Krefeld: Gefangenenbefreiung aus Polizeiwagen gescheitert

Nachts in Krefeld: Gefangenenbefreiung aus Polizeiwagen gescheitert

Der Bericht im Sicherheitsausschuss zeigt die Dramatik beim Angriff von Randalierern auf Ordnungskräfte der Stadt im Fischelner Park.

Es geht um Widerstand gegen Einsatzkräfte, gefährliche Körperverletzung und versuchte Gefangenenbefreiung: Die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen drei 18, 20 und 22 Jahre alte Krefelder prüft, zeigen die Dramatik und Brutalität des Vorfalls in der Nacht zum 19. August, bei dem drei Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) verletzt worden sind. Auch fast vier Wochen nach dem Angriff sind zwei der drei städtischen Angestellten dienstunfähig. „Sie haben unter anderem Prellungen, Stauchungen sowie einen Sehnenteilabriss am Oberarm erlitten“, sagte KOD-Chef Christian Horn in der jüngsten Sitzung des Ordnungs- und Sicherheitsausschusses. Die CDU hatte zuvor in einem Dringlichkeitsantrag die Verwaltung aufgefordert, einen Bericht abzugeben. „Gewalt gegen Rettungs- und Ordnungskräfte ist keinesfalls hinnehmbar“, so CDU-Ratsherr Walter Fasbender. „Wir brauchen eine umfassende Aufklärung und eine entsprechende Aufarbeitung.“

Nach Aussage von des KOD-Leiters war es kurz nach Mitternacht, als Bürger wegen ruhestörenden Lärms im Fischelner Stadtpark die Leitstelle der Polizei anriefen. Diese informierte umgehend die Zentrale des KOD, von dort rückten drei Mitarbeiter gegen 0.45 Uhr aus. Vor Ort trafen sie auf eine Gruppe alkoholisierter Männer, deren Personalien sie aufnehmen wollten. „Die Situation eskalierte, als einem der Kollegen ein Personalausweis aus der Hand geschlagen wurde“, so Horn. Ein 22-jähriger Krefelder stieß den 50 Jahre alten KOD-Mitarbeiter zu Boden und trat ihm ins Gesicht. Daraufhin besprühte ein Bediensteter den Angreifer mit Pfefferspray, weitere Umherstehnde mischen sich ein. „Inzwischen hatte ein Kollege die Polizei alarmiert und um Unterstützung gebeten“, erklärte der KOD-Chef. „Die Polizei nahm einen 22-Jährigen fest und brachte ihn in den Einsatzwagen. Jetzt versuchten weitere aus der Gruppe, den Täter gewaltsam aus dem Auto zu befreien.“

„Zwei der drei Mitarbeiter sind bis heute krankgeschrieben“, sagte Frank Kollenbroich, Sicherheitsbeauftragter der Verwaltung. Ihnen sei zwischenzeitlich eine psychologische Begleitung angeboten worden, um das Erlebte besser verarbeiten zu können. Angaben zu weiteren Einzelheiten und dem aktuellen Gesundheitszustand der Mitarbeiter konnte Kollenbroich nicht machen. Es habe bisher für die Verwaltung keine Möglichkeit bestanden, mit den Kollegen zu sprechen.

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Damit wollte sich die CDU allerdings nicht zufrieden geben. Fasbender: „KOD-Mitarbeiter halten für uns alle ihren Kopf hin. Wir erwarten, dass zeitnah Konsequenzen zu ihrem Schutz aus dem Vorfall gezogen werden. Es stellt sich die Frage, ob Änderungen in der Ausstattung, der Aus- und Fortbildung oder des Selbstschutzes ergriffen werden müssen.“ Die Verwaltung versprach, sich in diesem Punkten auf den Weg zu machen: „Wir wollen uns unter anderem mit der Polizei austauschen und absprechen“, erklärte Kollenbroich.

Auch die SPD drückt bei der Aufklärung des Übergriffs aufs Tempo. „Dieser Vorfall muss zügig mit allen Möglichkeiten des Strafgesetzbuchs verfolgt werden“, betonte SPD-Ratsherr Hans Butzen, der an einen weiteren Übergriff auf KOD-Mitarbeiter vor wenigen Tagen auf dem Theaterplatz erinnerte. Dabei war ein städtisches Fahrzeug nachts mit einem faustgroßen Pflasterstein beworfen worden. Butzen: „Das hat etwas mit der Sicherheit in dieser Stadt zu tun.“