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Krefeld: Gellep-Stratum leidet unter Verkehr und Lkws, die zum Hafen fahren.

Interview : Gellep-Stratum leidet unter Hafen-Expansion

Der Hafen boomt, die Bürger in Gellep-Stratum leiden unter dem Verkehr und wild parkenden Lkw. Bürgervereinsvorsitzender Gregor Roosen geht sogar so weit, Gellep-Stratum als „vergessenen Stadtteil“ zu bezeichnen.

Herr Roosen, der Hafen boomt, was macht das mit dem Stadtteil Gellep-Stratum?

Roosen Wo es Gewinner gibt, muss es auch Verlierer geben — und das sind die Menschen in unserem Stadtteil. Unmengen von Lkw, aufgereiht wie Perlen zu einer langen Kette, quälen sich Tag für Tag über das Nadelöhr Drehbrücke oder die Düsseldorfer Straße in den Hafen und wieder zurück, verbringen ihre Warte- und Ruhezeiten an den Straßenrändern und hinterlassen Unmengen an Müll und menschlichen Exkrementen. Wenn ich überlege, dass es sowohl den Verantwortlichen der Stadt Krefeld und als auch der Bezirksregierung nicht gelingt, den oder die Verursacher für die seit Frühjahr 2018 immer wieder auftretenden Geruchsbelästigungen in unserem Stadtteil zu ermitteln, wie soll man da erwarten, eine weitaus schwierigere Verkehrssituation wie die im Hafen verträglicher zu gestalten.

Was sagen die Bürger von Gellep-Stratum dazu?

Roosen Einen Begriff, den man immer wieder hört ist: „Wir sind der vergessene Stadtteil“. Die Bürger hatten sich, auch wegen des Wahlkampfversprechens des heutigen Oberbürgermeisters Frank Meyer, es seien jetzt die Stadtteile dran, erhofft, bessere Zeiten unter der Führung eines SPD-Oberbürgermeisters zu erleben.

Welche Hoffnungen waren das?

Roosen Die Gellep-Stratumer sahen vor ihrem geistigen Auge reparierte Straßen, Baumnachpflanzungen, weniger Verkehr auf der Düsseldorfer- oder Fegeteschstraße, bessere Luft und mehr Sauberkeit im Hafengebiet.

Und was ist draus geworden?

Roosen Nichts. Aber in einem Punkt war unser Stadtteil dann doch dran. Für den Rheinhafen war 2015/2016 ein Erfolgsjahr. Nach Jahren wirtschaftlicher Schwierigkeiten meldete er zum ersten Mal schwarze Zahlen. Insbesondere das Geschäft der Hafeneisenbahn florierte und die Ansiedlungspolitik glückte. Inzwischen ist der Hafen an seine Kapazitätsgrenzen gelangt, hat kaum noch Flächen zur Verfügung. Augenfällig sind die riesigen neuen Logistikhallen mit Hochregallagern. Sowohl die Baumarktkette Bauhaus als auch die Handelsgesellschaft VGG haben ihre Zentrallager bezogen. Für Bauhaus ist der Krefelder Hafen die Drehscheibe fürs europäische Geschäft. VGG bezieht dort seine Weiße Ware aus Fernost und verteilt sie in die Fachmärkte. Auch der Holzhändler Brockmann hat seine neue Firmenzentrale nach Krefeld verlegt. Die Westfalen AG hat den Bau eines Tanklagers am Wendebecken angekündigt, und die VGG vermietet drei ihrer Hallen an den Online-Versandhändler und Branchenriesen Amazon. Der Schwertransportexperte Felbermayr baut seine Niederlassung im Krefelder Hafen zur Deutschland-Zentrale aus. Die GoodMills Deutschland GmbH verlegt Europas größte Mühle in den Hafen der Seidenstadt und das Firmengelände ehemals Bender wurde vom Hafen aufgekauft mit dem Ziel, einen weiteren Betrieb anzusiedeln, der wieder Lkw-Verkehre generiert.

Die Hafengesellschaft hat aber doch einige Dinge unternommen, um die Nebenwirkungen des Lkw-Verkehrs in den Griff zu bekommen, etwa den Müll am Heidbergsweg beseitigen lassen...

Roosen Ja, aber der Erfolg der Aktion war nicht nachhaltig, kurze zeit später sah es wieder aus wie vorher. Auch Parkverbotschilder wurden aufgestellt, deren Erfolg aber von einer konsequenten Kontrolle abhängt, die nicht erfolgt.

Wie ist die Lage heute am Castellweg? Dort parken Lkw-Fahrer ja auch gern mal über Nacht.

Roosen Dort wurden versuchsweise ein paar Papierkörbe aufgehängt. Die sind aber viel zu klein oder werden nicht oft genug geleert. Und leider wird das Umfeld nicht regelmäßig gesäubert. Stattdessen lässt die Geschäftsführung des Hafens gebetsmühlenartig verlautbaren, dass man mit den Firmen permanent im Gespräch ist, damit die Lkw-Fahrer auf dem jeweiligen Betriebsgelände parken oder warten können.

Zumindest in Sachen Verkehrsanbindung Trailerport zeichnet sich aber eine Lösung ab, die auch für Gellep-Stratum nicht nachteilig ist.

Roosen Der Bau eines Kreisverkehrs an der Floßstraße und der Austausch der Mietampelanlage an der Hafen-/Düsseldorfer Straße sowie die Planungen zum abgespeckten TrailerPort in Linn sollen uns als Meilensteine der Verkehrsführung verkauft werden. Das ist doch lächerlich. Für uns in Gellep-Stratum ändert sich dadurch nämlich gar nichts am explodierenden Verkehr und dessen Folgen in Form von Verschmutzung der Luft durch Staus, wachsendem Lärm, Dreck in den Wohnstraßen und der im Hafengelände auf Anschlussaufträge wartende Lkw-Fahrer, für die es keine sanitären Hilfen gibt und die die Straßenränder zuparken.

Dass zukünftig noch viel mehr Verkehre zu erwarten sind, hat die Presseinformation des Krefelder Hafen vor rund drei Wochen deutlich gemacht. Das vorgestellte Verkehrsgutachten hat eine Zunahme des LKW-Verkehrs an der Düsseldorfer Straße zwischen Hafen und Floßstraße von derzeit 2.521 LKW um 42 Prozent auf dann 3.581 LKW errechnet und lässt nichts Gutes erahnen. Der Anstieg ist alleine auf die geplanten Neuansiedlungen und Betriebserweiterungen im Hafen zurückzuführen.