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Krefeld: Grüne Posse um Kämmerer-Wiederwahl

Analyse Ratspolitik : Grüne Posse um  Cyprian-Wiederwahl

Die Grünen haben sich bei der Wiederwahl von Kämmerer UIrich Cyprian mit einer Begründung enthalten, für die sie Hohn und Spott ernteten.

Es war der Tag, an dem der Oberbürgermeister die Grünen mit einem Schleier aus Ironie überzog: Zur Überraschung des Rates haben die Grünen sich bei der politisch eigentlich unumstrittenen Wiederwahl von Stadtkämmerer Ulrich Cyprian enthalten. Mit einer Begründung, die, gelinde gesagt, wenig nachvollziehbar war. Die Grünen fühlten sich quasi überrumpelt; Cyprian, erläuterte Grünen-Ratsherr Thorsten Hansen, habe sich vor der Wahl nicht der Fraktion gestellt und über seine Zukunftspläne berichtet; dies wertete er als eine für die Grünen entscheidende Stilfrage. Die Fraktion erntete dafür Hohn und Spott, der delikat vorgetragen war, aber eben Hohn und Spott blieb. Zugleich ist das Verhalten ein Beispiel dafür, wie Ratssitzungen mit Nichtigkeiten in die Länge gezogen werden.

Oberbürgermeister Frank Meyer erwiderte die Grünen-Kritik an Cyprian mit dem Hinweis, seit acht Jahren stehe fest, dass Cyprian in diesem Herbst zur Wiederwahl anstehen würde; der Termin sei „nicht vom Himmel gefallen“. Unverständnis auch bei CDU-Fraktionschef Philibert Reuters und seinem FDP-Kollegen Joachim Heitmann. „Sie kennen Herrn Cyprian seit acht Haushaltsberatungen“, sagte Reuters – warum man dann noch eine Vorstellungsrunde braucht, war dem CDU-Mann schleierhaft. Auch Heitmann äußerte sich in dieser Richtung; zugleich war seine Begründung, warum die FDP Cyprians Wiederwahl mitträgt, indirekt eine Standpauke für die papierene Begründung der Grünen, Cyprian die Zustimmung zu verweigern. Man sei nicht immer einer Meinung mit Cyprian gewesen und werde auch ganz sicher in Zukunft nicht immer einer Meinung mit ihm sein, erläuterte Heitmann, aber Cyprian habe die FDP-Frakion immer fair informiert; das sei nicht bei allen Dezernenten so. Damit bescheinigten die Liberalen dem Kämmerer gerade das, was die Grünen vermissten: eine tadellose Kommunikation auch bei inhaltlichen Differenzen.

Auch Frank Meyer setzte seiner Erst-Bemerkung, die wie ein sanfter Schlag hinter die Löffel wirkte, noch ein Klaps auf den Hinterkopf hinterher: Die Grünen bräuchten offenbar die „politische Krücke“ der angeblichen Überraschung, um Cyprian zu rüffeln – woraufhin Hansen sich beeilte zu sagen, dies sei keine Krücke. Aber was war es dann?

Eine schlüssige Erklärung blieben die Grünen letztlich schuldig. Hätte Cyprian nach acht Jahren intensiver Zusammenarbeit auf die Fraktion zugehen und sich „vorstellen“ sollen? Was blieb, war der Eindruck grüner Weinerlichkeit und ein Missklang zum Auftakt der zweiten Amtsperiode von Cyprian, der freilich substanzlos war. Die Fraktion vermied ja auch den Eklat und stimmte nicht gegen Cyprian. Enthaltung ist das Instrument, mit dem Ratsmitglieder alles zugleich sein dürfen: ein bisschen dafür, ein bisschen dagegen und ein bisschen lieb. Es gab nachher selbst aus den Reihen der Grünen Stimmen, denen die ganze Vorstellung etwas peinlich war.

Es gab mal eine Zeit, in der die Grünen unter Stefani Mälzer und Rolf Rundmund kühle Machtpolitik in Krefeld gemacht und dabei auch mit der CDU Haushalte sowie Entscheidungen wie die Personalie Martin Linne als neuem Planungsdezernenten durchgesetzt haben. Im Moment machen die Grünen den Eindruck, als wollten sie nur spielen. Und einer ruft immer: Der tut nix.

(vo)