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Krefeld: Glockenspitz-Kolleg startet innovatives Praktikum

Aus der Krefelder Schullandschaft : Kunst statt Praktikum am Glockenspitz-Kolleg

Da wegen der Pandemie fast alle Berufspraktika ausfallen mussten, bot das Team des Berufskollegs Glockenspitz seinen Schülern, die die Ausbildung zum „Gestaltungstechnischen Assistenten“ machen, kurzerhand ein internes Praktikum an.

Neue Wege sind ungewohnt und man weiß auch nicht immer, wo genau sie hinführen werden. So ist es auch dem Team des Berufskollegs (BK) Glockenspitz gegangen. Zum ersten Mal bietet die Schule für Schüler, die sich in der Ausbildung zum „Gestaltungstechnischen Assistenten Schwerpunkt Grafik /Medien“ befinden, ein internes Praktikum an. Ob es jedoch als Ersatz für das eigentlich aktuell anstehende außerschulische Praktikum anerkannt werden wird, muss sich noch entscheiden. Die Lehrer jedoch sind angesichts der kreativen Ergebnisse ihrer Schüler schon jetzt überzeugt von ihrem Projekt.

Gero Höhne zeigt eng umschlungene Tango-Tänzer mit Maske. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Idee dazu hatte Lehrerin Marayle Köpper. Als wegen Corona immer mehr Praktika-Plätze in den Fachbetrieben abgesagt wurden, überlegte sie, wie man die Schüler anders herausfordern könnte und entwickelte mit Kollegen aus der Abteilung „Gestaltung“ ein innovatives Konzept. Herauskam ein schulinternes Praktikum unter dem Motto  „Neue Wege zum Selbst entdecken – Corona macht es möglich“. Marayle Köpper erklärt: „Das Besondere und für die Schüler Ungewohnte war das freie Arbeiten. Sie mussten selbst Ideen entwickeln, wie sie das Thema umsetzen wollen. Normalerweise bekommen sie Vorgaben, an denen sie sich orientieren.“ Drei Wochen hatten sie für die Entwicklung und Umsetzung ihrer Ideen Zeit. „Ich finde es toll, dass sie die Herausforderung angenommen und gemeistert haben. Schließlich war alles freiwillig“, sagt Köpper.

Farbenfroh sind die Arbeiten von Loubna Salman. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Unterstützt wurde sie von Martin Moll, der derzeit sein Praxissemester am BK Glockenspitz absolviert. „Es war auch für mich etwas Beonderes, dieses Projekt zu begleiten. Wir wollten, dass die Schüler Erfahrungen sammeln, die sie auch in der Praxis gebrauchen können.“ So mussten sich die jungen Leute auch emotional auf das Thema einlassen, herausfiltern, wie die Corona-Regeln  das gesellschaftliche Miteinander beeinflussen, überlegen, wie die Situation auf die eigene Persönlichkeit wirkt und was Politik dazu sagt.

Paula Rzezniczek hat ein giftgelbes Virus gestaltet. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In einer Ausstellung präsentierten die Schüler nun ihre Ergebnisse. Beim Gang an den Kunstwerken vorbei wird klar: Das Virus ist ein Monster, hat mal spitze Zähne und Flügel wie ein Blutsauger, ist dann wieder grellgelb oder giftgrün wie eine Unterwasser-Kreatur, aber wirkt immer irgendwie bedrohlich. „Meine Werke haben kaum Farbe, weil die Lage ernst ist. Ich fand es am Anfang schwer, eine Idee zu finden. Das war ungewohnt. Später ging es aber gut“, sagt Antonio (18). Loubna (21) hat besonders viel Farbe eingesetzt. Ihr Masken-Modell orientiert sich an historischen afrikanischen Masken. Außergewöhnlich ist die Maske von Gero (18). Sie sieht aus wie eine Pestmaske aus dem Mittelalter. „Die trug der Pestdoktor, um andere vor der ansteckenden Krankheit zu warnen, die er vielleicht in sich trägt. Sie hat eine Art Schnabel vorne. Ich habe sie mit modernen Luftfiltern kombiniert.“

Paula (18) hat in einem Werk Zeitungsausschnitte gesammelt, um die politischen Aussagen zu Corona zu dokumentieren und sie als Kollage angeordnet. „In einer anderen Kollage habe ich Emotionen zu dem Thema aufgeschrieben und dann beides gegenüber gestellt“, beschreibt sie ihre Arbeiten.

Anregungen holte sich das Schul-Team bei der Ausarbeitung der Idee auch aus der Zeitung und verfolgte interessiert die Berichterstattung über Kunst und Corona. „Solche Aktionen zeichnen Schule aus und bringen Schüler weiter. Es ist wichtig, dass dafür Raum bleibt, denn die Erfahrungen, die Schüler bei solchen Projekten machen, nehmen sie mit durchs Leben“, sagt Schulleiter Sven Mundry.

Gezeigt wurde an diesem Vormittag aber nicht nur gestalterische Kunst. Auch die Schüler aus dem Bereich „Medien“ waren in den vergangenen Wochen aktiv und hatten Sketche zu dem Thema filmisch aufbereitet. Lehrerin Sabine Müller ist begeistert von den Ergebnissen. „Heute werden auch die anderen Schüler die so entstandenen Filme sehen können. Mir hat das, was ich bisher sehen durfte, jedenfalls sehr gut gefallen.“