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Krefeld gedenkt des in Dresden getöteten 55-Jährigen: Bewegende Feier für Thomas

In Dresden getöteter Krefelder : Gedenkfeier als bewegendes Zeichen des Zusammenhalts gegen Gewalt

Der Tod eines 55-jährigen Krefelders in Dresden hat die Stadt erschüttert: Am Freitag fand für ihn eine Gedenkfeier statt. „Gewalt ist nicht Merkmal einer Religion, sondern Merkmal eines schrecklichen Menschen“, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer in seiner Rede.

Eine Akustik-Version von  „I will always love you“ füllte am Freitagabend die Stille über dem Platz an der Alten Kirche. Musik, die in diesem Moment niemanden kalt ließ. Es war Musik für Thomas. Und es gab viele Worte für Thomas, die ihn als ruhigen, friedlichen und umgänglichen Menschen bezeichneten, wie Oberbürgermeister Frank Meyer ihn beschrieb.

 Rund 100 Menschen waren wegen der Lockdown-Bestimmungen auf dem Platz an der Alten Kirche zugelassen. Zwei Meter Abstand von einander mussten sie einhalten. Doch in dieser Dreiviertelestunde fühlten sie sich einander nahe – in ihrer Trauer um einen Menschen, der aus einem Urlaub nicht zurückgekommen ist, weil er bei einem brutalen Angriff getötet wurde. Nahe auch im Zusammenhalt gegen Gewalt, die sich gegen anders Denkende und anders Lebende richtet.

Der 55-jährige Krefelder war am 4. Oktober in Dresden bei einem Messerangriff getötet worden, sein 53-jähriger Freund hat schwer verletzt überlebt. Gut einen Monat nach dem Angriff hatte die Bundesanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den syrischen Tatverdächtigen erwirkt. Der 20-jährige Mann habe aus einer radikal-islamistischen Gesinnung heraus gehandelt, erklärte die Behörde in Karlsruhe: „Er wollte die beiden Tatopfer als Repräsentanten einer von ihm als „ungläubig“ abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen.“ Der Haftbefehl lautet auf Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Thomas ist am vergangenen Freitag beerdigt worden. Der Christopher Street Day Verein hat das Gedenken mit einem zeitlichen Abstand organisiert, um der familie Raum zu lassen und den Freunden Gelegenheit zum Trauern und Abschiednehmen zu geben. Aber auch um ein Zeichen setzen. „Wir sind in Krefeld gemeinsam unter der Regenbogenfahne für eine bunte und offene Stadt eingetreten“, sagte Meyer. Man habe gedacht,  Ausgrenzung gehöre nicht mehr in die Zeit. „Die Realität ist eine andere“, so der OB. Aggression und Gewalt gegen queere Menschen, gegen Menschen anderen Glaubens gehörten zur Wirklichkeit. „Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligen.“ Meyer betonte, auch wenn homophobe und islamistische Hintergründe der Tat im Raum stünden, sei „Gewalt ist nicht Merkmal einer Religion, sondern Merkmal eines schrecklichen Menschen“.

„Wir schweigen, um Thomas zu gedenken, aber wir schweigen nicht über die menschenverachtende Tat“ –  „Unser Schweigen wird uns nicht schützen. Wir müssen unsere Stimmen erheben“, sagten die Freunde von Thomas und sprachen auch vom Zusammenstehen für alle Menschen, die von Rassismus, Antisemitismus und Homophobie betroffen sind . Diese „Zeichen des Zusammenhalts von Krefeld hätten Thomas gefallen“, meinte der OB.