in Krefeld : Wenn Kinder misshandelt werden

Ein neues Handbuch für Erzieherinnen, Institutionen und Vereine klärt über die Anzeichen auf: „Wichtig ist es, nicht zu fragen, sondern zuzuhören“, sagt Gülay Kaya-Smajgert von der Jugendgerichtshilfe.

Es zählt zu den schlimmsten und im negativen Sinne prägendsten Erfahrungen, die ein junger Mensch machen kann: Opfer von sexualisierter Gewalt, landläufig als Kindesmissbrauch bezeichnet, zu werden. Die psychischen Folgen bleiben meist ein Leben lang. Die Stadt Krefeld hat im Kampf gegen diese Verbrechen nun ein Handbuch für Pädagogen, aber auch für Ehrenamtler in Sportvereinen und ähnlichen Institutionen herausgegeben. „Das Handbuch richtet sich nicht an Eltern oder Familienangehörige, sondern tatsächlich an Vereine und Institutionen und soll Ansätze bieten, Opfer zu erkennen, aber auch Prävention zu betreiben“, erläutert Gülay Kaya-Smajgert. Sie zeichnet für den Inhalt hauptverantwortlich.

Zwei Jahre dauerte es von der ersten Idee bis zu Umsetzung. „Es steckt extrem viel Arbeit in diesem Buch, aber ich denke, das Ergebnis ist sehr gut geworden“, sagt die Fachbereichsleiterin der Jugendgerichtshilfe. Das Werk ist in drei Kapitel unterteilt: Grundlagen, Prävention und Intervention. Es soll Betreuern, Erziehern, Trainern oder Mitarbeitern der Jugendarbeit nicht nur Handlungsempfehlungen geben. „Es enthält auch Adressen, Ansprechpartner und Ratschläge für das Vorgehen, wenn man den Verdacht hat, dass ein Kind Opfer sexualisierter Gewalt wird“, erläutert der für das Jugenddezernat verantwortliche Stadtdirektor Markus Schön.

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Das Problem wird übrigens durch verstärkte Investition in die Arbeit der Polizei in diesem Bereich zunehmend sichtbar. „Wir sehen in vielen Bereichen deutliche Steigerungsraten in der Statistik. Zum Beispiel 56 Prozent Zunahme bei der Jugendpornografie. Das hört sich dramatisch an, ist aber eigentlich eine gute Nachricht, denn es zeigt, dass die Aufklärungsquote deutlich ansteigt. Wir bekommen langsam zumindest einen Überblick über den wahren Umfang des Problems“, sagt Silke Wintersig, Leiterin der Abteilung Jugend bei der Stadt Krefeld.

Umso wichtiger sei es, einerseits bei erkannten Fällen professionelle Hilfe zu bieten, andererseits aber auch, künftig die Fallzahlen durch Prävention zu senken. Was aber können eine Erzieherin oder ein Erzieher tun? „Wichtig ist vor allem: zuhören. Wenn ein Kind zum Beispiel erzählt, dass es beim Wasser lassen juckt und der Vater, Onkel oder Nachbar immer nachguckt, dann gilt es, aufmerksam zu sein. Wichtig ist: Keine Fragen stellen, vor allem keine Suggestivfragen. Zuhören und das Gesagte möglichst wörtlich dokumentieren“, rät Kaya-Smajgert, die noch vor gut zwei Jahren in der praktischen Jugendarbeit aktiv war.

„Was wir aber vor allem erreichen wollen ist, dass mehr über das Thema gesprochen wird. Es ist ein Thema, das leider all zu oft totgeschwiegen wird. Es fällt uns allen schwer, darüber zu reden, das muss sich ändern“, sagt Schön. Auch dafür soll das neue 121-Seiten-Handbuch Hilfe bieten und dazu beitragen, Kinder zu schützen.