1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Grillfest mit Ukrainern auf der Dachterrasse​

Haseanum Krefeld : Grillfest mit Ukrainern auf der Dachterrasse

Lions Club Gelduba hilft: Kriegsflüchtlinge werden mit offenen Armen im Hanseanum empfangen. Neben Austausch und Gesprächen brachten die Gäste aus Osteuropa ihre kulinarische Kultur mit auf den Speiseteller.

Integration war immer schon eine der Stärken der Senioreneinrichtung Hanseanum. Dass sich mittlerweile sieben Familien aus der Ukraine in dem Krefelder Haus wohlfühlen, hängt auch mit dem Engagement des Lions Clubs zusammen. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, diesen vor dem fürchterlichen Krieg geflüchteten Menschen zu helfen und ihnen eine menschenwürdige Unterkunft zu geben“, sagt Albrecht Pick. Der 86-Jährige ist nicht nur Bewohner des Hansea­num, sondern auch langjähriges Mitglied des Krefelder Lions Clubs Gelduba.

Dieser 1974 gegründete und als gemeinnützig anerkannte Service-Club hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in beson­deren Notlagen zu helfen. Das geschieht im Fall Hanse­anum nicht nur in Form von finanzieller Unterstützung, sondern auch mit Sachspenden jeglicher Art. „Kleidung, Spielsachen für die Kinder, Kochplatten, Lebensmittel, Schuhe, Mobiliar – einfach alles, was Kriegsflüchtlinge benötigen, die mit nichts als dem nackten Leben bei uns angekommen sind“, beschreibt der frühere Krefelder Krawattenfabrikant die Situation. Albrecht Pick hat auch deshalb eine besondere Beziehung zum Hanseanum, weil er die positive Entwicklung dieser Senioren-Einrichtung von Anfang an mitbekommen hat. „Ich erinnere mich noch gut, als 1985 das Hansa-Centrum als Erweiterung des 1913 errichteten denkmalgeschützen Hansa-Hauses eröffnet wurde. Das Hanseanum ist seitdem so etwas wie das Herz des Hansa-Centrums“, sagt der 1935er-Jahrgang.

  • Die ukrainischen Gäste vor dem Bild
    Hoffnung in Neuss : Flüchtlinge aus der Ukraine schöpfen Hoffnung in der Hanse-Galerie
  • Das von einem russischen Angriff zerstörte
    Russlands Invasion : Ukrainische Truppen im Osten unter Druck - Die Nacht im Überblick
  • Ukraine-Newsblog : Stadt Slowjansk steht unter massivem Beschuss

Als Signal, wie willkommen die mittlerweile 29 Kriegs­flüchtlinge aus der Ukraine sind, hat das Hanseanum-Team mit Unterstützung des Lions Clubs ein Grillfest auf der riesigen Dachterrasse organisiert. Neben Austausch und Gesprächen brachten die Gäste aus Osteuropa ihre kulinarische Kultur mit auf den Speiseteller. Gamlet Var­danyan beispielsweise, der bis zum russischen Einmarsch in der Ukraine ein Restaurant betrieben hat, versorgt die Gäste mit Schaschlik. Während seine Frau Susana Aslikian die feurigen Spieße mit schmackhaften Salaten aus ihrer armenischen Heimat in der Runde verteilt, spielt Toch­ter Krystyna Vardanyan mit dem Dolmetscher Narek am Klavier - teilweise vierhändig. Narek, Freund der Familie, singt dazu melancholische Volkslieder. „Es ist faszinierend zu erleben, wie toll sich diese Familie ins Hanseanumleben einbringt“, sagt Residenzleiterin Bettina Obler.  Sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal ist das Miteinander herzlich und aufgeschlossen. „Mittlerweile lachen wir auch gemeinsam“, so Hannelore Hesse, so etwas wie die „gute Seele“ des Hanseanum. Das gelb-blaue Ukraine-Herz auf der Brust trägt sie wie viele andere bei der Barbecue-Party aus Überzeugung.

Die Grundlage, die Kriegsflüchtlinge mit offenem Herzen und einer soliden Infrastruktur in der Seniorenresidenz zu empfangen, hat die Trägergesellschaft SWB geschaffen. Die SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH hat mit Beginn des russischen Überfalls eine Stiftung ins Leben gerufen mit dem Ziel, den ukrainischen Flüchtlingen nicht nur in Krefeld zu helfen, sondern auch in allen weiteren zwei Dutzend Häusern in Deutschland. Insbesondere Frau­en, Kinder, Senioren und Gehandicapte stehen im Fokus. „Unsere humanitäre Hilfe ist selbstverständlich, zumal wir räumlich die Möglichkeiten haben und es unserem sozi­al-caritativen Auftrag entspricht, in diesem grausamen Krieg unsere helfende Hand zu reichen“, betont SWB-Chef Hubertus Seidler, der oft in Krefeld vorbeischaut und sich an der Entwicklung erfreut.