Krefeld: Gerd Jansen Schule fördert erfolgreich seit 54 Jahren.

Schulpolitik : Förderschulen wehren sich gegen Image

Förderschulen werden geschlossen, Inklusion großgeschrieben. An der Gerd-Jansen-Schule ist man überzeugt davon, dass besondere Schulen gebraucht werden, weil sie ihren Schülern bessere Unterstützung geben als Regelschulen.

Es ist paradox: Was sich Eltern vieler Schulkindern wünschen, finden sie dort, wo sie ihr Kind nur äußerst  ungern hinschicken: an einer Förderschule. „Förderschulen haben ein Imageproblem“, sagt Sabine Keller, Konrektorin der LVR-Gerd-Jansen-Schule in Traar. Zu Unrecht, wie sie findet. „Wir können Kindern vielfältige Unterstützung bieten, die es in dieser Form an Regelschulen einfach nicht gibt.“

Das fängt schon bei der Klassengröße an. Maximal 13 Kinder werden in Traar zusammen unterrichtet. Immer sind vormittags zwei Lehrer vor Ort, im Idealfall unterstützt von einem Helfer. „Auf diese Weise können wir die Kinder ganz individuell in Kleinstgruppen fördern.

Erfolge stellen sich dann meist schnell ein“, weiß die Pädagogin, die seit 17 Jahren die Schule stellvertretend leitet und seit 29 Jahren am Luiter Weg unterrichtet.

Ein Beispiel, das es so auch an vielen Regelschulen gibt: Unterricht mit Schülern mit wenig bis keinen Deutschkenntnissen. „Ich habe die drei Kinder zur Seite genommen und mit ihnen geübt. Wir haben Lernmaterial, mit dem wir spielerisch den Wortschatz erweitern. Es hat nicht lange gedauert, da konnten die Schüler die ersten deutschen Wörter. Inzwischen, ein Jahr später, können sie ganz normal dem Unterricht folgen“, erzählt Sabine Keller.

Entscheidend für den Erfolg ist ihrer Meinung nach die personelle Ausstattung einer Schule. Eine erfolgreiche Inklusion sei an den vielfach unter chronischem Lehrermangel leidenden Regelschulen deshalb schwierig, häufig sogar unmöglich. „Wie soll das bei 30 Kindern in der Klasse funktionieren? Da muss so manches auf der Strecke bleiben, auch wenn die Kollegen noch so motiviert sind“, sagt Keller. Einige Schwierigkeiten jedoch könnten leicht durch eine veränderte Herangehensweise behoben werden, ist sie überzeugt, und bedauert, dass die Kompetenz der Sonderpädagogen nicht stärker genutzt wird, um Lösungen für Inklusions-Probleme zu finden. „Ich habe bereits vor Jahren Kollegen aus dem Grundschulbereich angeboten, an unserer Schule zu hospitieren. Gekommen ist keiner. Erst jetzt wird es einen fachlichen Austausch geben.“

Die Ausstattung der Gerd-Jansen-Schule ist beeindruckend. Für die 230 Schüler sind immer eine Ergo- und eine Physiotherapeutin vor Ort. Ein Logopäde hat eine Praxis im Haus und bietet regelmäßig Sprechstunden an. 60 Lehrerstellen sind eingerichtet, es gibt zwei Hausmeister und zwei Sekretärinnen. Keller: „Das sind Annehmlichkeiten, die sich im Schulalltag positiv bemerkbar machen, beispielsweise wenn sich ein Kind im Unterricht schlecht konzentrieren kann und die Ergotherapeutin kurz vorbeischaut, eine Einschätzung abgibt und der Schüler dann an eine für ihn günstigere Position umgesetzt wird.“

Die stellvertretende Schulleiterin ist überzeugt, dass eine solch intensive Betreuung eigentlich noch weit mehr Kinder brauchen würden, gerade auch diejenigen, die zu Hause aus den verschiedensten Gründen wenig Aufmerksamkeit erfahren und in Regelschulen oft negativ auffallen, weil sie den Unterricht stören.

Trotzdem schrecken noch immer Eltern davor zurück, ihr Kind an einer Förderschule anzumelden. „Sie sehen nicht die Möglichkeiten, sondern haben Angst davor, dass ihr Kind dann stigmatisiert ist.“

Dabei, so Keller, sei immer ein Übergang an eine Regelschule möglich. Jährlich werde über die Entwicklung jedes Kindes  gesprochen und der Förderbedarf neu festgelegt. Den Hauptschulabschluss können Schüler aber auch an der Gerd-Jansen-Schule machen.

„Wichtig ist, dass Eltern die Fähigkeiten ihrer Kinder realistisch einschätzen. Was hilft es den Schülern, wenn sie zwar eine Regelschule besuchen, dort aber mit ihren Problemen untergehen oder keinen Anschluss finden“, warnt die Pädagogin und hofft, dass die Gerd-Jansen-Schule auch in Zukunft ihre wichtige Arbeit allen Trends zum Trotz  fortsetzen kann.

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