Krefeld: Gemeinschaftstheater setzt Förderprogramm des Landes NRW für Nachwuchstalente um

Förderprogramm des Landes NRW : Stadttheater schlägt „Neue Wege“ ein

Das Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach fördert in den kommenden drei Jahren gezielt Nachwuchstalente. Damit wird ein Förderprogramm des Kultusministeriums NRW umgesetzt.

Das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hat ein Förderprogramm für Theater in der Region aufgelegt, in dessen Genuss nun das Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach kommt: Mit allen Sparten gemeinsam beschreitet man ab jetzt „Neue Wege“. In den beiden Häusern werden mit diesem Programm Nachwuchstalente engagiert und gefördert: Vier Orchestermusiker, zwei Tänzer, ein Schauspieler, vier Sänger und ein Repetitor werden von nun an Erfahrungen auf der Bühne, im Orchestergraben und im Ensemble sammeln. Das Besondere an dieser Förderung ist die Einbeziehung aller künstlerischen Bereiche des Theaters. „Das Spartenübergreifende ist das Novum“, sagt Intendant Michael Grosse, „es ist nach meiner Kenntnis sogar ein Alleinstellungsmerkmal.“

Ziel des Förderprogramms: „Die Mittel fördern die Stärkung und Ausbildung von besonderen Profilen und künstlerischer Qualität“, heisst es in Düsseldorf. Für die erstmalige Ausschreibung hat es 31 Bewerbungen gegeben, 15 Projekte wurden bewilligt. Für das Stadttheater bedeutet dies eine Finanzierung von ca. 700.000 Euro für die kommenden drei Jahre. „Damit können wir die zwölf jungen Leute aus neun Nationen nach Tarif bezahlen“, sagt Grosse. Ca. 300.000 Euro muss das Theater über Sponsoren, Mäzene, mit Dritt- und Eigenmitteln aufbringen. „Unser Konzept wurde befürwortet, da es die Erfolgsgeschichte unseres Opernstudios mit einbindet“, vermutet Grosse.

Dafür zeichnet Opernmusikdirektor Andreas Wendholz verantwortlich. Es läuft in diesem Jahr in der achten Saison – in Kooperation mit den Musikhochschulen in Düsseldorf und in Köln. Genau wie das Opernstudio sollen auch die „Neuen Wege“ eine Schnittstelle zwischen Ausbildung und Beruf bilden: „Wir wollen die jungen Leute behutsam heranführen und bei der Karrierplanung begleiten“, sagt Andreas Wendholz.

Angefangen hat das junge Dutzend schon mit einem Körpertraining, berichtet Musikdramaturgin Ulrike Aistleitner, die das Projekt leitet. „Wir wollen Menschen aus vier Sparten und neun Nationen zu Gemeinsamkeiten zusammenführen.“ Bewegung, Workshops, Gesellschaftstanz, kulinarische Angebote, Deutschkurse, Meisterkurse mit erfolgreichen Sängern, Sprecherziehung sind nur ein paar der Stichpunkte: Die „Neuen Wege“ in Krefeld und Mönchengladbach müssen jetzt mit Inhalten gefüllt werden. Bis zum Ende der Spielzeit 2019/2020 soll ein spartenübergreifendes Projekt gemeinsam entwickelt werden: „Es soll auf die zwölf jungen Leute zurecht geschnitten sein“, sagt Aistleitner.

Die Musiker haben alle ein Orchestermitglied als Mentor; die jungen Stimmen werden von erfahrenen Sängern unter ihre Fittiche genommen.

Über erste praktische Erfahrungen können zwei junge Frauen schon berichten. Die Sängerin Maya Blaustein aus Israel und die Cellistin Inka Jans aus Krefeld-Bockum haben schon an den Proben zu der Oper „Salomé“ von Richard Strauss teilgenommen. Für beide Neuland – sowohl inhaltlich wie praktisch: „Das ist das Beste, was uns passieren konnte – ich bin sehr glücklich und fühle mich wie in einer kleinen Familie“, sagt Maya Blaustein. Inka Jans ergänzt: „Es ist eine tolle Möglichkeit, etwas zu lernen – die „Salomé“ muss man richtig einstudieren.“

Die Wechselwirkung betont auch Grosse: „Die jungen Leute geben mit ihrem Denken, Fühlen und Handeln Impulse für das Theater – wir sehen die Dinge der Alltagsarbeit durch sie noch einmal anders. Es ist eine klassische Win-Win-Situation.“

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