Erbengemeinschaft Gebäude Kosmopolit wird zwangsversteigert

Krefeld · Sie sind schon lange ein Ärgernis: Die Schrottimmobilien an der Lindenstraße 5 und 7 befördern seit Jahren die politische Diskussion. Ein gastronomisches Juwel liegt im Hinterhof – das Kosmopoltit. Auch dessen Zukunft ist gefährdet. Das Gebäudeensemble kommt unter den Hammer und wird zur Auflösung einer Erbengemeinschaft zwangsversteigert.

 Im Innenhof der Immobilie an der Lindenstraße 7 befindet sich in einer alten Lagerhalle das Lokal Kosmopolit. Das Objekt gehört mit zum Umfang, der am 24. April am Amtsgericht Krefeld zwangsversteigert wird.

Im Innenhof der Immobilie an der Lindenstraße 7 befindet sich in einer alten Lagerhalle das Lokal Kosmopolit. Das Objekt gehört mit zum Umfang, der am 24. April am Amtsgericht Krefeld zwangsversteigert wird.

Foto: Norbert Stirken

Nach rund 20 Jahren des Leerstands und Verfalls von zwei Wohn- und Geschäftshäusern an der Lindenstraße Nummer 5 und 7 gerät Bewegung in die Sache: Zur Auflösung der Erbengemeinschaft kommen die beiden Objekt in Innenstadtlage unter den Hammer. Die Zwangsversteigerung  ist vom Amtsgericht Krefeld auf Mittwoch, 24. April, festgesetzt. Weil von den maroden Fassaden und einstürzenden Dachteilen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausging, hat die Stadtverwaltung Schritte zur Sicherung der Gebäude unternommen und die Fassaden und den Durchgang in den Innenhof mit Gerüsten gesichert.

Die Schrottimmobilien sorgten nicht nur aus diesem Grund  für Diskussionen. Sie standen gleichsam symbolisch für den Niedergang von Teilen der Innenstadt und boten Anlass etwa für eine öffentliche Demonstration der Grünen zum Thema „Eigentum verpflichtet“. Einer breiten Öffentlichkeit ist der Standort nicht nur als schäbiger Teil des Straßenbildes geläufig, sondern durch das Lokal Kosmopolit im Innenhof, das mit einem begrünten Biergarten in besonderer Atmosphäre beim Publikum zu punkten weiß.

Das vom Amtsgericht bestellte Gutachten über den Zustand und den Wert der Immobilien lässt keine Zweifel. „Bei dem Zustand dieser Baulichkeiten wird jeder wirtschaftlich denkende, durchschnittlich handelnde Marktteilnehmer den Häusern keinen Wert mehr zumessen und für eine Folgenutzung von einem Abriss und einem anschließenden Neubau ausgehen“, schreibt der Experte.

 Die Stadt hat zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit die Häuser Lindenstraße 5 -7 eingerüstet, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen.

Die Stadt hat zur Herstellung der öffentlichen Sicherheit die Häuser Lindenstraße 5 -7 eingerüstet, um Passanten vor herabfallenden Teilen zu schützen.

Foto: Norbert Stirken

Der erhielt für seinen Ortstermin keinen Zugang zu der ehemaligen Lagerhalle, die heute als Gastronomiebetrieb genutzt wird. Auch der Zutritt zu den Wohn- und Geschäftsgebäuden war entweder nicht möglich, oder er verzichtete aus Sicherheitsgründen freiwillig darauf. Rückwärtig gelegene Nebengebäude  begutachtete der Fachmann von Nachbargrundstücken aus.

Die Liste der Mängel ist lang und gravierend. Für das Haus Lindenstraße 5 notiert der Experte ein Haus quasi ohne Dacheindeckung, mit Holz verschlossene Fensteröffnungen, mit Latten  zugespaxte Türen, eingestürzte Zwischendecken, massive Feuchtigkeitsschäden, keine technische Gebäudeausstattung und Tauben allerorten. Ähnlich verhält es sich für den Komplex Lindenstraße 7. Lediglich dem früheren Lagerhaus wird eine erhaltenswerte Substanz attestiert.

Weil die Objekte sich in guter Lage befinden, setzt der Gutachter den Grundstückswert nach der Bodenrichtwerttabelle mit 620 Euro pro Quadratmeter an. Um zu marktgerechten Preisen zu gelangen, zieht er davon die Abriss und die Entsorgungskosten für das Baumaterial ab. Für die Immobilie Lindenstraße 7 kommt er auf einen Wert von 700.000 Euro. 133.600 Euro entfallen auf das straßenseitig gelegene Objekt auf 381 Quadratmetern. Das alte Lagerhaus mit dem Lokal Kosmopolit schlägt mit 566.400 Euro zu Buche. Das Grundstück ist 772 Quadratmeter groß.

Ob die Berechnungen des Fachmanns hinsichtlich des Werts der gastronomisch genutzten ehemalige Lagerhalle realitätsnah sind, darf bezweifelt werden. Er geht von Pachteinnahmen aus, die fast 70 Prozent höher liegen als die erzielte Nettokaltmiete für das Kosmopolit mit Lokal, Biergarten und Wohnung. Ob sich das Lokal dort über einen Zeitraum von vielleicht zwei Jahren für Abriss und Neubau der Nachbargebäude überhaupt halten kann, ist unwahrscheinlich. Darüber hinaus verliert die Biergartenlage an Charme und kollidiert wahrscheinlich mit einer beabsichtigten Wohnbebauung. Der Verkehrswert des 1889 erbauten Objekts an der Lindenstraße 5 wird mit 32.500 Euro festgesetzt.

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