Krefeld: Fußgängerzone in Uerdingen kann nicht mehr befahren werden.

Aus den Stadtteilen : Uerdinger Fußgängerzone jetzt abgepollert

Die Ober- und Niederstraße können ab sofort nur noch zwischen 7 und 10 Uhr von Lieferfahrzeugen befahren werden.

Von heute an ist die aus der Ober- und Niederstraße bestehende Uerdinger Fußgängerzone nur noch zwischen 7 und 10 Uhr morgens für den gewerblichen Anlieferverkehr und für die Autos der  Anwohner erreichbar. In rot-weißer Warnfarbe lackierte stählerne Poller, teils fest installiert, teils für den mobilen Gebrauch konstruiert, sperren die Fußgängerzone am Eingang der Oberstraße auf der Höhe des Restaurants Ragusa, am Beginn der Niederstraße direkt hinter dem historischen Marktplatz und an der Einmündung der Von-Brempt-Straße in die Niederstraße. Entsprechende Hinweisschilder kommen nach deren Fertigstellung hinzu.

„Wir werden die Durchfahrtverbote mit aller Entschiedenheit durchsetzen“, bekräftigte Bezirksvorsteher Jürgen Hengst, als er am Dienstag die Gewerbetreibenden an der Fußgängerzone Geschäft für Geschäft informierte und Handzettel zu der Maßnahme verteilte. „Die Uerdinger Fußgängerzone darf ihren Charakter als Ort entspannten Verweilens für Groß und Klein nicht verspielen.“ Feuerwehr und Krankenwagen werden natürlich zu jeder Einsatzzeit in die Fußgängerzone gelangen können.

Rund 20 Jahre hat sich die Diskussion dahingezogen, ob man die Uerdinger Fußgängerzone gegen den fließenden Verkehr nicht besser abschirmen sollte. In dieser Zeit nahm der häufig ortsfremde Lieferverkehr mit schnellen beweglichen Transportern kontinuierlich zu. Dazu gesellten sich noch die Paketzulieferer, die sich ebenfalls in einem engen Zeitkostüm bewegen und oft „eine Fünf gerade sein lassen“. Die Uerdinger Fußgängerzone mit ihrer zahlreichen Außengastronomie drohte, zum Wagnis für die Besucher zu werden. Außerdem störte in den Nachtstunden die häufige Durchfahrt von Autos die Nachtruhe der Anwohner. „Wer nicht hier ständig zu tun hat, kann sich gar nicht vorstellen, was hier mitunter los war“, verdeutlicht Kaufmannsbund-Vorständlerin Bettina Losereit die Kritik am Erscheinungsbild der Fußgängerzone.  Leider musste sich, abgesehen von vielen leichten Unfällen in einer der Öffentlichkeit vorenthaltenen Grauzone, erst vor einigen Monaten ein schwerer Unfall mit einem Kind ereignen, bis die Schließung der Fußgängerzone endlich in der Uerdinger Bezirksvertretung beschlossen werden konnte. Die Verwaltung brauchte drei Monate, um die nötigen Installationen durchzuführen. Der Uerdinger Kaufmannsbund übernahm die Organisation der Öffnung und Schließung der mobilen Poller in den Lieferzeiten. „Wir konnten mit der finanziellen Unterstützung des Chemparks eine verlässliche Firma für diese Aufgabe gewinnen“, erklärte Kaufmannsbund-Chef Uwe Rutkowski. „In einem Jahr werden wir überprüfen, wie sich die Abpollerung bewährt hat und gegebenenfalls nachbessern.“ Die Gewerbetreibenden der Fußgängerzone haben inzwischen erkannt, dass die Maßnahme die Aufenthaltsqualität der Fußgängerzone verbessern wird und so durchaus einen Umsatzschub zur Folge haben kann. Sie wollen den Kaufmannsbund unterstützen und mithelfen, ihre Lieferanten an die Anlieferzeiten gewöhnen. Kritik gab es vom Uerdinger Heimatbund. Dessen Vorsitzender Elmar Jakubowski findet die Anschaffung der  rot-weißen Pollerstangen verfehlt. „Diese Stangen passen zum historischen Zentrum Uerdingens wie die Faust aufs Auge“, urteilt Jakubowski. „Besser für das Straßenbild wären die gusseisernen anthrazitgrauen Antikpoller, die nur 10 Euro Mehrpreis pro Stück erfordert hätten.“ Kaufmannsbund-Geschäftsführer Fabian De Cassan hält dem entgegen, dass man die rot-weiße Warnfarbe gerade im winterlichen Dämmerlicht besser erkennen könne. Daher wären sie auf ausdrücklichen Wunsch der Feuerwehr angeschafft worden. Wer letztlich Recht bekommt, wird die Zukunft zeigen. Nach einem Tag Probebetrieb ist bereits einer der Poller von einem Lieferfahrzeug umgefahren und zerstört worden.